In Hamburg wird Jules Vernes Idee deutlich verkürzt

„In 80 Tagen“ – so sagt zumindest die Geschichte – „um die Welt“. Was Jules Verne in seinem Roman so abenteuerlich beschrieben hat, ist eigentlich viel schneller – und ohne große Umwege – möglich: In nur einem Tag kommt man fast um die Welt. Und dass ohne die 40000 Kilometer zu absolvieren, die Jules Verne für seine Reise um den Globus mindestens hätte veranschlagen müssen.

Okay, es gibt inzwischen Menschen, die unterbieten die 80 Tage zum Teil deutlich, es gibt aber weitaus mehr Menschen, die umrunden fast die ganze Welt in nur deinem Tag. Möglich ist das in Hamburg, man muss dafür nur von der Meereshöhe rauf in den dritten Stock des alten Kaispeichers in der Hamburger Hafencity. Und hat man diese Höhenmeter erklommen, dann beginnt die Reise (fast) um die Welt im Miniatur Wunderland – allerdings in der Welt, die 87-mal kleiner ist als die richtige Welt, deren Umrundung aber auch deutlich anstrengender ist.

Frederik und Gerrit Braun haben es möglich gemacht, die Reise um die Welt zu verkürzen. Sie begannen 2000 damit, die Welt nachzubilden – allerdings im kleinen Maßstab. Zunächst mit Hamburg, Bildern aus Norddeutschland und der Fantasiestadt Knuffingen. Und die Welt der Zwillinge wuchs ständig: Amerika kam hinzu, die Nordseeküste, die Alpen, ein Blick in die Schweiz. Und weil Weltreisen einen Flugplatz benötigen, kam ein riesiger Airport in die Kaispeicher, Venedig „schrumpfte“ um das 87-fache, Italien wurde inklusive der Vatikanstadt „geschrumpft“ und Skandinavien fand einen Platz in den historischen Kaispeichern.

Und weil die kleine Welt der Miniaturwunderländer irgendwann zu klein wurde – die Fläche reichte nicht mehr – wich man zwar nicht ins Weltall aus, sondern „nur“ in das benachbarte Gebäude. Was allerdings damit verbunden war, einen gläsernen Weg zu schaffen, denn es galt zunächst einmal ein Fleet zu überqueren. Dort wächst die Welt im Miniatur Wunderland weiter: Südamerika wird aufgebaut, Mittelamerika und die Antarktis sollen folgen und viele andere Länder werden den Weg um die Welt vollständiger machen.

Und auch in der „alten Welt“ wird gearbeitet: Monaco steht kurz vor der Vollendung, dort sorgt nur noch die Formel-1-Strecke für Probleme. Auf ihr sollen schon bald die ersten Rennen stattfinden – allerdings auch nur im Maßstab 1:87. Aber Gerrit und Frederik Braun sind sich sicher, dass das nicht mehr lange dauern wird, bis die detailreich nachgebauten Formel-1-Boliden an den Start gehen werden. Dazu wird auch die Provence mit ihren Lavendelfeldern die Augen der Weltreisenden erfreuen.

Ein paar Zahlen:
Die weltgrößte Modelleisenbahnanlage hat derzeit – Tendenz wachsend – eine Modellfläche von über 1500 Quadratmetern, auf der annähernd 300000 Miniaturwunderländer in etwa 4340 Gebäuden und auf unzähligen Straßen leben. Und auf den Straßen sind über 10000 Autos vom Pkw, Busse, Feuerwehren, Lastwagen und Megaliner zum Teil im Fahrbetrieb unterwegs. Fast 1200 Züge (der längste übrigens 14,5 Meter lang) mit über 10000 Waggons fahren – gesteuert von fast 1400 Signalen – auf 16 Kilometern Gleisen und über 3500 Weichen (fast) um die Welt. Vom Flughafen heben übrigens 47 Flugzeuge bei 250 Starts pro Tag ab. Für den reibungslosen Ablauf im Zug- und Straßenverkehr in der ganzen „Miniwelt“ sorgen 53 Computer, die Befehle der Mannschaft in den großen Schaltanlagen werden über ein inzwischen unsagbar langes Kabelnetz an die Schaltelemente weitergegeben,

Nicht zu vergessen ist diese Zahl: 19 Millionen Gäste aus mittlerweile allen Ländern dieser Erde im Maßstab 1:1 haben sich auf die Weltreise im Maßstab 1:87 begeben. Viele in nur einem Tag, viele aber auch frei nach Jules Verne: In (teilweise mehr als) 80 Tagen versuchen sie, die Welt zu erkunden, die Gerrit und Frederik Braun seit 2000 aufbauen. Entdeckt haben aber (fast) alle Besucher längst noch nicht alles entdeckt, was die Zwillinge und ihre Mitarbeiter in ihrer Welt im Maßstab 1:87 so alles versteckt haben.

37 Millionen Euro sind seit 2000 in den Bau investiert worden, die über 300 Wunderlandbauer haben dafür weit über eine Millionen Stunden investiert. Begonnen hat die Idee übrigens im Juli 2000 mit der verrückten Idee, die größte Modelleisenbahn der Welt zu bauen. Die ersten Züge rollten nur acht Monate später über die Anlage: Am 1. August 2001 begann die nicht enden zu wollende Erfolgsgeschichte mit den Bauabschnitten Mitteldeutschland, Knuffingen und Österreich. Zehn weitere Abschnitte sind inzwischen fertig.

In der miniaturisierten Elbphilharmonie ertönte das erste Konzert noch vor der Eröffnung ihres nur wenige Hundert Meter entfernten Vorbildes im Maßstab 1:1. Bereits seit dem 13. November 2013 wurde dort nach nur 364 Tagen Bauzeit und mehr als 13000 Arbeitsstunden der Taktstock zum ersten Konzert erhoben. Vier Jahre später wurde am 11. Januar 2017 das Konzerthaus im Maßstab 1:1 eröffnet – und es war mit 866 Millionen Euro war es nur „unwesentlich teurer“ als die – übrigens aufklappbare – Nachbildung: Die schlug mit nur mit „läppischen“ 350000 Euro Baukosten zu Buche.

Zuletzt wurde Rio de Janeiro eröffnet. Mittelamerika und die Karibik sind in Arbeit, (Miniatur)Weltreisende können sie wohl ab 2024 von einer Fläche von etwa 160 Quadratmetern bewundern. Ab 2026 soll Asien auf den Maßstab 1:87 schrumpfen, ab 2027 sind weitere Länder geplant. Vielleicht ein Blick nach England oder in die Niederlande?

Man darf gespannt sein, was sich das Team des Miniatur Wunderland noch alles einfallen lässt. Man kann aber sicher sein: Die „Reise um die Welt“ wird länger dauern als einen Tag. Und – noch einmal sei Jules Verne zitiert: „In 80 Tagen um die Welt“ ist diese Reise nicht beendet – zumindest nicht, wenn man im Miniatur Wunderland alles entdecken möchte, was in dieser Welt auf den Maßstab 1:87 verkleinert wurde.
Super Aufzählung all´der „Destination“ die ich noch in meine BookitList eintragen sollte.
Eine Frage die mich beschäftigt: Gibt es auf unserer kleinen Welt tatsächlich 300000 Länder??
Danke für die vielen Gedankenanstösse und bis denne hek
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Eine Frage die mich beschäftigt: Gibt es auf unserer kleinen Welt tatsächlich 300000 Länder??
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