Das Ultental – Wandern auf und neben der Spur

Den Winter im Ultental ganz ruhig genießen

Die Nase voll vom Wintersport auf überfüllten Pisten? Vom Warten in langen Schlangen am Skilift? Vom Après-Ski an übervollen Glühweinständen? Kann ich gut verstehen, ist auch nicht mein Ding. Winter ist für mich verbunden mit Ruhe, mit weiten Schneeflächen ohne die Spuren der gewaltigen Pistenraupen, die Nacht für Nacht dafür sorgen, dass das Heer der Skiläuferinnen und Skiläufer am Morgen genau das vorfinden, was sie suchen. Auch auf Lifte kann ich (meistens) gut verzichten, wenn ich auf den Berg rauf möchte, dann geht das auch sehr gut zu Fuß. Skier kommen für mich ohnehin nicht infrage, Schneeschuhe sind da eher angesagt.

Bei der Suche nach dem idealen Areal bin ich schnell fündig geworden, es liegt in Südtirol, nur wenige Kilometer westlich von Meran: Das Ultental mit seiner großartigen Landschaft und den schindelgedeckten Bauernweilern unter dem Ortler zählt zu den ursprünglichsten Tälern Südtirols. Wer auf Spurensuche geht, wird hier sicher fündig. Aber auch Skifahren hat dort etwas wohltuend Unverfälschtes.

Das Ultentag erstreckt sich zum Nationalpark Stilfserjoch und dem Ortler und liegt parallel zum Vinschgau. Eine Winterwelt für Langläufer, Winter- und Schneeschuhwanderer und Rodler.

Und ja, es gibt auch Lifte für Skifahrer – allerdings nur ein paar –, sie führen hinauf zur Schwemmalm, dem etwas größeren Skigebiet im Ultental.

Es sind aber Skigebiete, die abseits des üblichen Alpen-Ballermann liegen. Und es sind Gebiete für all jene, die ursprüngliche und „unaufgeregte“ Schneereviere suchen, in denen es einzig und allein um das perfekte Erlebnis auf den Brettern geht. Die Schwemmalm bietet 20 Abfahrtskilometern und fünf Kilometer schneesicheren Freeride-Reviere.

Ringsum haben Winterfreunde das puristisches Wintervergnügen. Skitourengeher haben im gesamten, 40 Kilometer langen Ultental perfekte Möglichkeiten – und absolute Schneesicherheit rund um das Gletschergebiet im Naturpark Stilfserjoch. Langläufer gleiten auf der hochalpinen Ultner Panorama-Loipe (12 – 25 km) der Sonne entgegen. Schneeschuhwanderer machen sich auf, um vorbei an den urigen Bauernhöfen zu gehen und die verschneite Winterlandschaft zu entdecken. Oder um auf absolut stillen Wegen die weiße Bergwelt zu erkunden. So zum Beispiel vom Weißbrunnsee zum Grünsee zu gehen. Ruhe ist garantiert, allenfalls Tourenskigehern begegnet man auf dem recht anspruchsvollen Weg.

Und auch die Winterwanderer finden abseits der Pisten ihre Reviere: So geht es am beliebten Ultner Höfeweg, auf der Mariolberger Alm, zur Steinrast oder auf die Innere Schemmalm. Auch die drei Urlärchen bei St. Gertraud sind im Winter ein beliebtes Ziel. Sie stehen auf 1.430 Metern Meereshöhe am Rande eines Bannwaldes, der die Außerlahnhöfe vor Lawinen schützt. Die drei gewaltigen Bäume gelten als die ältesten Nadelbaume Europas, bei einer 1930 umgestürzten Lärche wurden über 2.000 Jahresringe gezählt.

Man kann also sagen, das Ultental ist „echt und guat“. „Echt und guat“ steht im Ultental natürlich auch für die besondere Form von Gastfreundschaft. In den Hütten bestimmen regionale Lebensmittel, alte Rezepte und lokale Spezialitäten die Karten. Zur Übernachtung laden Bauernhöfe, Ferienhäuser, Hotels und traditionelle Gasthäuser.

Infos: www.ultental.it, www.merano-suedtirol.it

Madeira – Blumeninsel und Wanderparadies

Wanderer lieben die kleine, zu Portugal gehörende Insel mitten im Atlantik wegen ihrer wunderbaren Landschaft. Aber auch Pflanzen- und Blumenfreunde fliegen gerne nach Madeira. Und Genießer erfreuen sich nicht nur am Madeira, dem nach der Insel benannten Likörwein, sondern auch an den vielen anderen Rebsorten, die im besonderen Klima der Insel reifen und für außergewöhnliche Weine sorgen.

