Die schwere Entscheidung am Wildseelodersee

Manchmal ist es wirklich schwer, eine Entscheidung zu treffen. Besonders dann, wenn beide Möglichkeiten, die man hat, nur Positives bringen. In diesem Fall geht es auf der einen Seite um den Genuss für den Magen, auf der anderen um den Genuss für die Augen – wobei es im späteren Verlauf auch für den für den Magen gehen kann. Der Ort dieser schweren Entscheidung: der Wildseelodersee oberhalb von Fieberbrunn.
In der Tourist Information Fieberbrunn hilft man zumindest ein bisschen bei der Entscheidungsfindung: „Wenn ihr mit der Lärchfilzkogelbahn rauffahrt zur Gipfelstation, dann habt ihr bis zum Wildseelodersee gut eine Stunde Zeit, um darüber nachzudenken, ob ihr den Genuss für den Magen, oder den für die Augen haben möchtet.“

Eine Stunde braucht man nämlich, um von der Bergstation aus das Wildseeloderhaus auf gut ausgebauten und recht einfachen Wegen zu erreichen. Und da ist dann eine Entscheidung fällig. Nämlich die, den Tag auf der Terrasse der Hütte zu verbringen, die köstlichen Speisen zu genießen, im (kalten) See zu baden oder eventuell sogar eine Tour mit dem Kahn auf dem See auf 1847 Metern zu machen. Oder die, gleich unterhalb der Hütte am Seeufer nach rechts abzubiegen und dem Weg zu folgen, den man von dort schon recht gut am steilen Hang sehen kann.

Da nämlich beginnt der Genuss für die Augen, das Ziel hat man schnell im Blick: Der Gipfel des 2119 Meter hohen Wildseeloder liegt gut 300 Meter oberhalb der Hütte, man braucht etwa 45 Minuten, um ihn zu erreichen. Trittsicher sollte man allerdings sein und schwindelfrei auch. Während die Genießer unten an der Hütte sich von der rustikalen Küche in der Hüttel verwöhnen lassen, genießt man vom Wildseeloder den Blick in die faszinierenden Alpenwelt – und auch die umliegenden Gipfel des Bergmassivs, die dazu einladen, auch noch schnell bezwungen zu werden. Was bei der Lage mit nur wenigen Problemen möglich ist, vom Wildseeloder sieht man den Weg, nur die ersten Meter erfordern ein bisschen mehr Vorsicht. Dann geht es – gegen den Uhrzeigersinn – etliche Meter über dem wunderbar gelegenen See in Richtung der Henne, deren 2078 Meter hoher Gipfel nur im oberen Bereich steiniger und steiler wird. Wer vom markanten Gipfelkreuz hinabsieht, hat neben der Alpenwelt auch den See im Blick, der fast in greifbarer Nähe zu liegen scheint.

Fast, weil auf dem Weg ein reizvolles Hinweisschild zum Marocker zeigt: „10 Minuten“ kann man dort lesen, ein einfacher Weg, der nur auf den letzten Metern ein bisschen herausfordernd wird: Für den Anstieg zum 2019 Meter hohen Gipfel wurden zur Sicherheit Stahlseile gespannt, sie sind durchaus hilfreich, der Weg ist nicht ganz einfach – aber gut machbar. Und wieder werden die Gipfelstürmer mit einer faszinierenden Aussicht belohnt, insbesondere das Pillerseetal ist gut einzusehen und auch der Blick in die Region der Leoganger Steinberge wird nicht versperrt.

Was sicherlich dazu führt, dem Genuss für die Augen auch noch den Genuss für den Magen zu gönnen: Bis zum Wildseeloderhaus geht es im wahrsten Sinne des Wortes „nur noch bergab“, ein gutes Stündchen muss man schon rechnen, dann wartet die Terrasse mit einem schönen Bierchen oder anderen Getränken – und mit den vielen Genüssen aus der Küche.

Bliebe am Ende noch der Weg zurück zur Bergstation der Lärchfilzkogelbahn, für den man auch noch etwa eine Stunde veranschlagen sollte.
Etwa fünf Stunden sollte man für die gesamte Tour einplanen, insgesamt 850 Höhenmeter aufwärts sind zu absolvieren, die Meter abwärts natürlich entsprechend. Nicht eingerechnet in die Zeitplanung ist die Pause im Wildseeloderhaus – hier sollte man aber die Uhrzeit im Blick haben, die Lärchfilzkogelbahn startet irgendwann zur letzten Talfahrt.

Ach ja: Henne und Marocker – auch als Marokka bezeichnet – kann man auch ein bisschen alpinistischer erobern: An beiden Gipfeln gibt es Klettersteige, sie sind als mittelschwer eingestuft und sollten nur mit entsprechender Klettersteigausrüstung begangen werden.
Berge sind doch etwas besonderes (auch wenn sie einem im Weg stehen). Wellenberge haben jedoch ebenfalls ihren ganz besonderen Reiz (z.B. die Welle von Hokusai 😇).
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