Eine etwas andere Bergtour

Die Besteigung des Pinneberg erfordert keine Sherpas

Rast an einem ganz außergewöhnlichen Gipfelkreuz

Wer Gipfel besteigen möchte, der sollte Bergerfahrungen haben, der sollte trittsicher sein und schwindelfrei auch – zumindest in den meisten Fällen. Was man ja auch gut verstehen kann, immerhin bewegt man sich ja in einem Terrain, das vielfach steil, ausgesetzt und oft auch weglos ist. Dort also, wo man sich auf seinen Orientierungssinn verlassen muss, dort, wo man gute Karten benötigt oder sich auf sein GPS verlässt.

Gipfelkreuz und natürlich auch ein Gipfelbuch sind auf dem Pinneberg

Natürlich gibt es auch Gipfel, die sind einfach zu erreichen, die Wege sind gut ausgeschildert, Markierungen zeigen genau an, wo es lang geht. Und davon gibt es natürlich viele, die meisten allerdings in den Alpen.

Etwa in der Bildmitte ist der Pinneberg zu finden

Ich habe mich aufgemacht zu einem besonderen Gipfel, der ist im Nordwesten Deutschlands zu finden ist und besondere Erfordernisse in Sachen Erreichbarkeit aufweist: Zu Fuß kommt man nämlich nicht dorthin wo der Aufstieg beginnt. Das übrigens auf etwa 5 Meter über Meereshöhe. Und die Tour habe ich im Alleingang gemacht, Sherpas habe ich nicht gebraucht, es reichte ein kleiner Rucksack mit einer wetterfesten Jacke. Auch Sauerstoff war nicht nötig, die salzhaltige Luft am Ort der Bergtour war sogar noch sehr gesund. Verzichten konnte ich auch auf Seile und Steigeisen, sie waren nicht nötig, nur der kräftige Sturm sorgte für besondere Herausforderungen. Dafür gab es nach dem „Gipfelsieg“ eine außergewöhnliche Rundumsicht, denn keine weiteren Gipfel störten den Blick in die reizvolle Umgebung.

Die Aussicht vom Pinneberg wird nicht durch andere Berge gestört

Ziel der etwas anderen Bergtour war der Pinneberg, der mit einer Höhe von 61,3 Meter die höchste Erhebung des Kreises Pinneberg in Schleswig-Holstein ist. Allerding liegt der Gipfel nicht direkt im Kreisgebiet, sondern auf der einzigen deutschen Hochseeinsel Helgoland, die zum Kreis Pinneberg gehört. Und der Berg ist eine Besonderheit, es gibt ihn noch nicht so lange: Entstanden ist er 1947 durch die Sprengung einer Bunkeranlage, die im 2. Weltkrieg dort in den Felsen gebaut wurde. Die Sprengung führt zu Schluchten und Aufwerfungen, die höchste von ihnen besagte 61,3 Meter über der ganz nahen Nordsee. Die „Schluchten“ wurden allerdings im Laufe der Jahre als Deponie genutzt und sind weitestgehend verschwunden. Geblieben ist eine reizvolle Landschaft, die sogar um 1960 in der Hamburg-Ausgabe des Baedecker scherzhaft als „Fränkische Schweiz“ erwähnt wurde. Damals allerdings noch nicht mit dem Namen des „Gipfels“. Der erhielt den Namen Pinneberg erst 1998. In dem Jahr errichteten Wanderfreunde aus Itzehoe im Kreis Steinburg (Schleswig-Holstein) ein Gipfelkreuz aus Aluminium. Natürlich wurde auch ein Gipfelbuch in einem sturm- und regenfesten Wetterkasten gelegt, Gipfelstürmer können sich dort auf Deutschlands am weitesten nordwestlich gelegenen Berg eintragen.

Für die Anreise zur Gipfeltour erfolgt am besten mit dem Schiff

Für Bergsteiger, die die Koordinaten für das GPS benötigen: Den Pinneberg findet man auf 54° 11‘ 11‘‘ N, 7° 52‘ 0‘‘ O. Der Weg dorthin ist allerdings beschwerlich: Man könnte von der deutschen Nordseeküste aus hinschwimmen. Ein Extremschwimmer benötigte im August 2021 18 Stunden für die 50 Kilometer lange Strecke zwischen St. Peter-Ording und der dem Helgoländer Felsen vorgelagerten Düne. Auf der befindet sich auch der Flugplatz, durch den die Anreise mit dem Flugzeug deutlich erleichtert – und verkürzt – werden kann.

Etliche der Besucher, die hier Helgoland verlassen, waren auch auf dem Pinneberg

Es fahren allerdings von verschiedenen Häfen regelmäßig Schiffe zur einzigen deutschen Hochseeinsel. Helgoland ist 4,2 Quadratkilometer groß und hat etwa 1300 Einwohner – und tausende Touristen, die in den Sommermonaten täglich auf die Insel kommen. Und etliche davon besteigen auch den Pinneberg . . .

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  1. Avatar von Unbekannt

1 Comment

  1. Ich wusste schon immer das ich nicht nur ein „Meer-sondern auch „Bergfan“ bin. Bei solchen Höhen ist für mich schon immer der Weg das Ziel gewesen und nicht umgekehrt. Hang loose. hans

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