Madeira, knappe zwei Flugstunden von Lissabon entfernt im Atlantik liegend, ist ein landschaftlicher Traum, den zu erkunden Wanderer und Mountainbiker lieben. Sie finden einzigartige Wege und Trails in einer durch Vulkanaktivitäten geformten Landschaft. Aber nicht nur sie sind gerne auf der Insel, die den liebevollen Beinamen „Blumeninsel“ trägt. Und die Gründe, warum Madeira so genannt wird, ist für Blumen- und Pflanzenfreunde der Grund, die Insel zu besuchen.

Eine der Hauptattraktionen ist der Jardim Botânico – der Botanische Garten – auf dessen Areal mehr als 2000 exotische Pflanzen zu finden sind. Neben Orchideen, Magnolien, Kakteen, Palmen und viele anderen sind dabei natürlich auch 100 Pflanzen zu sehen, die auf Madeira beheimatet sind, darunter die allgegenwärtige Papageienblume, die Strelitzie. Sie ist das Wahrzeichen der „Blumeninsel“. Der Jardim Botânico entstand 1960 aus dem früheren Anwesen der Familie William Reid. Der 35.000 Quadratmeter große Park liegt oberhalb von Funchal.

Unweit des Jardim Botânico finden Freunde außergewöhnlicher Gärten in Monte den Jardim Tropical Monte Palace. Seit 1991 ist der von José Berardo eingerichtete Park zugänglich, in ihm spiegeln sich die Einflüsse der Portugiesen im Orient wider. Die bedeutendste Sammlung tropischer Pflanzen ist umrahmt von einer eindrucksvollen Sammlung portugiesischer Fliesen.

Und wenn man den Jardim Botânico und den Jardim Tropical Monte Palace schon besucht: In der Nähe der Parks starten außergewöhnliche Verkehrsmittel, die Ende des 19. Jahrhunderts für die betuchten Bewohner von Monte eingerichtet wurden: Sie wurden mit den „Carro de cesto” – den Korbschlitten auf zwei Kufen – über eine Strecke von vier Kilometern hinab nach Funchal gebracht. Die Fahrt – besser: eine Rutschpartie – mit dem „Carro de cesto” von Monte nach Funchal gibt es noch heute, die Strecke ist allerdings um zwei Kilometer verkürzt. Wie schon bei der Einführung der „Carro de cesto” treiben zwei Schlittenlenker die Korbschlitten in flachen Passagen an und sorgen in Bereichen mit starkem Gefälle dafür, dass sie – und damit die Gäste – heil am Ziel ankommen.

Madeira ist aber auch gut ausgestattet mit Wanderwegen und mit steilen Steigen. So darf bei der Reise auf die Blumeninsel Madeira die Tour zur Ostspitze Ponta de São Lourenco nicht fehlen, die wildzerklüftete Steilküste bietet reizvolle Ansichten und auf dem Weg dorthin passiert man die engste Landstelle der Insel: Der Weg ist nur wenige Meter breit, rechts und links von ihm fällt die Küste steil ab ins Meer. Meiden sollte man den Weg, wenn man seine Ruhe haben möchte. An besonders schönen Tagen machen sich ganze Busladungen auf den Weg, um vom höchsten Punkt einen Blick auf die Nachbarinsel Porto Santo zu werfen. Ein Tipp zum Besuch der Ostspitze: Wer früh am Morgen losgeht, hat noch seine Ruhe. Spätestens ab 11 Uhr ist damit Schluss.

Gewöhnungsbedürftig ist auch dieser Punkt: Das Cabo Girão nahe der Ortschaft Câmara de Lobos an der Südküste der Blumeninsel Madeira ist mit einer Höhe von etwa 580 Metern höchste Steilklippe der Insel, sie ist auch die höchste Steilklippe Europas. Auf die gläserne Plattform, die den Blick senkrecht auf die Atlantikküste ermöglicht, trauen sich längst nicht alle Besucher.

Eine der schönsten Touren – aber auch eine der spektakulärsten – erwartet die Wanderer dabei an der rauen Nordseite der Insel, an der fast immer eine steife Brise weht. Der Weg vom Boca do Risco bis nach Porta da Cruz ist im Bereich der steilen Nordküste „schwarz“ ausgewiesen, Wanderer sollten also unbedingt schwindelfrei und trittsicher sein, wenn sie den Weg hoch über dem Meer gehen wollen. Einige Passagen sind mit Stahlseilen an den Wänden gesichert, trotzdem bedarf es an manchen Stellen Überwindung, den Steig zu gehen. Macht man den Weg aber, dann hat man einen faszinierenden Ausblick auf die schroffe Nordküste der Insel, auf der aber trotz der steilen Hänge auf fast allen flachen Plätzen winzig kleine Felder bewirtschaftet werden. Die Tour beginnt in Machico am alten Caicaltunnel und führt zunächst entlang der Levada do Canical, einer der vielen künstlich angelegten Wasserversorgungswege, zur Boco do Risco. Weiter geht es in Richtung Porta da Cruz. Ein mit einem markanten Stein kenntlich gemachter Vermessungspunkt gehört zu den schönsten Zielen an dieser einzigartigen Steilküste der Blumeninsel Madeira.

