Wo Rost und Taue zu Motiven werden

Ein anderer Spaziergang durch den Hamburger Hafen

Mit offenen Augen durch den Hamburger Hafen und dabei Fotomotive entdecken

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Ist so viel dran an diesem Spruch, man ist oft nur zu faul oder zu bequem, ihn umzusetzen. Warum also einfach mal los und das entdecken, was da fast direkt vor der Tür zu finden ist. Zum Beispiel den Hamburger Hafen.

Es sind die Kleinigkeiten, die es zu entdecken gilt

Der ist voll mit sehens- und entdeckenswerten Motiven, man muss nur mit offenen Augen unterwegs sein und den Blick für die schönen Dinge haben. Zum Beispiel für Rost oder für kleine Details, die vielen oft erst auf den zweiten oder dritten Blick auffallen. Beides gibt es an fast jedem Platz im Hafen, mal auf riesigen Flächen, mal in winzig kleinen „Portionen“ an scheinbar makellos lackierten Flächen.

Das Teleobjektiv hilft, Details aufzunehmen

Eines vorweg: Man ist im Hamburger Hafen unterwegs auf einem Arbeitsplatz – einem riesigen, auf dem auf einer Gesamtfläche von 7145 Hektar an fast jeder Stelle gearbeitet wird. Und es gibt viele Bereiche, die einfach tabu für all jene sind, die keine Warnweste, Sicherheitsschuhe und Helm tragen. Wobei manchmal ein freundliches Wort hilft und dank eines netten Mitarbeiters ist man seinem gewünschten Motiv ein Stückchen näher. Und noch etwas: Zäune sollten auch im Hafen nicht als überwindbare Hindernisse, sondern wirklich als Absperrungen betrachtet werden.

Rost muss man im Hafen nicht suchen, er ist überall vertreten

Also Augen auf, wenn es auf die Motivjagd geht.

Auf Motivjagd mit einer der vielen Elbfähren

Empfehlenswert ist natürlich ein Hafenbummel an Bord von Barkassen, die im Liniendienst durch den Hafen fahren oder auf denen Hafenrundfahrten angeboten werden. Die Erstgenannten bieten die Touren zum Nahverkehrstarif an (das Deutschlandticket gilt auch hier), die anderen verlangen teilweise recht hohe Preise für die Touren – sie fahren aber oft auch deutlich näher an die Objekte der Begierde heran. Zum Beispiel an die riesigen Containerschiffe, die an den Terminals liegen. Wer sicher gehen will, dass dort Betrieb herrscht, der sollte sich eine App auf das Handy laden, die Auskunft über Schiffe gibt. Ein Beispiel ist die kostenlose App „Marine Traffic“, sie hat auch Bilder und technische Infos parat.

Mit der Elbfähre unterwegs und einem Teleobjektiv an der Kamera

Tipps für Touren auf den Wasserwegen gefällig? Die beliebteste „Hafenrundfahrt“ ist die mit einer Hafenfähre: Mit der Line 62 der HADAG geht es von den Landungsbrücken vorbei an der Werft Blohm & Voss, an den Containerterminals Tollerort und Waltershof und am Museumshafen Övelgönne nach Finkenwerder. Und mit der Linie 61 fährt von den Landungsbrücken bis zur Köhlbrandbrücke, mit der Linie 73 geht es von dort zur Argentinenbrücke und weiter bis zur Ernst-August-Schleuse und die Linie 72 bringt die Gäste vorbei an den Musical-Theatern auf Steinwerder und der Elbphilharmonie zum Anleger Arningstraße.

Es gibt das ganze Jahr über Motive im Hafen zu entdecken

Genug von der Wasserseite aus gesehen? Dann also zurück an Land: Im Hamburger Hafen gibt es 4262 Hektar Landfläche zu entdecken – leider sind nicht alle Flächen zugänglich. Zu den schönsten Flächen zählen ohne Zweifel die am Hansahafen ganz in der Nähe der Elbbrücken: Dort ist das Deutsche Hafenmuseum am Schuppen 50A beheimatet, die Viermastbark PEKING hat ihren vorläufigen Liegeplatz bis sie in ein paar Jahren zum neuen Museum auf dem Grasbrook verholt wird. Im Hansahafen findet man auch den alten Stückgutfrachter MS BLEICHEN und die historische Senats-Yacht SCHAARHÖRN. Und zahlreiche andere Fahrzeuge, die im Hafen ihren Dienst taten und dort jetzt gehegt und gepflegt werden. Viele von ihnen sind auch zu besichtigen.

Rost ist der ständige Begleiter im Hafen

Und wer mit offenen Augen auf dem Areal des Hafenmuseums und an Bord der Schiffe unterwegs ist, der entdeckt dort den eingangs erwähnten Rost. Und jede Menge anderer Motive, die es anzusehen und zu fotografieren lohnt.

Im Museumshafen in Neumühlen

Aber nicht nur rund um den Schuppen 50A findet man Motive in unendlicher Zahl, Museumshäfen in der Hafencity, Neumühlen, Finkenwerder und Harburg laden ebenfalls ein zum Blick durch den Sucher und dem Druck auf den Auslöser. Und dann sind da ja auch die vielen anderen Ecken, in denen Rost, Details und weite Blicke auf Hafen und Schiffe darauf warten, abgelichtet zu werden.

Ein simpler Poller, betrachtet durch das Teleobjektiv

Wer sich mit der Kamera „bewaffnet“ auf den Weg durch den Hafen macht, der ist gut bedient mit einem guten Weitwinkelobjektiv, denn das Areal ist voll mit spannenden Ansichten. Wer aber den Blick für das Besondere hat, der nimmt das Teleobjektiv, denn mit ihm holt man doch das Wesentliche deutlicher heran. Die maritimen Details werden von vielen Besuchern nur zu gerne übersehen, sie haben nur den Blick für die Totale.

Motive gibt es an 365 Tagen im Jahr und bei jedem Wetter zu entdecken

Und auch das ist wichtig: Weder die Tages- noch die Jahreszeiten sollten Fotografen und Fotografinnen bei ihren Touren aufhalten. „Geöffnet“ hat der der zugängliche Teil des Hafens zu jeder Tages- und Nachtzeit bei jedem Wetter rund um die Uhr und das an 365 Tagen im Jahr.

Der Hafen kennt keine Winterpause für Fotografen

Sollte sich einmal der Winter in den Hafen verirren, dann lohnt es sich, früh unterwegs zu sein zu Zeiten, an denen noch niemand Fußspuren im Weiß hinterlassen und auch noch kein Fahrzeug die Reifenprofile in den Schnee gepresst hat. Ein weiterer Tipp: Besondere Effekte entdeckt man zur „blauen Stunde“, der Zeit ganz kurz dem Sonnenaufgang und kurz dem nach Sonnenuntergang. Und noch ein Tipp: Ein Stativ (empfehlenswert ist ein leichtes Karbonstativ) hilft auch in der Dämmerung oder in der Nacht Verwacklungen – und damit auch Unschärfen – zu vermeiden.

Sonnenuntergang im winterlich geschmückten Museumshafen Neumühlen

Und bei jedem Gang durch den Hafen zeigt sich dann auch wieder: „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“.

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