Einfach durch die Berge gucken

In den Leoganger Steinbergen gibt es den „Durchblick“ der besonderen Art

Nein, übersinnliche Fähigkeiten muss man nicht haben, wenn man diesen Wunsch äußert: „Ich möchte mal durch die Berge blicken.“ Eigentlich etwas, was man sich nicht vorstellen kann, durch Gestein blicken kann man nicht, es gibt dafür etliche, nachvollziehbare Gründe. Dass das doch möglich ist, weiß man in Leogang.

Am nördlichen Rand des Ortes geht es hinaus in die Leoganger Steinberge, am Parkplatz bei Ullach startet das Vorhaben, einmal durch die Berge zu gucken. Und schnell wird deutlich, dass man zwar keine übersinnlichen Fähigkeiten, dafür aber eine gute Kondition haben sollte. Ziel ist das 2356 Meter hoch gelegene Melkerloch, von dem im Salzburger Höhlenbuch die Rede ist von einer „eindrucksvollen Naturbrücke von 6 Meter Höhe, 15 Meter Breite und 30 Meter Durchgangslänge“. Einfacher gesagt: Durch das Melkerloch ist der Blick frei in den nördlichen Alpenraum, nach Süden erwartetet Durch-die-Berge-Gucker der faszinierende Blick in den südlichen Alpenraum

Aber vorher warten erst einmal von Leogang aus gut 1300 Höhenmeter liegen auf die Durch-die-Berge-Gucker, die schon vom ersten Moment sehen können, auf was sie sich einlassen werden: Am steilen Berghang geht es aufwärts, Aufstiege in der Falllinie warten, dazu gibt es überwiegend gesicherte Passagen, die unbedingte Trittsicherheit erfordern. Das auf dem Weg nach oben auch Schwindelfreiheit erforderlich ist, sieht man schon, wenn man die Wand in den Leoganger Steinbergen sieht, in der man für die nächsten Stunden unterwegs ist. Zunächst bis zur Passauer Hütte, die auf 2045 Metern zur inzwischen richtig verdienten Pause einlädt.

Der Pause folgt der weitere Weg nach oben, der gut markierte Weg führt zunächst zum Hochzint, einen Gipfel, den man unbedingt erklimmen sollte. Von ihm hat man eine wunderbare Aussicht auf den Ort Leogang, den Hausberg Großer Asitz und das Tal, an dessen westlichen Ende Fieberbrunn liegt. Beim Aufstieg auf den Hochzint, 2246 Meter hoch, gilt es an der einen oder anderen Stelle „Hand anzulegen“, die leichte Kletterei ist notwendig, um den Blick vom Gipfelkreuz genießen zu können.

Unterhalb des Hochzint zweigt der Weg ab in Richtung Melkerloch, gut eine halbe Stunde ist man noch auf teils sehr schmalen Pfaden unterwegs, um endlich durch die Berge blicken zu können. Oben angekommen hat man einen wunderschönen Blick in Richtung Großglockner und die südlich gelegenen Bergriesen und Gletscher der österreichischen Alpen.

Das Melkerloch und andere Felsenfenster, die immer wieder Melker- oder Teufelslöcher genannt werden, haben ihren Namen der Sage nach übrigen von einem übermütigen Melker, der sich in der guten Milch badete und dafür vom Teufel durch diese Löcher hindurch gerissen wurde.

Den Rückweg geht man am besten auch der gleichen Route, man kann aber auch durch das Melkerloch hindurch auf den Weg zum Birnhorn (2634 Meter) gehen, von diesem Weg zweigt dann der Weg zur Passauer Hütte wieder ab. Unterwegs sind die dann echten Durch-die-Berge-Gucker auf alle Fälle fast acht Stunden.

Und die können dann von einer wirklich außergewöhnlichen Tour berichten und davon, dass man doch durch Berge gucken kann ohne übersinnliche Kräfte haben zu müssen – nur eben ein bisschen mehr Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Spielplatz auch für große Kinder

Sammlungen im dänischen Slot Egeskov begeistern die Besucher

„Einen Spielplatz auch für große Kinder“ nennen Kenner die Sammlungen von Schlossherr Michael Ahlefeldt im dänischen Slot Egeskov in Kværndrup auf Fünen.

Nicht nur Kinder geraten ins Schwärmen, wenn sie vom Slot Egeskov in Kværndrup auf Fünen sprechen. Die erinnern sich wohl nur zu gerne an die vielen kleinen und großen Dinge, die es dort zu entdecken und bewundern gibt. Auch die Erwachsenen berichten voller Begeisterung, was ihre Herzen in der riesigen Anlage höherschlagen ließ.

Der Grund dafür ist einfach, denn Schlossherr Michael Ahlefeldt hat alles getan, damit dieser Zustand schnell erreicht wird und die Begeisterung mit jedem Schritt größer wird. Der nämlich ist Sammler für kleine und große Dinge, viele der Stücke, die er zusammengetragen hat, zeigt er in den zu Museumsflächen umgebauten Scheunen und Remisen und in etlichen zugänglichen Räumen des Schlosses.

Der Technik ist ein besonders weiter Raum gewidmet, in Egeskov warten unter anderem gut erhaltene und restaurierte Oldtimer darauf, bestaunt zu werden. Ein kleiner Blick in die Ausstellungsliste: Wie wäre es mit dem Dampfautomobil aus dem Jahr 1899? Das Fahrzeug ist natürlich fahrtüchtig, genau wie der blaue Bentley des Prinzen von Bira. 1934 wurde dieses Schmuckstück gebaut. Auch „Filmstars“ findet man in der Ausstellung, darunter der Aston Martin DB 5, mit dem James Bonds Wagen im Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ unterwegs war. Oder der DeLorean DMC12 von 1981. Im Film „Zurück in die Zukunft“ konnte man dieses Fahrzeug sehen. Weitere Highlights gefällig? Die Spanne reicht vom Porsche 35 über den Jaguar XK 140, dem Renault Caravelle bis hin zum Ferrari 308. Vom Ende der 1890er Jahre bis zum Beginn der 1980er Jahre ist der Blick in die Geschichte des Automobilbaues gespannt.

Zuviel von Träumen auf vier Rädern? Dann ist ein Blick in die Zweiradausstellung zu empfehlen. 60 Maschinen von 28 Marken werden dort in einer einzigartigen Weise präsentiert: Sie schweben vor den Besuchern chronologisch aufgereiht – So kann man auch die Entwicklung der Motorräder im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte verfolgen. Die zu den größten Sammlungen Europas zählende Ausstellung umfasst Zweiräder aus den 20er bis 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Oder wie wäre es mit einem Blick in die Geschichte des dänischen Rettungswesens? Im Falckmuseum wird sie mit Fahrzeugen des Rettungsdienstes gezeigt, dazu gibt es viele Exponate, mit der über die Arbeit informiert wird.

Die Objekte sind zu klein? Auch da hilft Schlossherr Ahlefeldt mit seiner Sammelleidenschaft, denn auch Flugzeuge und Hubschrauber werden im Slot Egeskov gezeigt.

Eine neue Attraktion im Slot Egeskov ist das Camping-Outdoor-Museum, zu sehen und entdecken gibt es brandneue Objekte und Geschichten rund um Camping mit Zelt, Wohnwagen und Wohnmobilen, darunter die kultigsten und auffälligsten Zelte und Wohnwagen.

