Weiße Häuser in schwarzer Landschaft

Lanzarote wurde von César Manrique mitgestaltet

Weiße Häuser mit blauen oder grünen Türen und Fensterrahmen, schwarze Strände, viele erloschene Vulkane sowie eine durch Lava gestaltete Landschaft und dazu ein außergewöhnlich mildes Klima: Lanzarote bietet alles für einen schönen Urlaub – und das eigentlich zu jeder Jahreszeit. Und man trifft dort Menschen, die sich genau aus diesen Gründen entschlossen haben, auf dieser Insel zu leben.

Es ist ein außergewöhnlicher Ort, dort draußen im Atlantik: Rund 1000 Kilometer entfernt vom Mutterland Spanien und 140 Kilometer westlich von der marokkanischen Küste liegt Lanzarote, jene Insel, die nur zu gerne von Urlaubern aufgesucht wird, die die Hauptinsel der Kanaren, Teneriffa, nicht so recht mögen. Die Ruhe suchen, Landschaften, in denen man gut wandern kann und Orte, an denen man die Köstlichkeiten der Insel genießen kann. Und wo man überall die Spuren eines großen Künstlers findet.

Es gibt wohl kaum einen Flecken auf der Weltkarte, der so geprägt ist von einem Künstler, wie Lanzarote: César Manrique (1919–1992) ist es zu verdanken, dass die meisten Häuser auf dem 845 Quadratkilometer großen Eiland maximal drei Stockwerke hoch sein dürfen, er war es, der dafür sorgte, dass die meisten Häuser weiß im Sonnenlicht erstrahlen. Manrique hatte 1968 den mit ihm befreundeten Präsidenten der Inselverwaltung Pepin Ramírez überzeugt, dass Gebäude auf Lanzarote die Höhe einer ausgewachsenen Palme nicht überschreiten sollen. Die Zeiten haben sich allerdings geändert, inzwischen gibt es auf der nördlichsten der acht bewohnten Kanarischen Inseln einige Häuser die Grenzen nach oben überschreiten. Geblieben ist aber das strahlende Weiß der Häuser mit ihren blauen Fensterrahmen, Türen und Gartenzäunen in Fischorten und mit den grünen Rahmen, Türen und Zäunen in landwirtschaftlichen Räumen.

Die Farben sind inzwischen auch vermischt anzutreffen, andere Farben sind hinzugekommen. Geblieben aber ist der Charme der Insel, die voll ist mit vielen Naturschönheiten, mit lokalen Besonderheiten, mit hervorragenden Weinen und mit kulinarischen Köstlichkeiten. Und mit den Spuren, die César Manrique auf „seiner“ Insel hinterlassen hat. In der Fundación César Manrique in Tahiche nördlich von Arrecife sind Werke des Künstlers zu sehen. Auch in der Sala Saramaro und im Museo Insular de Arte Contemporáno (MIAC) in Arrecife sieht man Arbeiten des großen Künstlers.

Ein weiteres Werk von César Manrique – das letzte vor seinem Tod geschaffene – ist ein sehr stacheliges: Im Jardín de Cactus in Guatiza, einem umgestalteten ehemaligen Steinbruch, hat der Künstler etwa 4500 Kakteen in einer terrassenartig angelegten Arena gepflanzt. Die etwa 450 Arten hat César Manrique von allen fünf Kontinenten zusammentragen lassen. Umrahmt werden die stacheligen Schönheiten von Pflanzen, von denen die wenigsten auf Lanzarote heimisch sind: Agaven, Alluaudien, Äonien, Crassulaceen, Euphorbien, Hylocereen, Kleinias, Pachypodien und Pereskias können im 5000 Quadratmeter großen Jardín de Cactus bewundert werden.

Lanzarote, das sind 60 Kilometer Traumlandschaft von Südwest nach Nordost und 25 Kilometer von Südost nach Nordwest. Das sind aber auch wunderbare, oft schwarze Sandstrände und bis zu 671 Meter hohe Berge – auch meist schwarze. Was daran liegt, dass Lanzarote vulkanischen Ursprungs ist.  Der letzte Ausbruch war 1824, die „Feuerberge“ aber haben die Insel geformt und das Leben dort geprägt. Landwirtschaftlich genutzte Flächen mussten – und müssen – den meterdicken, schwarzen Lavaascheflächen abgerungen werden. Die heizen sich tagsüber auf und saugen nachts die Feuchtigkeit aus der Luft und speichern das Wasser.

