Ein kleines Schild an der Straße durch das Inntal im Unterengadin weist den Weg in einen der schönsten Orte der Schweiz: Um nach Guarda zu gelangen, müssen von dort aber noch etliche Höhenmeter überwunden werden, immerhin liegt der Ort 1635 Meter über dem Meeresspiegel. Was man dann allerdings entdeckt, verschlägt vielen die Sprache: Ein malerisches Kleinod wartet darauf, entdeckt zu werden.

Guarda, das sind etwa 70 teils uralte Engadinerhäuser – viele davon mit den typischen „Sgraffiti“, den einzigartigen Malereien an den Wänden. Die Häuser wurden schon in den 1930er Jahren durch den Bündener Heimatschutz liebevoll restauriert und sorgen noch heute dafür, dass der Ort eines der am besten erhaltenen Engadiner Dörfer ist. Sogar Auszeichnungen erhielt Guarda dafür, dass man sich schon früh um den Erhalt des Dorfbildes kümmerte: 1975 wurde Guarda der Wakkerpreis verliehen. Die Auszeichnung wird vom Schweizer Heimatschutz (SHS) vergeben, erhalten können ihn Gemeinden in der Schweiz für beispielhaften Ortsbildschutz. 1985 wurde das Dorf außerdem als „Ortsbild von nationaler Bedeutung“ eingestuft. Nur wenige moderne Häuser sind am Ortsrand zu finden, im Dorf selbst prägen die historischen Gebäude das Bild. Und sie sorgen dafür, dass viele Gäste in den einzigartigen Ort kommen, der fast schon wie ein kleines, lebendiges Museum wirkt.

Ein „Museum“, dessen Geschichte schon 1160 begann: In dem Jahr wurde Guarda erstmals urkundlich erwähnt. Die Edlen von Tarasp schenkten „Warda“ – so der alte Name Guardas – dem Churer Bischof. Der Ort auf 1650 Metern Höhe bot schon damals einen guten Blick auf die alte Engandiner Straße, die den Comersee und Innsbruck verband.

Zur Geschichte Guardas gehört auch eine Geschichte, die den Ort noch bekannter machte: Der Schellen-Ursli entstammt der Feder der Autorin Selina Chönz und des Künstlers Alois Carigiet, erzählt wird in dem 1945 erstmals erschienenen Kinderbuch vom Brauch des Chalandamarz, der alljährlich am 1. März durchgeführt wird. Die Tradition will, dass im Frühling der Winter mit lautem Glockengeläut der Engadiner Kinder ausgetrieben wird. Dem Schellen-Ursli ist auch ein kleines Museum im Keller des Meisser-Hotels gewidmet, hier werden Szenen der Geschichte dargestellt – und die begeistern nicht nur die kleinen Besucher dieses liebevoll gestalteten Museums.

Die Jahrhunderte alte Tradition des Chalandamarz wird übrigens im Engadin, im Münstertal, im Oberhalbstein, im Albulatal sowie im Puschlav, Bergell und Misox begangen. Das lautstarke Glockentragen wird dabei ausschließlich von männlichen Kindern vollzogen, die im Ort geboren wurden.

Wer Guarda besuchen möchte, der nutzt zur Anreise am besten die Bahn: Die Rhätische Bahn richtete bereits 1913 unterhalb des Ortes eine Station ein. Die liegt auf 1431 Metern, zu Fuß überwindet man den Höhenunterschied von etwa 200 Metern in gut 40 Minuten. Es gibt aber auch eine Busverbindung. Mit dem Auto kann es mühselig werden: Im fast autofreien Ort gibt es keine öffentlichen Parkplätze, nur vor dem Ortseingang steht eine begrenzte Anzahl Plätze zur Verfügung. Ein Tipp: Das Auto schon an der Bahnstation abstellen und dann den gut ausgeschilderten Weg hinauf in das Dorf gehen – und der wird belohnt mit wunderbaren Blicken in das Engadiner Inntal.

Und die Blicke reizen natürlich, sich die Umgebung Guardas weiter anzusehen, denn etliche Wanderwege führen in eine schöne Landschaft, die zu erkunden sich lohnt.

Natürlich auch im Winter: Empfehlenswert ist der Besuch der Chamonna Tuoi, der Tuoihütte auf 2.250 Metern am Ende des Val Tuoi. Die Hütte direkt unterhalb des Piz Buin (3312 Meter) ist beliebter Ausgangspunkt für Bergsteiger, im Winter ist sie das Ziel vieler Tourenskigeher und Schneeschuhwanderer, die den Blick auf viele 3.000er Gipfel werfen wollen.

Auch rund um Guarda findet man unendlich viele schöne, vor allem aber ruhige Wege für Winterwanderungen und Skitouren. Übrigens muss man alle Wege in der Umgebung von Guarda ohne technische Hilfsmittel erobern, denn Lifte sucht man dort vergeblich – was den Reiz, die malerische Landschaft im Winter genießen zu können, noch deutlich erhöht.
Super Destination. Erstes Bild gibt einen Top Überblick (Tenor: Romantisches Bergdörflein). Bei den dann folgenden Bilder hätte ich mir keine Totalaufnahmen sondern Detailaufnahmen gewünscht. Ebenfalls der Text rational, informativ nur eben ohne m. Empfinden nach zu wenig E,mpathie. Schön. Gruß freue mich immer über Neues kennenzulernen. Unsere Welt ist doch schön!
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