Flach – weit – einzigartig

Wandern auf den Nordpfaden

Einer der Aussichtsplätze auf der Tour „Dör’t Moor“. Die Tour wurde zu „Deutschlands schönstem Wanderweg des Jahres 2021“ gekührt.

Schon Goethe wusste es: „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“, soll er gesagt haben. Und er hatte recht, das Gute liegt wirklich nah, man muss nur wissen, wo man es findet. Oder wie man es entdecken kann.

Südlichster Punkt der Nordtour „Zwei Mühlen“ ist die Wassermühle „Bademühlen“.

Zu dem Guten, das so nah liegt, zählen ohne Zweifel die „Nordpfade“. Die durchziehen den Landkreis Rotenburg (Wümme) im Dreieck zwischen Hamburg, Bremen und Hannover auf fast 360 Kilometern mit 24 hervorragend gut gekennzeichneten Routen durch wunderschöne Landschaften, Dörfer und Städte.

Die alte Brücke kann man nicht mehr überqueren, sehenswert ist sie auf den Nordpfad „Ostetal“ trotzdem.

Der Touristikverband des Landkreises Rotenburg (Wümme) hat sich vor etlichen Jahren aufgemacht und die Wanderwege in der Region genauer betrachtet. Von den 84 Wegen, die in dieser Aktion angesehen wurden, erhielten 24 die Markierung „Nordpfad“ – der Kürzeste ist mit 5,2 Kilometern der „Wolfsgrund“. Der beginnt in Eversen am südlichen Rand des Kreises Rotenburg (Wümme) und ist dank seiner Wegebeschaffenheit auch für mobilitätseingeschränkte Wanderfreunde nutzbar. Eine gute Kondition muss man haben, wenn man den Nordpfad „Wümmeniederung“ gehen möchte: Mit 32,5 Kilometern ist er der Längste in der Liste der Wanderwege. Dieser Weg entlang der Wümme beginnt in Rotenburg und führt die Wanderer auf der nördlichen Seite des Flusses bin Evinghausen und auf der südlichen Seite zurück zum Ausgangspunkt der Tour.

Insbesondere in den Sommermonaten sieht man das Wollgras bei der Tour „Dör’t Moor“.

Wer „Dör‘t Moor“ (durch das Moor) geht, der wandert auf „Deutschlands schönstem Wanderweg des Jahres 2021“. Das Wandermagazin verlieh diese Auszeichnung und machte damit den 10,3 Kilometer langen und in Rotenburg startenden Weg zum nördlichsten so ausgezeichneten Wanderweg Deutschlands. „Qualitätswanderweg Traumtour – Wanderbares Deutschland“ dürfen sich die Wege „Dör‘t Moor“, „Kempowskis Idylle“, „Hölzerbruch-Malse“, „Ostetal“ und „Kuhbach Oste“ nennen. Der Deutsche Wanderverband gab diese Auszeichnungen 2019 aus. Auszeichnungen gab es auch für eine außergewöhnliche Idee: Bei der Aktion „Tischlein deck Dich“ können Wanderer an besonderen Rastplätzen auf Vorbestellung bei Gastronomen in der Region ein Essen bestellen und es in freier Natur genießen. Möglich ist das auf den Nordpfaden „Ostetal“ und „Dör’t Moor“.

Der 250 Jahre alte Schafstall Spieker spiegelt die Geschichte des Torabbaus wider.

Als „flach – weit – einzigartig“ beschreiben die Planer die Nordpfade. Und sie haben recht: Die Nordpfade bieten wunderschöne Ausblicke. Und sie wurden zur ersten Flachlandwanderregion in Deutschland, wie man nicht ohne Stolz gerne erwähnt. Jeder der Nordpfade ohne Karte begehbar, denn die Markierungen der 24 Wege sind perfekt ausgezeichnet. Was einer riesigen Zahl freiwilliger Helfer zu verdanken ist, sie überprüfen die Kennzeichnungen und Zustände der Wege regelmäßig und erneuern sie bei Bedarf sofort. Neben dem geschwungenen weißen „N“ auf rotem Grund sind viele Hinweisschilder zu Besonderheiten, Seitenwegen und Abstechern, zu Sehenswürdigkeiten und Verbindungen zu angrenzenden Nordpfaden an den Wegen aufgestellt.

Auf der Vorwerksbrücke in Bremervörde wird die Oste auf dem Nordpfad „Vördersee – Osteland“ überquert.