Zu technisch das Ganze? Dann sollte man vielleicht einen Blick in ein ganz außergewöhnliches Schloss im Slot Egeskov werfen: „Titanias Palast“ nannte der britischen Maler und Offizier Sir Neville das von ihm im Maßstab 1:12 gebaute Puppenhaus. Mehr als 3000 Teile und Objekte wie winzig kleine, aufklappbare Taschenmesser, der kleinste Rosenkranz der Welt, Kristallgläser und feinstes Porzellan, darunter echte Mini-Ming-Vasen und viele andere Objekte wie Schmuck und Ringe, die man nur mit einer Pinzette anfassen könnte, warten dort darauf, von den Besuchern entdeckt zu werden. 15 Jahre lang hatten Sir Neville und seine Helfer daran gearbeitet, dieses einzigartige Gebäude für die Elfenkönigin Titania, ihren Mann, dem Prinzgemahl Oberon, und deren sieben Kinder fertigzustellen.

Noch mehr Schätze? Die Liste der Ausstellungsstücke im Slot Egeskov ist lang. So lang, dass man sie hier gar nicht präsentieren kann. Da bleibt dann wohl nur noch, sich die tollen Ausstellungen selbst anzusehen und auch als Erwachsener wieder mit den leuchtenden Augen eines Kindes zu bewundern.

http://www.egeskov.dk

Tibet ist gar nicht so weit weg

Die Jagdhausalm ist als das „tibetanische Bergdorf“ bekannt

An Eingang des Arventals liegt die Jagdhausalm, die seit Jahrhunderten als „Tibetanisches Bergdorf“ bekannt ist

Tibet – für viele ist das ein Traumziel, längst nicht alle werden sich diesen Traum erfüllen (können). So ungefähr 7000 Kilometer liegen ja auch von Deutschland aus zwischen den Reislustigen und ihrem Traumziel. Aber warum soll man den langen Weg nach Tibet auf sich nehmen? Okay, die Landschaft und die Kultur im Tibet haben ihren Reiz, der Aufwand aber, um dorthin zu kommen, ist ja alleine der Strecke wegen gewaltig. Dabei bekommt man zumindest ein bisschen Tibet(gefühl) wesentlich einfacher: In Osttirol, ganz am Ende des Defereggentals, findet man am Eingang des Arventals mit der Jagdhausalm ein kleines Stückchen Tibet. Und weil dieser Ort auch etwas Mystisches hat, habe ich die Jagdhausalm etwas anders fotografiert: Die Infrarotkamera macht des „tibetanische Bergdorf“ noch etwas geheimnisvoller.

Mit der Infrarotkamera habe ich den Ort besucht

Die 15 Steinhäusern und die kleine Kapelle der Jagdhausalm werden schon seit Jahrhunderten das „Tibetanische Bergdorf“ genannt. Das Bergdorf gehört zu den ältesten Almen Österreichs, es wurde im Jahr 1212 erstmals urkundlich erwähnt. Die auf 2009 Meter Höhe gelegene Alm steht schon seit langer Zeit unter Denkmalschutz und wird aufgrund ihrer Erscheinung dem Namen „Klein Tibet“ durchaus gerecht – auch wenn man einen Tempel dort vergebens sucht, das kleine Kirchlein ist aber ein sehenswerter Ausgleich. Dafür aber trumpft die Jagdhausalm mit einem anderen landschaftlichen Highlight auf: Oberhalb der Alm finden Wanderer das „Pfauenauge“, ein kleiner, kreisrunder See, dessen Rand von Hochlandschilf umsäumt ist. Es sei, so wissen Kundige, „ein Wasserkraftort“.

Das Pfauenauge wird als „Wasserkraftort“ bezeichnet

Ein weiteres Highlight gibt es wenige Kilometer weiter: Vom Arvental erreichen Wanderer das Klammljoch und damit auch die Grenze nach Italien. Verbunden ist damit eine weitere Besonderheit der Region um das „tibetanische Bergdorf“:  Das Arvental, das Schwarzachtal und die Jagdhausalm werden noch heute von Südtiroler Bauern bewirtschaftet, obwohl diese Weideflächen in Österreich liegen. Der Grund sind die Jahrhunderte alten Weiderechte, die noch immer bei den Südtiroler Bauern liegen.

Wenige Kilometer von der Jagdhausalm liegt das Klammljoch mit dem Übergang nach Italien

Die Jagdhausalm erreicht man vom Parkplatz des Alpengasthofes Patsch bei Erlsbach an der Schwarzach. Etwa acht Kilometer liegen vor den Wanderern, insgesamt fünf Stunden sollte man für insgesamt 16 Kilometer lange Strecke mit ihren etwa 400 Höhenmetern einplanen. Es sei, so sagt der Tourismusverband Osttirol auf der Seite http://www.blog.osttirol.com, „ein Weg in die Osttiroler Vergangenheit, die selbst in der Gegenwart jeglicher Modernisierung trotzt. Ein Weg, an dessen Ende eine kleine, heile Welt der Traditionen und Bräuche wartet. Es scheint, als trete man ein in ein anderes Land, in dem Historie auf unberührte Natur und endlose Weiten trifft. Kein Wunder, dass man die Jagdhausalm deshalb auch Klein Tibet nennt.“

Die Jagdhausalm ist voller Fotomotive

Ein Tipp für alle, die den langen, aber recht leicht zu gehenden Weg nicht gehen wollen: Die Strecke eignet sich auch hervorragend für Biker – und natürlich auch E-Biker.

Die finden auf der Jagdhausalm übrigens auch eine Ladestation. Und für all jene, die die Jagdhausalm nicht auf Infrarotfotos sehen möchten, gibt es hier noch ein paar Bilder in Farbe.

Die Jagdhausalm

Inselchen mit Besonderheiten

Auf Nyord gibt es viele Geheimtipps zu entdecken

Das Lotsenwachthaus ist mit einer Ausstellungsfläche von 2 x 2 Metern das kleinste Museum Dänemarks

Wer an die dänische Insel Møn denkt, der hat sofort die gewaltige weiße Kreideküste vor Augen, deren ganze Pracht man eigentlich erst von See her wahrnehmen kann. Møn bietet aber mehr als nur die Mønsklint – so der dänische Name der eindrucksvollen Steilküste. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch von Nyord, dem kleinen Inselchen am nordwestlichen Ende Møns.

Fotofreunde finden unzählige Motive auf Nyord

Mal ganz ehrlich: Vom Namen Nyord habt ihr vermutlich noch nichts gehört? Vermutlich, so schnell werden Geheimtipps ja auch nicht weitergegeben. Gucken wir also mal, wie man Nyord findet: Betrachtet man sich die Karte der dänischen Insel Møn genauer, dann findet man Nyort am nordwestlichen Ende von Møn. Dort liegt das Inselchen, auf dem auch den gleichnamigen Ort entdecken kann. Oder sollte man besser sagen: Mit dem gleichnamigen Museum? Wobei die Einwohner des Dörfchens betonen, Nyord sei kein Museumsdorf, sondern eine lebendige Gemeinschaft.

Auf vier Quadratmetern kann man sich im Nyorder Lotsenwachthaus über die Geschichte der Lotsen informieren

Und die hat einiges zu bieten, zum Beispiel das kleinste Museum Dänemarks: Das winzig kleine Lotsenwachhaus wurde von den Nyordern zum Museum gemacht, in dem auf nur 2 x 2 Metern die Geschichte der Lotsen präsentiert wird.

Die fünfeckige Kirche steht im Zentrum des kleinen Dorfes, das eigentlich fast schon ein Museum ist

Oder die Kirche mit ihren großen Fenstern, durch die man schon Mitte des 19. Jahrhunderts sehen konnte, wer sich den auf dem Weg zum Gottesdienst gemacht hatte. Oder die „Røret“, die als Postboot regelmäßig das Inselchen angelaufen hat, dann aber außer Dienst gestellt wurde und erst vor wenigen Jahren komplett restauriert in den Hafen von Nyord zurückkehrte.

