Das Mühlenmuseum Gifhorn bietet Blicke in die Geschichte und Technik

Mühlen, egal ob wind-, wasser- oder motorgetrieben, faszinieren die Menschen immer und überall. Nicht nur Kinder bleiben mit staunenden Augen stehen, wenn sich die großen Mühlenkreuze im Wind drehen oder wenn das Wasser über die Schaufelräder der Wassermühlen lauft und die Räder antreibt. Noch größer ist das Staunen, wenn man in den Mühlen sieht und hört, wie die Kraft durch die meist hölzernen Bauteile auf die gewaltigen Mahlsteine übertragen wird und die aus den groben Getreidekörnern feines Mehl wird. Manche Tour wird unterbrochen, wenn Mühlen in das Blickfeld kommen. Oder wenn die Hinweisschilder auftauchen, die man im Raum Gifhorn sehen kann und die dazu einladen, zu erkunden, warum die Stadt im Osten Niedersachsens inzwischen als „Mühlenstadt“ bezeichnet ist.

Am Mühlensee ist der Grund dieser Bezeichnung zu finden: Das Internationale Mühlenmuseum wartet dort auf all jene, die diese Bauwerke gerne sehen und sich von der Technik begeistern lassen. Oder jene, die erleben möchten, warum andere davon fasziniert sind – um anschließend meist selbst fasziniert davon sind.

14 Mühlen in Originalgröße können angesehen werden, etliche davon Originale, die an anderen Orten ab- und in Gifhorn wieder aufgebaut wurden. Die Mühlen – oder die Vorbilder der in Gifhorn nachgebauten Mühlen – stammen aus verschiedenen Regionen in Deutschland, aus Griechenland, Spanien, Portugal, Frankreich, Russland und Korea. Und es sind nicht nur die in den Himmel ragenden Windmühlen, es sind auch Wassermühlen, eine Rossmühle und eine Schiffsmühle, die zu den echten Raritäten gehören. Das Vorbild der Schiffsmühle stammt übrigens aus Ungarn, der Nachbau der Donauschiffsmühle wurde 1989 an der Ise im Mühlensee eröffnet.

Die Zahl der Mühlen reicht nicht? Dann ist ein Besuch in der Ausstellungshalle zu empfehlen, dort werden fast 50 maßstabsgetreu nachgebaute Mühlenmodelle gezeigt.

Das Angebot reicht immer noch nicht? Dann begeistert vielleicht die russisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Nikolaus, die hoch über dem Areal des Internationalen Mühlenmuseums thront. Oder der Dorfplatz mit dem historischen Backhaus und dem Trachtenhaus, in dem man sich im gastronomischen Bereich hervorragend stärken kann.

Ein Teil des Internationalen Mühlenmuseums mit dem Backhaus und dem Trachtenhaus ist übrigens frei zugänglich, für den Besuch des anderen Teils ist Eintritt zu zahlen, auch für die Besichtigung des Inneren der Kirche des Heiligen Nikolaus muss bezahlt werden.

Das Internationale Mühlenmuseum wurde 1980 eröffnet, eine der ältesten Mühlen ist die 300 Jahre alte Tiroler Wassermühle, eine der imposantesten der Nachbau der historischen Mühle von Sanssouci. Die steht direkt am Dorfplatz und überragt mit einer Höhe von 40 Metern das Areal eindrucksvoll. Der Deutsche Galerieholländer wurde 1984 dem 1945 abgebrannten Original nachgebaut.

Aus Tirol ist die 300 Jahre alte Wassermühle nach Gifhorn gekommen. Errichtet wurde die in Iselsberg-Stronbach bei Lienz in Tirol an einem Wildbach aus massiven Lärchenstämmen. Zwei oberschlächtige Wasserräder treiben zwei Mahlgänge an.

Die Bergholländer-Mühle „Immanuel“ kam aus Dithmarschen nach Gifhorn. Sie wurde 1848 in Westdorf errichtet und galt mit ihren Jalousieflügeln als hochtechnische Mühle. 1969 bot der letzte Eigentümer die Mühle als Geschenk an – allerdings mit der Maßgabe, sie müsse wieder aufgebaut werden. Der Verleger Axel Springer erwarb die Mühle, ließ sie restaurieren und schenkte sie dem Mühlenmuseum. 1979 begann das neue Leben des alten Bergholländers „Immanuel“ in Gifhorn.

Ein weiteres Original ist die Bockwindmühle „Viktoria“, die 1882 in Osloß aufgebaut wurde. Das Baujahr allerdings ist älter: In der Mühle ist das mit 1816 vermerkt. Der Landkreis Gifhorn kaufte die Mühle, die 1940 ihren Betrieb einstellte, ließ sie restaurieren und stellte sie 1980 im voll funktionsfähigen Zustand im Mühlenmuseum auf.

Gewaltige Ausmaße hat die Rossmühle, die 1982 nachgebaut wurde. Das Original mit dem 32 Meter messenden hölzernen Zahnrad mit 320 Zähnen wurde 1797 gebaut, angetrieben wurde die Rossmühle von einem Pferd. Die Mühle ist in einem achteckigen Fachwerkbau zu sehen, sie gilt als die größte Pferdemühle Deutschlands.

Um einen Nachbau handelt es sich auch bei der griechischen Mühle „Irini“, deren Vorbild von der Kykladeninsel Mykonos stammt. Auch die portugiesische Mühle „Anabela“, die Getreidemühle „Moli de Tramuntana“ von der Baleareninsel Mallorca und der provenzalischen Turmmühle „Alphonse Daudet“ wurden im Mühlenmuseum nachgebaut. Detailgetreue Nachbauten sind auch die Windmühle aus der Ukraine und die Wassermühlen aus Korea und Serbien handelt es sich um.

Der größte Nachbau ist die 27 Meter hohe russisch-orthodoxe Christ Verklärungskirche mit acht vergoldeten Kuppeln. Das Vorbild von 1765 stand im Dorf Kosljatjewo. Die Kirche ist dem Heiligen Nikolaus gewidmet und wurde am 24. November 1995 durch den Moskauer Patriarchen Aleksij II. geweiht In der Kirche ist eine Ausstellung mit liturgischen Gegenständen aus der Manufaktur des Patriarchats zu sehen. Sie umfasst Ikonen, Öllampen, Leuchter, Gewänder, Stickereien, Taufgefäße, Bibeln und goldene Bilder, die zum Teil dort gemalt werden. Die Innenbesichtigung des mit Ikonenmalereien verzierten Bauwerkes kostet zusätzlichen Eintritt. Vor der Kirche ist das 1948 gegossene Geläut des Mindener Doms aufgehängt.

Infos: www.muehlenmuseum.de