Die Nordpfade führen nicht nur durch eine sanft hügelige Landschaft mit Wiesentälern, Dünen und Hochmooren, kleinen Heideflächen und Seen, sie führen auch zu Besonderheiten wie Museen, Wind- und Wassermühlen und sehenswerten Kirchen, Galerien und außergewöhnlichen Häusern. Und sie sind teilweise Ausstellungsflächen: An etlichen Wegen haben Skulpturen und Kunstwerke ihren Platz gefunden. Empfehlenswert sind hier die Nordpfade Kempowskis Idylle“ und „Rotenburger Wasserreich“, der Teil des Rotenburger Kulturpfades ist.

Auch im Winter ist der Nordpfad „Vördersee – Osteland“ eine schöne Tour, die mit 20 Kilometer Strecke zu den längeren Wegen zählt.

Begehbar sind die meisten der Nordpfade das ganze Jahr über. Aber Vorsicht: Einige der Wege können bei sehr ungünstigen Wetterlagen und Hochwasser in den Flüssen und Mooren zeitweilig überschwemmt und damit sehr schwer (oder gar nicht) begehbar sein. Das aber sind Ausnahmesituationen, die nicht davon abhalten sollten, die Nordpfade zu erkunden.

An der Wassermühle Eitzmühlen beginnt der Nordpfad „Zwei Mühlen“.

Und das kann man bei kurzen Touren, die in etwa eineinhalb Stunden absolviert werden oder bei ein- oder mehrtägigen Wanderungen, die fast immer gute Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten bieten.

Der Schafstall Spieker

Eine Hilfe dafür hat der Landkreis Rotenburg (Wümme) mit der 90-seitigen Broschüre „Nordpfade – Tourenbegleiter“ und der „Nordpfade – Übersichtskarte“ bereitgestellt. Diese handlichen Informationen gibt es in den Tourist-Infos in den Orten, an verschiedenen Auslagestellen oder auf Anfrage beim Touristikverband Landkreis Rotenburg (Wümme) sowie im Internet unter www.nordpfade.de. Auf der Internetseite gibt es auch aktuelle Hinweise zu Wegestörungen unter anderem durch Hochwasser oder andere Ereignisse.

Immer an der Oste entlang führt der Nordpfad „Ostetal“.

In der Broschüre finden sich zu jedem der 24 Nordpfade Informationen zu Besonderheiten an den Wegen, zur Wegbeschaffenheit, der Weglänge und den durchschnittlichen Gehzeiten, zu den Startpunkten und zur Anreise mit dem ÖPNV sowie zu Parkplätzen für Wanderer, die mit dem Auto anreisen.

Bessere Sicht auf dem Weg „dör’t Moor“ bietet dieser Hochsitz.

Ein Anreiz gesucht, alle 24 Nordpfade zu gehen? Es gibt den „Nordpfade – Wanderpass“, in dem jeder bewältigte Weg mit dem Datum eingetragen wird. Wenn alle Nordpfade gegangen sind, wird ein Bild des Passes – mit einem „Selfie“, aufgenommen möglichst mit einem Hinweisschild der 24 Touren – per Post oder per Mail an den Touristikverband geschickt. Und der bedankt sich dann mit einer kleinen Überraschung und der Möglichkeit, in die „Hall of NORDPFADE“ aufgenommen zu werden.

Die Wanderung „Dör’t Moor“ startet am großen Bullensee.

Ach ja, wer in der Tourismusregion Rotenburg (Wümme) kürzere Wege gehen möchte, der kann den Markierungen mit dem „O“ folgen: Die „Ortswege“ führen die Gäste zu den schönen Plätzen in schönen Orten und Städten im Dreieck zwischen Hamburg, Bremen und Hannover.

Umfangreiche Informationen über die 24 Nordpfade hat der Tourismusregion Rotenburg (Wümme) zusammengestellt.

Übrigens ist dieser Bericht über die Nordpfade nicht nur am Schreibtisch entstanden: Von den 24 Wegen bin ich als „Der Reiseschreiber“ inzwischen auf acht Nordpfaden unterwegs gewesen. Unter anderem ging es bei frostigen Graden im Winter bei Bremervörde auf den Nordpfad „Vörder See – Osteland“, „Dör’t Moor“ bei Rotenburg (Wümme) stand schon dreimal auf der Tourenliste, das „Ostetal“ wurde bei Selsingen erwandert und die „Zwei Mühlen“ bei Zeven habe ich auch schon entdeckt. Und sicher ist das: Die restlichen Nordpfade kommen auch noch dran, die Planungen laufen schon und der Terminkalender liegt bereit.

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