Stufen, die begeistern

Außergewöhnliche Blicke nach oben – und unten

Ein etwas anderer Bummel durch Hamburg: Nicht von außen die Stadt betrachten, sondern von innen steht auf dem Programm.

Was sich hinter – oft verschlossenen – Türen verbirgt, versucht so manch einer gar nicht erst zu erkunden. Andere – so wie ich als „Der Reiseschreiber“ und Fotograf auf der ständigen Suche nach schönen Motiven – fassen die Türdrücker an und nutzen diese zum Öffnen der Türen, die die Durchblicke so standhaft verweigern. Oder man drückt jene Knöpfe, die oft im Nachhinein einen Summton preisgegeben, mit denen sich eben jene Türen, die bis dahin verschlossen waren, öffnen lassen.

Insbesondere Hamburg ist so eine Stadt, in der es viele Türen meist zu alten Kontor-Häuser gibt, die zu öffnen sich lohnt. Die vielen Büro-Gebäude oft aus der Zeit um 1900 beherbergen nämlich das, was Fans der Architektur-Fotografie nur zu gerne „auf die Platte bannen“ möchten: Treppenhäuser von außergewöhnlicher Schönheit, verziert mit zahlreichen Details an den oft gekachelten Wänden und Geländern, die heute kaum noch ein Schmied herstellen kann, präsentieren sich in einem Zustand, als wären sie erst gestern eröffnet worden.  

Die Erbauer wussten, dass die Treppenhäuser den Besuchern von Kontor-Häusern erste Blicke dorthin ermöglichten, wo sie später ihre Geschäfte machen wöllten. Die Hamburger Kontor-Häuser – und von denen gibt es noch etliche – sind die besten Beispiele: Dieser erste Blick hinter die Eingangstür zeigte, wer in den Büros dahinter weilte, arbeitete und letztendlich auch die Geschäfte machte.

Vielleicht aber zunächst einmal eine ganz sachliche Betrachtung, was eigentlich eine Treppe – und damit ein Treppenhaus – überhaupt ist: „Eine Treppe (süddt. und österr. Stiege in geschlossenen Räumen)“, so weiß Wikipedia, „ist ein aus Stufen gebildeter Auf- oder Abgang, der es ermöglicht, Höhenunterschiede bequem und trittsicher zu überwinden. Das Verhältnis von Steigungshöhe zum Auftritt ist das (genormte) Steigungsverhältnis der Treppensteigung.“

Treppenhäuser haben also eigentlich nur die Aufgabe, Menschen den Weg von der einer Ebene auf eine der – vielen – anderen Ebenen zu ermöglichen. Insbesondere die Architekten der alten Treppenhäuser haben sich beim Bau dieser Treppen aber nicht nur auf den sachlichen Sinn der Stufen beschränkt. Sie haben mit großer Liebe zu Details Besonderheiten realisiert, die auch heute noch dazu führen, dass ältere Treppenhäuser die Betrachter fast magisch anziehen.

Mich als „Der Reiseschreiber“ auch: Wo immer es scheint, dass sich hinter einer (meist schönen) Tür eine besondere Treppe oder ein außergewöhnliches Treppenhaus verbirgt, geht der erste Griff an den Türdrücker. Und gibt der den Weg frei, dann folgt der Blick dorthin, was hinter der Tür verborgen ist. Verbunden damit ist allerdings auch die Suche nach jenen, die es einem erlauben, hier nicht nur hinzusehen, sondern auch das Gesehene mit der Kamera festzuhalten.

Da gibt es natürlich die spontane Ablehnung, Fotos in den Treppenhäusern zu machen – die ohne wenn und aber auch zu akzeptieren ist. Es gibt aber oft auch zahlreiche Infos zu den Treppenhäusern. Und oft auch, von wo der Blick am schönsten ist.

Aber ich muss ehrlich gestehen: Nicht nur die alten Bauwerke haben ihren Reiz. Auch so mancher moderner Bau bietet Blicke auf Treppenkonstruktionen, die – nicht nur den Fotografen – einfach faszinieren.

Manchmal kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass da ein Architekt sich der Ideen seiner Vorgänger bedient hat, um die Treppen zu außergewöhnlichen Blickfängen zu machen. Oder sich vielleicht nur überlegt hat, den Sinn einer Treppe nicht einfach nur auf die eingangs genannte Erklärung zu reduzieren.

Bei meinen Blicken in Treppenhäuser bitte ich zu entschuldigen, dass ich zwar verrate, dass die Fotos in Hamburg entstanden sind, nicht aber in welchem Stadtteil. Auch die Namen der Straße oder gar die Hausnummern, hinter deren Türen die Bilder aufgenommen wurden muss schon jeder selbst herausfinden.

Und meine Bitte an alle, die sich aufmachen, um die Treppenhäuser zu finden: Bevor Ihr Bilder veröffentlicht, fragt bitte, ob die Eigentümer, Mieter und Verwalter damit einverstanden sind, ob die Treppenhäuser, Treppen oder Stiegen gezeigt werden dürfen.

Übrigens gab es zu jedem der Fotos das „Okay“ von zuständigen Leuten hinter den Türen.

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