Gemütlich geht es auf Nyord zu

Dann wären da aber auch die Kunsthandwerker, die dafür sorgen, dass viele Besucher in das alte Dorf kommen. Sehenswert sind die „Nyord Udstillingen“ – die Ausstellungen über die Geschichte der Insel, des Dorfes und des Lotsentums, dass einstmals die Haupteinnahmequelle der Menschen von Nyord war.

Ein Genuss der besonderen Art – verfeinert mit Nyorder Senf: Käse, Salat, feinstes Rindfleisch und schmackhafter Kuchen (der allerdings mit Sahne). Die Produkte sind natürlich alle von der Insel

Gleich neben der Udstilling kann man genießen: Im Noorbro Handelen finden Besucher unter anderem eine Senfmühle, in der so manche Köstlichkeit gemahlen wird – Grundlage ist der Nyord Senf, der auf der Insel angebaut und in der Nyord Sennepsmølle verarbeitet  wird. Es gibt in dem sehenswerten Laden aber auch einen ausgesprochen vielseitigen Handel mit feinsten Schnäpschen. Und man kann dort sehr viele schmackhafte Kleinigkeiten im Café essen – natürlich oft verfeinert mit dem echten Nyord Senf, den es in etlichen Geschmacksvariationen gibt.

Genießen in beschaulicher Ruhe: Nyord bietet dazu viele Gelegenheiten

Und wer Nyord und seinen vielen Attraktionen entdeckt hat, der sollte das bloß nicht weitergeben, immerhin in Nyord am nordwestlichen Ende von Møn ja ein echter Geheimtipp. Und der muss ja geheim bleiben. Oder?

Entspannung pur bei der Großwildjagd

Entspannung in den Bergen finden, eine einzigartige Landschaft genießen und sich dann dabei noch sportlich betätigen. Geht alles zusammen, man kann das alles haben beim Bogenschießen bei der „Jagd“ auf dreidimensionale Tierdarstellungen. Diese Trendsportart mit gewaltigen Zuwachsraten kann man auch in Österreich in viele Regionen ausüben. Ein Sport, den fast jeder ausüben kann. Und das sogar auf einigen 3D-Parcours ganzjährig. Ich habe mich mal wieder umgesehen und erneut festgestellt, dass man wirklich Entspannung bei der Großwildjagd finden kann . . .

„Bogenjagd“ vor der Kulisse des Nationalparks Hohe Tauern. Bei Panorama Bogensport in Neuenkirchen am Großvenediger hat man diese Chance

Die Berge genießen kann man auf vielfältige Weise: Die Einen wandern auf ruhigen Wegen, andere kraxeln über abenteuerliche Steige und wieder andere nehmen Seil, Klettergurt, Achter, Friends und erklimmen Gipfel über steile Wände, in denen sich selbst Gämse und Steinböcke nicht mehr wohlfühlen. Berge und Berglandschaften haben ihren Reiz und den üben sie aus auf viele Menschen. Wandern und Bergwandern sind aber auch auf andere Art vielseitig, es gibt an etlichen Orten viel zu entdecken. Zum Beispiel riesige Bären, Hirsche und sogar ab und zu einen Eisbären. „Spinnt der jetzt vollkommen?“, fragt da so mancher, stellt aber schnell fest, dass es all das wirklich gibt. Und noch mehr: All diese Tiere – vom kleinen Murmeltier bis hin zum riesigen Eisbären – kann man jagen. Jagen, ohne damit gegen irgendwelche waidmännischen Vorschriften zu verstoßen: Bär, Eisbär, Hirsch und Murmeltier sind aus Kunststoff, „gejagt“ werden sie mit Pfeil und Bogen. Und finden kann man sie in den vielen 3D-Bogenparcours.

Großwildjagd: Auch diese Riesenschlange (aus Kunststoff) habe ich auch einem 3-D-Parcours „erlegt“ – allerdings in Portugal

Dass das 3D-Bogenschießen eine Trendsportart ist, zeigt die Zahl der Anlagen, die überrall ständig wächst, es zeigt sich aber auch an der die Zahl derer, die sich der „Bogenjagd“ verschrieben haben und sie ausüben.

Einen Waran in freier Wildbahn zu „erlegen“, bringt mit Sicherheit mächtig Ärger – der aus Plastik nimmt es so hin

Auch ich gehöre zu den Leuten, die mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Seit fast 50 Jahren gehört das 3D-Bogenschießen zu meinen sportlichen Betätigungen. Richtig entspannen kann ich mich dabei, muss mich aber auch ganz schön anspannen, bevor es zu besagter Entspannung kommt. Der Grund: Der Bogen, der genutzt wird um abzuschalten, erfordert ein bisschen Kraft – was aber nicht für jeden Bogen zutrifft, immerhin können auch Kinder den Sport ausüben.

Einige Ziel sind nur schwer zu treffen – zum Beispiel, wenn man durch den ausgehöhlten Baumstamm schießen muss

Um die Entspannung beim Bogenschießen zu finden, ist Material fast immer bei den Touren dabei. Bei Reisen begleiten mich Bogen und Pfeile zwischen Dänemark und Portugal. Viele der Touren werden dabei so geplant, dass ich möglichst viel Zeit auf Parcours verbringen kann.

Bogenschießen und atemberaubende Fernsicht: In Österreich ist das normal

Insbesondere Österreich bietet traumhafte Bogenparcours, die für Anfänger wie auch für Könner ihre Reize bieten. Neulinge in Sachen Bogenschießen erfahren in vielen Parcours unter fachkundiger Anleitung, wie man mit Pfeil und Bogen umgeht, sie lernen, wie man mit dem klassischen Jagdbogen ohne Visier instinktiv schießt, sie erfahren aber auch, wie man mit dem modernen Compoundbogen die Ziele trifft. Auf vielen Bogenparcours können auch all jene, die keine eigene Ausrüstung besitzen, Bogen, Pfeile, Köcher und Armschutz ausleihen und ausprobieren, ob sie auch vom Bogenvirus angesteckt werden.

Die traditionelle Art des Bogenschießens: Mit dem Langbogen „geht es auf die Pirsch“

Meine ersten bogensportlichen Viren habe ich übrigens auf einen FITA-Platz aufgenommen. FITA nennt sich die Art des olympischen Bogenschießens speziellen Plätzen, geschossen wird auf vier feste Entfernungen zwischen 30 und 90 Metern (Männer), beziehungsweise 30 und 70 Metern bei den Frauen. Ich bin allerdings schnell zum Jagd- und Feldbogenschießen in der freien Natur gewechselt. Aus dieser Art des Bogenschießens entwickelte sich dann das Schießen auf 2D-Tierdarstellungen (Tierbilder), dem folgte schon schnell das 3D-Schießen auf aus speziellen Kunststoffen nachgebildete Tiere aller Größenordnungen.

Eine riesige Spinne. Das sie 30 Meter vom Abschusspflock entfernt in ihrem Netz hängt, muss man schon gut schätzen

Diese plastischen Tiere sind auch auf den Parcours in zwischen auf den meisten Parcours nach internationalen Regeln aufgestellt, kleine Ziele wie Murmeltier, Hase oder kleine Vögel stehen ab fünf Meter vor dem Abschusspflock, große Ziele wie Bär der Hirsch stehen in Entfernungen von maximal 56 Meter. Es gibt aber auch Parcours, in denen die Maximalentfernung für große Tierdarstellungen bei 70 Metern liegt. Eine Herausforderung auch für Könner. Ein Problem für alle Bogenschützen: Eine Angabe, wie die Entfernung zwischen Abschusspflock und Ziel ist, gibt es nicht und Entfernungsmesser sind beim 3D-Bogenschießen eigentlich tabu – für Anfänger genauso wie für Könner.

