Læsø – Tangdächer, Salzsieden und Schwimmen in der Kirche

Eine kleine Insel bietet viele einzigartige Besonderheiten

Dächer, die irgendwie an die Frisuren der Beatles erinnern, gibt es nur auf Læsø

Statiker in deutschen Bauämtern würden vermutlich in Panik geraten, wenn ein Bauherr mit dem Wunsch käme, das Dach seines Hauses zu decken, wie er es auf der dänischen Insel Læsø gesehen hat: Auf der Insel, östlich der Nordjüdländischen Hafenstadt Frederikshavn gelegen, gibt es die Häuser, die irgendwie an die Pilzköpfe der Beatles erinnern.

Die Tangdächer sind etliche Tonnen schwer

Die Häuser sind allerdings deutlich älter als die Beatgruppe, die einstmals ihre Fans begeisterten: Auf gute 200 bis 300 Jahre bringen es etliche der noch erhaltenen Häuser. Und ihre Dächer sind mit Tang gedeckt, dem Pflanzenmaterial, dass man in der Ostsee unweit der kleinen, aber sehenswerten Insel im Kattegat erntet. Nicht mehr so, wie es die alten Dänen taten, heute werden moderne „Erntemaschinen“ eingesetzt. Das Handwerk indes ist geblieben, wenn auch für das Aufwickeln der Tangstränge von Dachdecker Henning Johannsen inzwischen eine Bohrmaschine genutzt wird. Und die Dachkonstruktion wird nicht mehr aus alten Schiffsmasten oder dem Material alter Schiffe gebaut, Dachlatten moderner Fertigung tragen das Material. Eine verdammt lange Zeit, immerhin gibt es noch Tangdächer, die über 200 Jahre alt sind. Und die Konstruktion muss viel verkraften, denn so ein Tangdach bringt es auf ein Gewicht von zum Teil weit über 50 Tonnen – im trockenen Zustand, bei Regen liegt ein deutlich höheres Gewicht auf den Sparren.

Dachdecker Henning Johannsen kümmert sich inzwischen um den Erhalt und die Neueindeckung der Tangdächer

Das, was damals von der mittellosen Inselbevölkerung als einzige Möglichkeit genutzt wurde, um die Dächer zu decken, ist ein heute wertvolles und geschütztes Kulturerbe, die Zahl der Häuser mit den „Pilzköpfen“ wächst wieder an – gefördert durch verschiedene Stiftungen. Inzwischen sind zehn Häuser auf der „Tanghusruten“ – der Tanghausroute – rund im Gammel Østerby am nordöstlichen Ende der kleinen Insel im Kasttegat zu sehen. Einige der liebevoll restaurierten Häuser können sogar besichtigt werden.

Aber nicht nur die Häuser mit den „Pilzköpfen“ machen die kleine Insel Læsø zu einem sehens- und liebenswertem Ziel im Kattegat: am Südende der Insel wird bei Storhaven ein weiteres Handwerk präsentiert, mit dem Læsø einstmals ein wenig Reichtum direkt aus dem Kattegat „ernten“ konnte: In der alten Saltsyderne – der alten Salzsiederei – sieht man, wie dem Meerwasser das „weiße  Gold“ in großen Pfannen mittels Hitze abgenommen wird. Und natürlich kann man dieses Salz probieren und den einzigartigen Geschmack genießen. Das Salz aus der Saltsyderne wird übrigens nicht mehr in den einstmals großen Mengen produziert, es ist aber ein nicht nur bei internationalen Köchen beliebtes Gewürz, das seine Fans nicht nur auf Læsø hat.

In der alten Saltsyderne wird auf alte Art Salz gewonnen.

Wenn man schon an der Læsø Halt macht, dann sollte man auch mit der Pferdekutsche dorthin fahren, wo die Salzsieder das Material „ernten“: Auf dem Weg an das Ufer der  Strandwiesen Rønnerne gibt es nicht nur Vögel zu beobachten, man kann auch etliche der riesige Steine sehen, die als besondere Attraktion auf Læsø gelten.

Wenn es schon um Besonderheiten geht: In Byrum in der Mitte Læsøs hat sich Thorvald Hansen 1926 einen Traum erfüllt: Der baute sich einen 17 Meter hohen Aussichtsturm, um einen besseren Überblick über Læsø zu haben. Heute ist der Læsø Tårnet Teil des Læsø Museum.

Die Insel Læsø erreicht man in einer etwa 90-minütigen Fahrt mit der Fähre von Frederikshavn. Und schon kurz nach der Ankunft in Vesterø Havn fällt dem Besucher der Insel eine Kirche ins Auge. Bei näherer Betrachtung allerdings stellt man schnell fest, dass hier nicht mehr Gottes Wort gepredigt wird, unter dem großen Glockenturm dreht es sich um Wellness und den Badespaß: Læsø Kur ist ausgezeichneter Erlebnisort geworden, Entspannung mit Blick auf das Kattegat ist angesagt. Und es begegnet einem das Salz aus der Læsø wieder: In Behandlungen und bei Massagen wird es eingesetzt, schon die Salzbäder sollen besondere Wirkungen haben.

Infos:

www.visitlaesoe.dk

www.tangtag.dk

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