Jenever und edle Diamanten

Antwerpen ist eine Stadt für Genießer schöner Dinge

„Frühstück bei Tiffany“ lässt das Herz der Freunde edler Diamanten ja schneller schlagen, an die Grenzen der Belastbarkeit kommt das Herz aber wohl eher an einem anderen Ort – und das wohl eher nicht der Preise wegen, die es bei Tiffany in New York fast zum Stillstand gebracht haben dürfte: Antwerpen ist es, wo Diamantenfreunde auf ihre Kosten kommen – und wo sie genau aus diesem Grund auch sparen können. Die belgische Stadt an der Schelde ist bekannt als der größte europäische Handelsplatz für Diamanten, rund um die Centraal Station findet man unzählige Diamanthändler mit kleinen und großen Läden, einige davon auch in den historischen Gemäuern des Bahnhofs mit seinen insgesamt vier Gleisebenen.

Ein paar Infos zum Antwerpener Diamantenviertel, das auch als „größte Anhäufung von Juwelieren“ gilt: Acht von zehn Rohdiamanten der Weltproduktion und über die Hälfte der geschliffenen Steine werden in den vier Diamantenbörsen und in den über 100 Juweliergeschäften verkauft. Im Diamantenmuseum sieht man dann noch die Schätze vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ein Tipp: Die Preise für Diamanten und mit Diamanten verzierten Schmuck sind außergewöhnlich günstig, der Besuch in der Stadt lohnt sich also eigentlich mehr, als der Besuch bei Tiffany in New York.

Und noch etwas Wissenswertes zur außergewöhnlich schönen Centraal Station: Der Bahnhof wurde 1905 eröffnet, erbaut wurde das Empfangsgebäude im Gründerzeitstil von Loius de la Censerie. Mitte der 1960er Jahre wurde wegen des starken Verfalls der Abriss erwogen, das Gebäude mit der 75 Meter hohen Kuppel wurde aber unter Denkmalschutz gestellt und ab 1993 grundlegend renoviert. Die Kuppel gab dem Bahnhof den Spitznamen „Spoorwegkathedraal“ (Eisenbahnkathedrale).

Antwerpen ist aber nicht nur die Hauptstadt der Diamanten, sie ist auch ein Treffpunkt für Genießer. Sie lieben Waffeln? Dann ist der Besuch im Désiré de Lille in der Schrijnwerkersstraat 14 ein Punkt, den man nicht umgehen darf. Die Auswahl an Waffeln mit köstlichsten Beilagen ist riesig, dazu kommen etliche andere Köstlichkeiten aus der Küche. Nach den Waffeln vielleicht noch etwas Süßes? Überall in der Stadt warten Pralinenmacher mit ihren kleinen, aber sehr feinen Schätzen für den verwöhnten Gaumen. Und wer den noch nicht hat: Spätestens nach der ersten Praline verkündet der sicherlich, dass er gerne mehr von diesen süßen Kleinigkeiten hätte. Um die Schokolade geht es auch im Chocolade Line. Hier genießt man auf zweifache Weise: Zum einen zieht Besucher die Schokolade in ihren Bann, zum anderen ist es das historische Ambiente des Geschäftes in der Meir 50 – übrigens nahe des Rubens-Hauses.

Zuviel genascht? Dann wäre ein Besuch in „De Vagant“ in der Reynderstraat 25 mit in der historischen Altstadt zu empfehlen: Hier sind nicht die Spitzenköche anzutreffen, die in Antwerpen in vielen Restaurants Köstlichkeiten zubereiten, hier geht es auch nicht um das Gebäck, das die flämische Stadt so berühmt gemacht hat. Wer in „De Vagant“ geht, der möchte neben vielen verschiedenen Biersorten (etliche davon frisch vom Fass) den Jenever genießen. Und davon bietet das kleine Lokal in unmittelbarer Nähe der mächtigen Kathedrale gelegen, die wohl größte Auswahl, die man sich vorstellen kann: In der „Jeneverkaart“ finden Freunde des typischen Getränks über 200 Sorten, die allesamt aus Belgien stammen. Nimmt man noch die vielen Varianten des „Jenevers“ und der Liköre der über 40 Produzenten dazu, dann kommt man leicht auf ein Sortiment von 400 Varianten.

Nach dem Genuss für Leib und Magen ein bisschen Genuss für die Augen und die Seele? In Antwerpen laden viele – natürlich meist geöffnete – alte Kirchen ein zur Besinnung. Oder zum Kunstgenuss. Zum Beispiel die Kathedrale in der Nachbarschaft des Groenplaats in der Mitte der Altstadt.

In einer Dauerausstellung sind dort Werke von Peter Paul Rubens zu sehen, Arbeiten von ihm und viel Wissenswertes über sein Leben gibt auch im eigens für ihn eingerichteten Rubens-Haus im Wapper 9 – 11. Dort kann man sich unter anderem über Leben und Werk von Peter Paul Rubens informieren. Die Stadt beherbergt viele weitere Museen zu den unterschiedlichsten Themen, für den Besuch der Stadt an der Schelde sollte man also viel Zeit einplanen.

Auch in Sachen Architektur ist Antwerpen ein besonderer Ort: Rund um den historischen Groten Markt finden Freunde historischer Bauten prächtige Gildehäuser, in den neueren Stadtteilen sind es supermoderne Bauten, die internationale Spitzenarchitekten realisiert haben. Dazu gehört ohne Zweifel das „Museum aan de Stroom“.

Zu den historischen Kostbarkeiten der Stadt gehört ohne Zweifel auch der Stadsfeestzaal, in dem zu früheren Zeiten nur große Bälle veranstaltet wurden. Dieses Bauwerk sollte – wie etliche andere historische Gebäude – einem Neubau in der beliebten Einkaufsstraße Meir weichen, es wurde aber gerettet und ist ein Teil eines Einkaufszentrums mit vielen kleinen und großen Geschäften.

Erhalten wurde auch der fast 600 Meter lange Sint Anna Schelde Tunnel, der seit 1933 die beiden Seiten der Schelde miteinander verbindet. 31 Meter tief hinab in den Tunnel gelangt man mit den ältesten noch existierenden Holzrolltreppen.

Infos: www.flandern.com

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