Kein Sport der „ebenerdig“ durchgeführt wird. Hier im Bogendorf Stuhlfelden in Österreich muss man auch schon mal auf den Hochstand

Was auch auf den Parcours insbesondere im Alpenraum zu Herausforderungen führt, denn auch dort haben die Anlagen es so an sich, dass sie nur äußerst selten ebenerdig sind – Benutzer sollten also „geländegängig“ sein und überall festes Schuhwerk tragen, es geht – oft weglos nur auf Pfaden – ziemlich kräftig bergauf und bergab. Dank der Landschaft stehen die Ziele so auch schon einmal deutlich oberhalb des Abschusspflocks oder deutlich darunter. „Steilschuss“ nennen die Sportler diese Art der Aufstellung. Schwierigkeiten in der Einschätzung der Entfernung gibt es auch, wenn sich eine Erhebung oder eine Absenkung zwischen dem Standort des Bogenschützens oder der Bogenschützin befindet, auch die geografischen Gegebenheiten sorgen für so manche Fehleinschätzung und damit für einen Treffer, der nicht unbedingt im „Kill“ – wie der Zielpunkt auf der Tierdarstellung genannt wird – landet.

Bogensport ist weder abhängig vom Wetter, noch von Jahreszeiten. Und sollte der Schnee zu hoch liegen, dann nimmt man einfach Schneeschuhe

3D-Bogenschießen ist übrigens keine auf besondere Jahreszeiten beschränkte Sportart – auch wenn einige Parcours über Winter geschlossen sind. Und wenn zu viel Schnee liegt, kann man die Strecken ja auch mit Schneeschuhen gehen. Was die Areale noch ein bisschen spannender als zu den schneefreien Zeiten zwischen Frühling und Spätherbst macht.

„Alter“ – diese Frage stellt sich im Bogensport überhaupt nicht

Das 3D-Bogenschießen – und auch das erwähnte olympische Bogenschießen – kennt übrigens kaum Altersgrenzen: Schon noch recht kleine Kinder können diesen Sport erlernen und selbst Senioren und Seniorinnen sind beim Bogenschießen dabei. Auch Menschen mit körperlichen Behinderungen können den Sport ausüben. Unter den 3D-Parcours sind Anlagen zu finden, bei denen einige Ziele mit Einschränkungen geschossen werden können.

Schön, aber teuer: Wenn ein Pfeil in den anderen trifft, dann nennt man das einen „Robin-Hood-Schuss“ – und der Händler nennt es Glück: Zwei neue Pfeile müssen her

Viele Parcours

Das 3D-Bogenschießen gilt als eine der am schnellsten wachsenden Trendsportarten. Allein in Österreich gibt es Parcours in fast 130 Orten, in Deutschland sind es etwa 110 Orte, an den Bogenschützen und Bogenschützinnen ihren Sport ausüben können. In einigen Orten warten mehrere Parcours. Alle Parcours haben etwas gemeinsam: sie sind spannend in reizvollen Landschaften aufgestellt und bieten viele Schwierigkeiten. Die meisten von ihnen haben unterschiedliche Abschusspositionen für die einzelnen Ziele, sie sind nach internationalen Wettkampfregeln gestellt, für Anfänger und Kinder sind die Entfernungen kürzer, erfahrenere Schützen schießen auf längere Entfernungen.

Kleine Ziele, große Ziele: Diese Kaninchen waren in Hohegeiß im Harz aufstellt. Die Entfernung: 10 Meter

Informationen zu Bogensport-Parcours in ganz Europa gibt es im Internet unter www.parcourstest.eu und www.3dbogenschiessen.com,  dazu haben auch die Zeitschriften „3-D Bogensport“ und „Compound Magazin“ häufig eine Liste mit Parcours in Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und Deutschland im Heft ( www.bogensport.cc )

In einem Tag (fast) um die Welt

In Hamburg wird Jules Vernes Idee deutlich verkürzt

Auch Schiffe fahren auf der größten Modelleisenbahnanlage der Welt

„In 80 Tagen“ – so sagt zumindest die Geschichte – „um die Welt“. Was Jules Verne in seinem Roman so abenteuerlich beschrieben hat, ist eigentlich viel schneller – und ohne große Umwege – möglich: In nur einem Tag kommt man fast um die Welt. Und dass ohne die 40000 Kilometer zu absolvieren, die Jules Verne für seine Reise um den Globus mindestens hätte veranschlagen müssen.

Venedig wurde auf dem Maßstab 1:87 „geschrumpft“

Okay, es gibt inzwischen Menschen, die unterbieten die 80 Tage zum Teil deutlich, es gibt aber weitaus mehr Menschen, die umrunden fast die ganze Welt in nur deinem Tag. Möglich ist das in Hamburg, man muss dafür nur von der Meereshöhe rauf in den dritten Stock des alten Kaispeichers in der Hamburger Hafencity. Und hat man diese Höhenmeter erklommen, dann beginnt die Reise (fast) um die Welt im Miniatur Wunderland – allerdings in der Welt, die 87-mal kleiner ist als die richtige Welt, deren Umrundung aber auch deutlich anstrengender ist.

Gerrit und Frederik Braun, hier 2018 Eröffnung von Venedig, haben das Miniatur Wunderland gegründet

Frederik und Gerrit Braun haben es möglich gemacht, die Reise um die Welt zu verkürzen. Sie begannen 2000 damit, die Welt nachzubilden – allerdings im kleinen Maßstab. Zunächst mit Hamburg, Bildern aus Norddeutschland und der Fantasiestadt Knuffingen. Und die Welt der Zwillinge wuchs ständig: Amerika kam hinzu, die Nordseeküste, die Alpen, ein Blick in die Schweiz. Und weil Weltreisen einen Flugplatz benötigen, kam ein riesiger Airport in die Kaispeicher, Venedig „schrumpfte“ um das 87-fache, Italien wurde inklusive der Vatikanstadt „geschrumpft“ und Skandinavien fand einen Platz in den historischen Kaispeichern.

Auch die Schweiz ist Teil der kleinen Welt in der Hamburger Speicherstadt

Und weil die kleine Welt der Miniaturwunderländer irgendwann zu klein wurde – die Fläche reichte nicht mehr – wich man zwar nicht ins Weltall aus, sondern „nur“ in das benachbarte Gebäude. Was allerdings damit verbunden war, einen gläsernen Weg zu schaffen, denn es galt zunächst einmal ein Fleet zu überqueren. Dort wächst die Welt im Miniatur Wunderland weiter: Südamerika wird aufgebaut, Mittelamerika und die Antarktis sollen folgen und viele andere Länder werden den Weg um die Welt vollständiger machen.

Im Abschnitt Italien darf natürlich der Vatikan nicht fehlen

Und auch in der „alten Welt“ wird gearbeitet: Monaco steht kurz vor der Vollendung, dort sorgt nur noch die Formel-1-Strecke für Probleme. Auf ihr sollen schon bald die ersten Rennen stattfinden – allerdings auch nur im Maßstab 1:87. Aber Gerrit und Frederik Braun sind sich sicher, dass das nicht mehr lange dauern wird, bis die detailreich nachgebauten Formel-1-Boliden an den Start gehen werden. Dazu wird auch die Provence mit ihren Lavendelfeldern die Augen der Weltreisenden erfreuen.

