Einfach durch die Berge gucken

In den Leoganger Steinbergen gibt es den „Durchblick“ der besonderen Art

Nein, übersinnliche Fähigkeiten muss man nicht haben, wenn man diesen Wunsch äußert: „Ich möchte mal durch die Berge blicken.“ Eigentlich etwas, was man sich nicht vorstellen kann, durch Gestein blicken kann man nicht, es gibt dafür etliche, nachvollziehbare Gründe. Dass das doch möglich ist, weiß man in Leogang.

Am nördlichen Rand des Ortes geht es hinaus in die Leoganger Steinberge, am Parkplatz bei Ullach startet das Vorhaben, einmal durch die Berge zu gucken. Und schnell wird deutlich, dass man zwar keine übersinnlichen Fähigkeiten, dafür aber eine gute Kondition haben sollte. Ziel ist das 2356 Meter hoch gelegene Melkerloch, von dem im Salzburger Höhlenbuch die Rede ist von einer „eindrucksvollen Naturbrücke von 6 Meter Höhe, 15 Meter Breite und 30 Meter Durchgangslänge“. Einfacher gesagt: Durch das Melkerloch ist der Blick frei in den nördlichen Alpenraum, nach Süden erwartetet Durch-die-Berge-Gucker der faszinierende Blick in den südlichen Alpenraum

Aber vorher warten erst einmal von Leogang aus gut 1300 Höhenmeter liegen auf die Durch-die-Berge-Gucker, die schon vom ersten Moment sehen können, auf was sie sich einlassen werden: Am steilen Berghang geht es aufwärts, Aufstiege in der Falllinie warten, dazu gibt es überwiegend gesicherte Passagen, die unbedingte Trittsicherheit erfordern. Das auf dem Weg nach oben auch Schwindelfreiheit erforderlich ist, sieht man schon, wenn man die Wand in den Leoganger Steinbergen sieht, in der man für die nächsten Stunden unterwegs ist. Zunächst bis zur Passauer Hütte, die auf 2045 Metern zur inzwischen richtig verdienten Pause einlädt.

Der Pause folgt der weitere Weg nach oben, der gut markierte Weg führt zunächst zum Hochzint, einen Gipfel, den man unbedingt erklimmen sollte. Von ihm hat man eine wunderbare Aussicht auf den Ort Leogang, den Hausberg Großer Asitz und das Tal, an dessen westlichen Ende Fieberbrunn liegt. Beim Aufstieg auf den Hochzint, 2246 Meter hoch, gilt es an der einen oder anderen Stelle „Hand anzulegen“, die leichte Kletterei ist notwendig, um den Blick vom Gipfelkreuz genießen zu können.

Unterhalb des Hochzint zweigt der Weg ab in Richtung Melkerloch, gut eine halbe Stunde ist man noch auf teils sehr schmalen Pfaden unterwegs, um endlich durch die Berge blicken zu können. Oben angekommen hat man einen wunderschönen Blick in Richtung Großglockner und die südlich gelegenen Bergriesen und Gletscher der österreichischen Alpen.

Das Melkerloch und andere Felsenfenster, die immer wieder Melker- oder Teufelslöcher genannt werden, haben ihren Namen der Sage nach übrigen von einem übermütigen Melker, der sich in der guten Milch badete und dafür vom Teufel durch diese Löcher hindurch gerissen wurde.

Den Rückweg geht man am besten auch der gleichen Route, man kann aber auch durch das Melkerloch hindurch auf den Weg zum Birnhorn (2634 Meter) gehen, von diesem Weg zweigt dann der Weg zur Passauer Hütte wieder ab. Unterwegs sind die dann echten Durch-die-Berge-Gucker auf alle Fälle fast acht Stunden.

Und die können dann von einer wirklich außergewöhnlichen Tour berichten und davon, dass man doch durch Berge gucken kann ohne übersinnliche Kräfte haben zu müssen – nur eben ein bisschen mehr Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

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