Was dazu führt, dass auf Lanzarote zum Beispiel einzigartige Weine angebaut werden, bei denen die Reben in kleinen „Wällen“ ganz nah am Boden wachsen. Eine der Hauptanbaugebiete ist die Region La Geria in unmittelbarer Nähe einer ganz besonderen Attraktion: Der Parque Nacional de Timanfaya ist ein Besuchermagnet.  Der Nationalpark ist mit etwa 50 Quadratkilometern die größte Fläche mit Lavafeldern, Vulkanbergen und Aschetälern.

Auf Kamelen oder mit Bustouren kann man den Park erkunden, in dessen Zentrum sich das geothermische Restaurant El Diablo – übrigens auch von César Manrique gestaltet – befindet. Um in den Kernbereich der „Feuerberge“ zu kommen, muss man eine Gebühr entrichten, fällig wird sie am Parkplatz der Zufahrtsstraße, die von der LZ 67 abzweigt. Man sollte sich beim Plan, in diesen Bereich zu fahren, aber bewusst sein, dass dieses eine sehr beliebte Touristenattraktion ist, die täglich von vielen Tausend Besuchern angesehen wird. Lange Schlangen und Wartezeiten müssen eingerechnet werden. Große Teile des Parks dürfen übrigens nicht betreten werden, es werden aber von Rangern geführte Wanderungen angeboten, die allerdings im Vorwege gebucht werden müssen.

Aber keine Sorge: Wandern auf, in und an erloschenen Vulkanen und durch Lavafelder kann man an vielen Orten auf der Insel. Und je nach Schwierigkeitsgraden der Wege kann man es sogar erleben, die Schönheiten der einzigartigen Landschaft alleine zu erleben. Zum Beispiel den erloschenen Vulkan Caldera Blanca, in dessen Krater man aus einer Höhe von 458 Metern über dem Meeresspiegel blicken kann. Der Caldera Blanca liegt an der Westseite des Parque Nacional de Timanfaya und zählt zu den schönsten Kratern auf Lanzarote. Oder der Vulkan Caldera de la Rilla mit dem Gipfel des Montaña del Señalo (517m) – beides in einer Wanderung in oft absoluter Ruhe.

Ruhe findet man auch an der Küste. Die oft schwarzen Strände laden ein zum Sonnenbad oder dazu, sich in eines der Restaurants zu setzen und dort Fisch und Meeresfrüchte zu genießen. Zum Beispiel im Restaurante Bogavante am Strand von El Golfo.

Oder sich ansehen, wie man auf Lanzarote Salz gewonnen hat. Die alten Salinen an der Playa Blanca wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, ihr Betrieb ist allerdings inzwischen fast eingestellt. Das dort gewonnene Meersalz diente einst der Konservierung der Fische. Heute kann man das Meersalz direkt an der Saline kaufen, auch einige Geschäfte in der Nähe bieten diese Köstlichkeit an. Auch viele Restaurants nutzen das Meersalz zum Würzen ihrer Speisen.

Und wenn eingangs der Künstler César Manrique eine besondere Rolle spielte, dann lohnt sich auch vielleicht Blick auf einen deutschen Künstler: Christian Honerkamp, geboren in Münster, hat sich mit seinem Atelier und seiner Galerie auf Lanzarote niedergelassen. Er lebt und arbeitet in Tinguatón am Westrand des Nationalparks. Viele der Arbeiten des Künstlers sind geprägt vom vulkanischen Ursprung seiner neuen Wahlheimat, in die er 1993 gezogen ist. „In seinen Bildern ist der Geist der Insel Lanzarote deutlich zu spüren. Ob leuchtend rotes Magma in Kombination mit dem anthrazitschwarzen Lavagestein oder beruhigende Blaugrünmischungen der Meerestiefen, Honerkamps Bilder ziehen den Betrachter in abstrakte Welten“, sagen Freunde über ihn und seine Arbeiten. Das Atelier und die Galerie befindet sich in Tinguatón 19 und ist jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Lanzarote wurde übrigens von der UNESCO 1993 als erste Insel vollständig zum Biosphärenreservat erklärt.

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