Gewaltige Brücken, Berge und immer wieder Eisenbahnzüge sieht man im Miniatur Wunderland

Ein paar Zahlen:

Die weltgrößte Modelleisenbahnanlage hat derzeit – Tendenz wachsend – eine Modellfläche von über 1500 Quadratmetern, auf der annähernd 300000 Miniaturwunderländer in etwa 4340 Gebäuden und auf unzähligen Straßen leben. Und auf den Straßen sind über 10000 Autos vom Pkw, Busse, Feuerwehren, Lastwagen und Megaliner zum Teil im Fahrbetrieb unterwegs. Fast 1200 Züge (der längste übrigens 14,5 Meter lang) mit über 10000 Waggons fahren – gesteuert von fast 1400 Signalen – auf 16 Kilometern Gleisen und über 3500 Weichen (fast) um die Welt. Vom Flughafen heben übrigens 47 Flugzeuge bei 250 Starts pro Tag ab. Für den reibungslosen Ablauf im Zug- und Straßenverkehr in der ganzen „Miniwelt“ sorgen 53 Computer, die Befehle der Mannschaft in den großen Schaltanlagen werden über ein inzwischen unsagbar langes Kabelnetz an die Schaltelemente weitergegeben,

Auf dem Flugplatz herrscht reger Betrieb, über 45 Flugzeuge heben dort zum (Modell)Flug ab.

Nicht zu vergessen ist diese Zahl: 19 Millionen Gäste aus mittlerweile allen Ländern dieser Erde im Maßstab 1:1 haben sich auf die Weltreise im Maßstab 1:87 begeben. Viele in nur einem Tag, viele aber auch frei nach Jules Verne: In (teilweise mehr als) 80 Tagen versuchen sie, die Welt zu erkunden, die Gerrit und Frederik Braun seit 2000 aufbauen. Entdeckt haben aber (fast) alle Besucher längst noch nicht alles entdeckt, was die Zwillinge und ihre Mitarbeiter in ihrer Welt im Maßstab 1:87 so alles versteckt haben.

Auch die Nacht findet im Miniatur Wunderland statt – hier über dem Markusplatz in Venedig

37 Millionen Euro sind seit 2000 in den Bau investiert worden, die über 300 Wunderlandbauer haben dafür weit über eine Millionen Stunden investiert. Begonnen hat die Idee übrigens im Juli 2000 mit der verrückten Idee, die größte Modelleisenbahn der Welt zu bauen. Die ersten Züge rollten nur acht Monate später über die Anlage: Am 1. August 2001 begann die nicht enden zu wollende Erfolgsgeschichte mit den Bauabschnitten Mitteldeutschland, Knuffingen und Österreich. Zehn weitere Abschnitte sind inzwischen fertig.

Der Medienandrang war groß, als die Elbphilharmonie eröffnet wurde

In der miniaturisierten Elbphilharmonie ertönte das erste Konzert noch vor der Eröffnung ihres nur wenige Hundert Meter entfernten Vorbildes im Maßstab 1:1. Bereits seit dem 13. November 2013 wurde dort nach nur 364 Tagen Bauzeit und mehr als 13000 Arbeitsstunden der Taktstock zum ersten Konzert erhoben. Vier Jahre später wurde am 11. Januar 2017 das Konzerthaus im Maßstab 1:1 eröffnet – und es war mit 866 Millionen Euro war es nur „unwesentlich teurer“ als die – übrigens aufklappbare – Nachbildung: Die schlug mit nur mit „läppischen“ 350000 Euro Baukosten zu Buche.

Ein Blick in das miniaturisierte Amerika

Zuletzt wurde Rio de Janeiro eröffnet. Mittelamerika und die Karibik sind in Arbeit, (Miniatur)Weltreisende können sie wohl ab 2024 von einer Fläche von etwa 160 Quadratmetern bewundern. Ab 2026 soll Asien auf den Maßstab 1:87 schrumpfen, ab 2027 sind weitere Länder geplant. Vielleicht ein Blick nach England oder in die Niederlande?

Baustellen wird es auch weiterhin im Miniatur Wunderland geben, die Anlage wächst weiter. Den Betreibern gehen die Ideen nämlich auch zukünftig nicht aus

Man darf gespannt sein, was sich das Team des Miniatur Wunderland noch alles einfallen lässt. Man kann aber sicher sein: Die „Reise um die Welt“ wird länger dauern als einen Tag. Und – noch einmal sei Jules Verne zitiert: „In 80 Tagen um die Welt“ ist diese Reise nicht beendet – zumindest nicht, wenn man im Miniatur Wunderland alles entdecken möchte, was in dieser Welt auf den Maßstab 1:87 verkleinert wurde.

Waterloo – Erinnerungen an eine Schlacht

Einmal im Jahr kommt die Geschichte zurück in den wallonischen Ort Waterloo: Nachgestellt wird dort am Wochenende um den 18. Juni die Schlacht, die 1815 die Herrschaft des Napoléon Bonaparte beendete. In diesem Jahr wird das Ereignis am 22. und 23. Juni nachgestellt.

Napoleon im Kreis seiner Generäle wird auch in diesem Jahr wieder in Waterloo zu sehen sein

Seit etlichen Jahren wird die Schlacht bei Waterloo, damals noch ein niederländischer Ort, auf den Original-Schauplätzen in Belgien nachgestellt – allerdings nicht mehr mit 68000 britischen, 45000 preußischen und 72000 französischen Soldaten. An dem Wochenende im Juni sind es „nur“ einige Hundert Männer und Frauen, die die Schlacht der alliierten Truppen unter dem englischen General Wellington und dem preußischen Feldmarschall Blücher gegen Napoléon Bonaparte und dessen Truppen nachspielen.

Die Schlacht bei Waterloo wird an den Originalschauplätzen nachgespielt

Das Ergebnis dieser insgesamt dreitägigen Schlacht ist ja bekannt: 15 Kilometer südlich von Brüssel entfernt schlugen General Wellington und Feldmarschall Blücher den Franzosen, der dort am 18. Juni 1815 „sein Waterloo“ erlebte und dessen Herrschaft am 22. Juni 1815 endgültig als britischer Kriegsgefangener mit der Verbannung nach St. Helena endete.

Den Originalen originalgetreu nachempfunden

Waterloo erinnert nicht nur alljährlich mit zahlreichen Spektakeln am Mémorial 1815, dem großen Informationszentrum, an die Schlacht, dort kann man die Schlacht auf einem 3D Film nachverfolgen, vom Löwenhügel das Schlachtfeld überblicken und das 110 Meter lange und 12 Meter hohe „Panoramagelände“, ein riesiges Panoramagemälde, ansehen. In der Ferme d’Hougoumont werden Erinnerung und Innovation auf respektvolle Weise miteinander verbunden. Ausstellungen gibt es auch in Napoleons letztem Hauptquartier, dem 1757 erbauten Bauernhof „Ferme du Caillou“, und im Wellington-Museum in Waterloo.

Leben im Feldlager

Am Wochenende um den 18. Juni folgt zusätzlich die Darstellung von Szenen aus der Schlacht. So gibt es Blicke in die Biwaks der alliierten Truppen im Bauernhof Hougoumont und französischen Truppen am Fuße des Löwenhügels. Besucht werden kann auch das letzte Hauptquartier von Napoleon.  

Szenen der Schlacht bei Waterloo

Das Feuer der Artillerie der Grande Armée wird dabei immer wieder zu hören sein, Soldaten in den historischen Uniformen sorgen für den Lärm der Schlacht.

Militärgespräche

Der Angriff der französischen Truppen auf den Bauernhof Hougoumont wird am Sonntag nachgestellt. Die Schlacht tobt ab 10.30 Uhr und endet gegen Mittag. Im Juni 1815 dauerte diese Schlacht länger, endete mit der zweiten völligen militärischen Niederlage Napoleons innerhalb kurzer Zeit.

Neben neben der Schlacht

Weitere Vorführungen mit der Besichtigung der Feldlager, der Vorführung der Geschütze, mit Fahrten mit Einspännern zwischen dem Löwenhügel und der Ferme d’Hougoumont und der Besichtigung des Mémorial 1815 gibt es täglich im Sommer und von April bis Juni und im September und Oktober jeweils von donnerstags bis sonntags. Durch die Provinzen Hennegau, Namur und Wallonisch-Brabant führt zudem die etwa 100 Kilometer lange Napoleon-Route. Auf dem Programm der Napoleon-Route stehen 150 Punkte mit Geschichte, Museen, Denkmäler, Folklore, UNESCO-Stätten, aber auch mit grünen Landschaften, Gastronomie und regionalen Produkten. Besucher bleiben auf dem gesamten Parcours mit Hilfe von Hinweistafeln stets informiert.

Feldlagerleben

Im Jahr 2015 gab es übrigens eine erheblich größere Veranstaltung anlässlich des 200. Jahrestages der Schlacht bei Waterloo: Über 6000 „Soldaten“ aus vielen Nationen hatten ihre Feldlager aufgebaut, sie hatten weit über 300 Pferde dabei und richten über 100 Kanonen aufeinander. Am Ende waren es fast 250000 Menschen, die sich vom „Inferno“ – eine nächtliche Großveranstaltung aus Musik, Schauspiel, Feuerwerk und Schlachtdarstellung – am Donnerstag über die (natürlich verkürzte) Nachstellung der beiden entscheidenden Tage am Freitag und Samstag bis hin zu den Besichtigungen der Feldlager in und um Waterloo bewegten.

Appell bei Waterloo

Bei dieser Veranstaltung entstanden übrigens die Fotos zu diesem Blick auf die Schlacht bei Waterloo, die alljährlich an das unrühmliche Ende des französischen Herrscher Napoleon erinnert und tausende Besucher in das wallonische Waterloo lockt – übrigens eine Landschaft, die auch ohne die Erinnerung an die Schlacht bei Waterloo besonders reizvoll ist.

Noch der Führer der französischen Truppen, wenige Tage später Kriegsgefangener: Napoleon erlebte „sein Waterloo“

Den genauen Termin der Großveranstaltung findet man demnächst auf den Internetseiten www.waterloo1815.de , www.visitwallonia.de oder www.wallonie-tourisme.be

Guarda – malerisches Kleinod am Eingang des Val Tuoi

Ein kleines Schild an der Straße durch das Inntal im Unterengadin weist den Weg in einen der schönsten Orte der Schweiz: Um nach Guarda zu gelangen, müssen von dort aber noch etliche Höhenmeter überwunden werden, immerhin liegt der Ort 1635 Meter über dem Meeresspiegel. Was man dann allerdings entdeckt, verschlägt vielen die Sprache: Ein malerisches Kleinod wartet darauf, entdeckt zu werden.

Guarda ist ein im wahrsten Sinne des Wortes „ausgezeichneter Ort“

Guarda, das sind etwa 70 teils uralte Engadinerhäuser – viele davon mit den typischen „Sgraffiti“, den einzigartigen Malereien an den Wänden. Die Häuser wurden schon in den 1930er Jahren durch den Bündener Heimatschutz liebevoll restauriert und sorgen noch heute dafür, dass der Ort eines der am besten erhaltenen Engadiner Dörfer ist. Sogar Auszeichnungen erhielt Guarda dafür, dass man sich schon früh um den Erhalt des Dorfbildes kümmerte: 1975 wurde Guarda der Wakkerpreis verliehen. Die Auszeichnung wird vom Schweizer Heimatschutz (SHS) vergeben, erhalten können ihn Gemeinden in der Schweiz für beispielhaften Ortsbildschutz. 1985 wurde das Dorf außerdem als „Ortsbild von nationaler Bedeutung“ eingestuft. Nur wenige moderne Häuser sind am Ortsrand zu finden, im Dorf selbst prägen die historischen Gebäude das Bild. Und sie sorgen dafür, dass viele Gäste in den einzigartigen Ort kommen, der fast schon wie ein kleines, lebendiges Museum wirkt.

In dem malerischen Ort gibt es kaum Autos

Ein „Museum“, dessen Geschichte schon 1160 begann: In dem Jahr wurde Guarda erstmals urkundlich erwähnt. Die Edlen von Tarasp schenkten „Warda“ – so der alte Name Guardas – dem Churer Bischof. Der Ort auf 1650 Metern Höhe bot schon damals einen guten Blick auf die alte Engandiner Straße, die den Comersee und Innsbruck verband.

Etwa 70 teils uralte Engadinerhäuser sind in Guarda zu sehen

Zur Geschichte Guardas gehört auch eine Geschichte, die den Ort noch bekannter machte: Der Schellen-Ursli entstammt der Feder der Autorin Selina Chönz und des Künstlers Alois Carigiet, erzählt wird in dem 1945 erstmals erschienenen Kinderbuch vom Brauch des Chalandamarz, der alljährlich am 1. März durchgeführt wird. Die Tradition will, dass im Frühling der Winter mit lautem Glockengeläut der Engadiner Kinder ausgetrieben wird. Dem Schellen-Ursli ist auch ein kleines Museum im Keller des Meisser-Hotels gewidmet, hier werden Szenen der Geschichte dargestellt – und die begeistern nicht nur die kleinen Besucher dieses liebevoll gestalteten Museums.

Ein Besuch im Schellen-Ursli Museum lohnt sich

Die Jahrhunderte alte Tradition des Chalandamarz wird übrigens im Engadin, im Münstertal, im Oberhalbstein, im Albulatal sowie im Puschlav, Bergell und Misox begangen. Das lautstarke Glockentragen wird dabei ausschließlich von männlichen Kindern vollzogen, die im Ort geboren wurden.

Beim Chalandamarz ziehen die Jungen mit Schellen durch den Ort

Wer Guarda besuchen möchte, der nutzt zur Anreise am besten die Bahn: Die Rhätische Bahn richtete bereits 1913 unterhalb des Ortes eine Station ein. Die liegt auf 1431 Metern, zu Fuß überwindet man den Höhenunterschied von etwa 200 Metern in gut 40 Minuten. Es gibt aber auch eine Busverbindung. Mit dem Auto kann es mühselig werden: Im fast autofreien Ort gibt es keine öffentlichen Parkplätze, nur vor dem Ortseingang steht eine begrenzte Anzahl Plätze zur Verfügung. Ein Tipp: Das Auto schon an der Bahnstation abstellen und dann den gut ausgeschilderten Weg hinauf in das Dorf gehen – und der wird belohnt mit wunderbaren Blicken in das Engadiner Inntal.

Wer im Val Tuoi wandert, der sollte Schneeschuhe nutzen

Und die Blicke reizen natürlich, sich die Umgebung Guardas weiter anzusehen, denn etliche Wanderwege führen in eine schöne Landschaft, die zu erkunden sich lohnt.

Von der Chamonna Tuoi auf 2.250 Metern am Ende des Val Tuoi hat man den Piz Buin (3312 Meter) im Blick

Natürlich auch im Winter: Empfehlenswert ist der Besuch der Chamonna Tuoi, der Tuoihütte auf 2.250 Metern am Ende des Val Tuoi. Die Hütte direkt unterhalb des Piz Buin (3312 Meter) ist beliebter Ausgangspunkt für Bergsteiger, im Winter ist sie das Ziel vieler Tourenskigeher und Schneeschuhwanderer, die den Blick auf viele 3.000er Gipfel werfen wollen.

Der Blick aus dem Val Tuoi in Richtung Süden

Auch rund um Guarda findet man unendlich viele schöne, vor allem aber ruhige Wege für Winterwanderungen und Skitouren. Übrigens muss man alle Wege in der Umgebung von Guarda ohne technische Hilfsmittel erobern, denn Lifte sucht man dort vergeblich – was den Reiz, die malerische Landschaft im Winter genießen zu können, noch deutlich erhöht.

Jul på Liseberg

Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in Göteborg

Es ist wieder soweit: Die Weihnachtsmärkte sind geöffnet, zumindest in den Städten riecht es auf vielen Plätzen nach gebrannten Mandeln und Glühwein. Und viele Reiseunternehmen bieten Touren zu den schönsten Märkten an. Mit dem Bus oder mit der Bahn geht es los, morgens hin und abends – gefüllt mit den Eindrücken der Märkte – zurück. Aber halt. Da fehlt doch ein Reiseweg? Warum nicht mal mit dem Schiff zum Weihnachtsmarkt? Zum Beispiel von Kiel aus nach Göteborg?

14 Stunden dauert die Reise zu einem der schönsten Weihnachtsmärkte und gleichzeitig zum größten Weihnachtsmarkt – zumindest in Schweden. Der Start ist pünktlich um 17:45 Uhr in Kiel (Check-In-Ende 17:15 Uhr), dort legen täglich entweder in Stena Germanica oder die Stena Scandinavia ab zur Reise an die schwedische Westküste. Weihnachtsmarktfans erwartet an Bord der beiden Superfähren schon ein erster Eindruck von dem, was sie am nächsten Morgen erwartet: Vorweihnachtlich geht es an vielen Plätzen auf den Fähren zu. Um 9:15 Uhr ist man dann in der Hauptstadt der schwedischen Weihnachtsmärkte.

Allerdings ist noch eine Tour mit der Straßenbahn nötig, um das vorweihnachtliche Highlight zu erreichen: „Jul på Liseberg“ – Weihnachten in Liseberg – im gleichnamigen Vergnügungspark wird noch bis Ende Dezember im Vergnügungspark oberhalb des Zentrums Göteborgs veranstaltet. Ab 15 Uhr (an vielen Tagen im Dezember auch ab 13 Uhr) öffnet der liebevoll geschmückte Markt im Vergnügungspark. In dem warten in den warmen Jahreszeiten unter anderem viele Fahrattraktionen auf die jungen und älteren Besucher. Beim „Jul på Liseberg“ gibt es in der Vorweihnachtszeit Musik- und Theateraufführungen, dazu sind etliche Stände mit süßen schwedischen Spezialitäten, Wurst, Strickwaren und Backwerk, mit Schmuck und vielen weihnachtlichen Artikeln aufgebaut.

Wer nach dem Besuch von „Jul på Liseberg“ noch Lust hat, sich Göteborg anzusehen, der sollte unbedingt noch in die Innenstadt gehen. In den kleinen, aber sehr gemütlichen Einkaufsstraßen der Altstadt – übrigens ganz in der Nähe des Liegeplatzes der Fähre – gibt es viele Geschäfte, Restaurants und Cafés. In Letztgenannten gibt es natürlich auch die unfassbar großen und köstlichen schwedischen Kanelbullar Zimtschnecken, die nicht nur in der Vorweihnachtszeit schmecken.

Und wenn man schon in der Innenstadt ist, dann sollte man eine Kirche besuchen, die gar keine Kirche ist: „Feskekörkan“ – eigentlich heißt sie auf Schwedisch „fiskekyrkan“ – ist eine Markthalle. Den Namen „Fischkirche“ erhielt das zu den markantesten Gebäude Göteborgs zählende Bauwerk der einzigartigen Architektur wegen. Stadtarchitekt Gegerfeld baute das kirchenähnliche Gebäude 1874 und realisierte damit eine riesige Halle, die ohne tragende Säulen und Trennwände auskommt. Der eigentliche Zweck, darin Fischauktionen durchzuführen, ist seit 1910 Geschichte. Der Fischmarkt wurde damals an den Hafen verlegt. Fische und andere Meerestiere spielen aber trotzdem immer noch eine große Rolle, fangfrischen Fisch gibt es dort noch immer, außerdem haben die Händler etliche Spezialitäten in ihren Läden, es gibt Köstlichkeiten zum Mitnehmen oder zum direkten Verzehr in der „Fischkirche“.

Noch ein modernes Highlight der Göteborger Architektur: Wer Menschen beim Baden beobachten möchte, der kann das im Upper House. Das Hotel in den obersten Stockwerken der Gothia Towers, einem Gebäudekomplex aus drei markanten Türmen, verfügt über einen außergewöhnlichen Pool, der an der Fassade gebaut wurde. Man muss noch nicht einmal in das Hotel gehen, die Badegäste sieht von der Straße aus in luftiger Höhe im gläsernen Swimmingpool.

Um nach dem Weihnachtsmarkt, dem Stadtbummel und dem Besuch der vielen Attraktionen zurück an Bord der Stena Germanica oder die Stena Scandinavia zu kommen, kann man das mit einer „Hafenrundfahrt“ verbinden: Mit der Personenfähre Älvsnabben (Linie 285), von der man einen schönen Blick auf den Göteborger Hafen genießen kann, fährt man zur Anlegestelle Klippan unterhalb der Brücke Älvsborgsbron in unmittelbarer Nähe der Fähre.

Die Erinnerungen an den größten und einen der schönsten schwedischen Weihnachtsmärkte und an eine der schönsten Städte Schwedens kann man an Bord der Fähre auf der 14-stündigen Reise zurück nach Kiel genießen.

Die Fähre legt um 17:45 Uhr (Check-In-Ende 17:15 Uhr) in Göteborg ab, um 9:15 Uhr ist der Ausgangspunkt der etwas anderen Weihnachtsmarkttour wieder erreicht.

Ein Tipp: Wer in der Stadt Göteborg mit dem ÖPNV („Västtrafik“) unterwegs sein will, kann die 24-Stunden-Karten der Zone A (= Göteborg) für SEK 115 (ca. € 10,80) kaufen. Sie gilt in Bussen, Straßenbahnen und auf der Personenfähre.

Weiße Häuser in schwarzer Landschaft

Lanzarote wurde von César Manrique mitgestaltet

Weiße Häuser mit blauen oder grünen Türen und Fensterrahmen, schwarze Strände, viele erloschene Vulkane sowie eine durch Lava gestaltete Landschaft und dazu ein außergewöhnlich mildes Klima: Lanzarote bietet alles für einen schönen Urlaub – und das eigentlich zu jeder Jahreszeit. Und man trifft dort Menschen, die sich genau aus diesen Gründen entschlossen haben, auf dieser Insel zu leben.

Es ist ein außergewöhnlicher Ort, dort draußen im Atlantik: Rund 1000 Kilometer entfernt vom Mutterland Spanien und 140 Kilometer westlich von der marokkanischen Küste liegt Lanzarote, jene Insel, die nur zu gerne von Urlaubern aufgesucht wird, die die Hauptinsel der Kanaren, Teneriffa, nicht so recht mögen. Die Ruhe suchen, Landschaften, in denen man gut wandern kann und Orte, an denen man die Köstlichkeiten der Insel genießen kann. Und wo man überall die Spuren eines großen Künstlers findet.

Es gibt wohl kaum einen Flecken auf der Weltkarte, der so geprägt ist von einem Künstler, wie Lanzarote: César Manrique (1919–1992) ist es zu verdanken, dass die meisten Häuser auf dem 845 Quadratkilometer großen Eiland maximal drei Stockwerke hoch sein dürfen, er war es, der dafür sorgte, dass die meisten Häuser weiß im Sonnenlicht erstrahlen. Manrique hatte 1968 den mit ihm befreundeten Präsidenten der Inselverwaltung Pepin Ramírez überzeugt, dass Gebäude auf Lanzarote die Höhe einer ausgewachsenen Palme nicht überschreiten sollen. Die Zeiten haben sich allerdings geändert, inzwischen gibt es auf der nördlichsten der acht bewohnten Kanarischen Inseln einige Häuser die Grenzen nach oben überschreiten. Geblieben ist aber das strahlende Weiß der Häuser mit ihren blauen Fensterrahmen, Türen und Gartenzäunen in Fischorten und mit den grünen Rahmen, Türen und Zäunen in landwirtschaftlichen Räumen.

Die Farben sind inzwischen auch vermischt anzutreffen, andere Farben sind hinzugekommen. Geblieben aber ist der Charme der Insel, die voll ist mit vielen Naturschönheiten, mit lokalen Besonderheiten, mit hervorragenden Weinen und mit kulinarischen Köstlichkeiten. Und mit den Spuren, die César Manrique auf „seiner“ Insel hinterlassen hat. In der Fundación César Manrique in Tahiche nördlich von Arrecife sind Werke des Künstlers zu sehen. Auch in der Sala Saramaro und im Museo Insular de Arte Contemporáno (MIAC) in Arrecife sieht man Arbeiten des großen Künstlers.

Ein weiteres Werk von César Manrique – das letzte vor seinem Tod geschaffene – ist ein sehr stacheliges: Im Jardín de Cactus in Guatiza, einem umgestalteten ehemaligen Steinbruch, hat der Künstler etwa 4500 Kakteen in einer terrassenartig angelegten Arena gepflanzt. Die etwa 450 Arten hat César Manrique von allen fünf Kontinenten zusammentragen lassen. Umrahmt werden die stacheligen Schönheiten von Pflanzen, von denen die wenigsten auf Lanzarote heimisch sind: Agaven, Alluaudien, Äonien, Crassulaceen, Euphorbien, Hylocereen, Kleinias, Pachypodien und Pereskias können im 5000 Quadratmeter großen Jardín de Cactus bewundert werden.

Lanzarote, das sind 60 Kilometer Traumlandschaft von Südwest nach Nordost und 25 Kilometer von Südost nach Nordwest. Das sind aber auch wunderbare, oft schwarze Sandstrände und bis zu 671 Meter hohe Berge – auch meist schwarze. Was daran liegt, dass Lanzarote vulkanischen Ursprungs ist.  Der letzte Ausbruch war 1824, die „Feuerberge“ aber haben die Insel geformt und das Leben dort geprägt. Landwirtschaftlich genutzte Flächen mussten – und müssen – den meterdicken, schwarzen Lavaascheflächen abgerungen werden. Die heizen sich tagsüber auf und saugen nachts die Feuchtigkeit aus der Luft und speichern das Wasser.

Was dazu führt, dass auf Lanzarote zum Beispiel einzigartige Weine angebaut werden, bei denen die Reben in kleinen „Wällen“ ganz nah am Boden wachsen. Eine der Hauptanbaugebiete ist die Region La Geria in unmittelbarer Nähe einer ganz besonderen Attraktion: Der Parque Nacional de Timanfaya ist ein Besuchermagnet.  Der Nationalpark ist mit etwa 50 Quadratkilometern die größte Fläche mit Lavafeldern, Vulkanbergen und Aschetälern.

Auf Kamelen oder mit Bustouren kann man den Park erkunden, in dessen Zentrum sich das geothermische Restaurant El Diablo – übrigens auch von César Manrique gestaltet – befindet. Um in den Kernbereich der „Feuerberge“ zu kommen, muss man eine Gebühr entrichten, fällig wird sie am Parkplatz der Zufahrtsstraße, die von der LZ 67 abzweigt. Man sollte sich beim Plan, in diesen Bereich zu fahren, aber bewusst sein, dass dieses eine sehr beliebte Touristenattraktion ist, die täglich von vielen Tausend Besuchern angesehen wird. Lange Schlangen und Wartezeiten müssen eingerechnet werden. Große Teile des Parks dürfen übrigens nicht betreten werden, es werden aber von Rangern geführte Wanderungen angeboten, die allerdings im Vorwege gebucht werden müssen.

Aber keine Sorge: Wandern auf, in und an erloschenen Vulkanen und durch Lavafelder kann man an vielen Orten auf der Insel. Und je nach Schwierigkeitsgraden der Wege kann man es sogar erleben, die Schönheiten der einzigartigen Landschaft alleine zu erleben. Zum Beispiel den erloschenen Vulkan Caldera Blanca, in dessen Krater man aus einer Höhe von 458 Metern über dem Meeresspiegel blicken kann. Der Caldera Blanca liegt an der Westseite des Parque Nacional de Timanfaya und zählt zu den schönsten Kratern auf Lanzarote. Oder der Vulkan Caldera de la Rilla mit dem Gipfel des Montaña del Señalo (517m) – beides in einer Wanderung in oft absoluter Ruhe.

Ruhe findet man auch an der Küste. Die oft schwarzen Strände laden ein zum Sonnenbad oder dazu, sich in eines der Restaurants zu setzen und dort Fisch und Meeresfrüchte zu genießen. Zum Beispiel im Restaurante Bogavante am Strand von El Golfo.

Oder sich ansehen, wie man auf Lanzarote Salz gewonnen hat. Die alten Salinen an der Playa Blanca wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, ihr Betrieb ist allerdings inzwischen fast eingestellt. Das dort gewonnene Meersalz diente einst der Konservierung der Fische. Heute kann man das Meersalz direkt an der Saline kaufen, auch einige Geschäfte in der Nähe bieten diese Köstlichkeit an. Auch viele Restaurants nutzen das Meersalz zum Würzen ihrer Speisen.

Und wenn eingangs der Künstler César Manrique eine besondere Rolle spielte, dann lohnt sich auch vielleicht Blick auf einen deutschen Künstler: Christian Honerkamp, geboren in Münster, hat sich mit seinem Atelier und seiner Galerie auf Lanzarote niedergelassen. Er lebt und arbeitet in Tinguatón am Westrand des Nationalparks. Viele der Arbeiten des Künstlers sind geprägt vom vulkanischen Ursprung seiner neuen Wahlheimat, in die er 1993 gezogen ist. „In seinen Bildern ist der Geist der Insel Lanzarote deutlich zu spüren. Ob leuchtend rotes Magma in Kombination mit dem anthrazitschwarzen Lavagestein oder beruhigende Blaugrünmischungen der Meerestiefen, Honerkamps Bilder ziehen den Betrachter in abstrakte Welten“, sagen Freunde über ihn und seine Arbeiten. Das Atelier und die Galerie befindet sich in Tinguatón 19 und ist jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Lanzarote wurde übrigens von der UNESCO 1993 als erste Insel vollständig zum Biosphärenreservat erklärt.