Hoch hinaus geht es bei der Tour auf den Pico Ruivo, dem mit 1862 Metern höchsten Berg der Insel. Die „Rote Spitze“ aus Lavagestein ist auf gut ausgebauten Wegen zu erreichen, Wanderer sollten aber trotzdem trittsicher und schwindelfrei sein, vor allem aber sollten sie eine gute Kondition haben. Der einfachste Weg führt in etwa drei Stunden vom Pico do Arieiro auf den Gipfel, der schönere – und anstrengendere – Weg startet am Encumeada-Pass auf 1007 Metern. Fünf bis sechs Stunden sollte man dann allerdings auch veranschlagen.

Ein Muss für alle, die kühne Architektur lieben, sollte sich am Flughafen umsehen: an der nordöstlichen Seite unterquert die CR1, eine der wichtigsten Straßen der Insel, die Start- und Landebahn, die auf einer gewaltigen Brücke. Auf dieser Brücke sollte man nicht zu Fuß unterwegs es, es gäbe wohl Stress mit der Flugsicherung des Flughafens Madeira in Funchal. Der Grund dieser außergewöhnlichen Konstruktion: Die Startbahn wurde im Jahr 2000 durch eine Brückenkonstruktion um 1020 Metern verlängert. Die jetzt fast 2.800 Meter lange und 180 Meter breite Piste steht jetzt auf 180 bis zu 70 Meter über den Meeresspiegel reichenden Betonpfeilern. Ursprünglich war die Startbahn nur 1600 Meter lang. Der als Aeroporto de Santa Catarina 1964 eingeweihte Flugplatz wurde 2017 in Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo umbenannt.

Urlaubsstart mit Hot Dog

Annies Kiosk – Kultstätte in Sachen dänische Köstlichkeit

Wie beginnt man seinen Urlaub optimal? Oder wie beendet man ihn, um eine besondere Erinnerung an die schönste Zeit des Jahres zu behalten? Ich mache beides – zumindest, wenn unser nördliches Nachbarland das Ziel ist oder war – mit einem Umweg: Wenn ich über die A7 nach Dänemark reise oder die Autobahn für die Rückreise nach Hamburg nutze, dann zweige ich auf dem Weg in den Norden kurz hinter der dänischen Grenze von der Autobahn ab. Und die Rücktour lege ich so, dass ich noch kurz an die dänische Küste der Flensburger Förde komme. Genau: Ich muss immer kurz nach Sønderhav. Der Grund ist einfach: Ich liebe den Hot Dog. Okay, den gibt es überall in Dänemark, dort aber ist es der vermutlich beste, den man bekommen kann – und der hat inzwischen Kultstatus.

„Annies Kiosk“ ist der Name dieser Kultstätte direkt an der Flensburger Förde, dort werden die legendären Hot Dogs zubereitet.

Wie dieser Kiosk zum Kult wurde, lässt sich kaum noch nachvollziehen, es waren wohl die Motorradfahrer, die in den 1970er Jahren bei Annie eine Pause machten. Bis zu 600 Maschinen sollen bei gutem Wetter auf dem Parkplatz gestanden haben. Und wie es bei Geheimtipps so ist: Schnell hat es sich herumgesprochen, dass es die wohl besten Hotdogs im schmucklosen Kiosk gibt.

Seit 1936 gibt es an der Förde einen Kiosk, eröffnet wurde er von Reinhardt Petersen allerdings zunächst auf der anderen Straßenseite direkt an der Förde. Erst 1945 zog er mit dem Kiosk um an den heutigen Standort. Namensgeberin des heutigen Kiosks ist Annie Bøild, die in Kruså im Ortsteil Sønderhav zunächst als 15-jährige Aushilfe seit 1966 Hot Dogs verkaufte. Sie wurde 1974 Miteigentümerin des Kiosks, übernahm ihn 1984 und führte ihn jahrelang erfolgreich weiter.

Annie starb 2016, das Ende des Kiosks war damit eigentlich vorprogrammiert. Eine dänische Facebook-Gruppe und Mitarbeiter des Kiosks setzen sich allerdings dafür ein, dass die Kultstätte weiter bestehen konnte. Selbst in der Kommune wurde darüber diskutiert, wie man den Anziehungspunkt am Fjordvejen 67 in Kruså erhalten könnte. Es ist übrigens nicht mehr der Originalkiosk, an dem an Spitzentag etwa 1.000 Hotdogs über den Tresen gehen: Der wurde 2018 abgerissen und durch Neubau ersetzt – geblieben ist aber der Kultstatus, den Annies Kiosk bis heute genießt.

Und so werde wohl nicht nur ich den kleinen Umweg machen, um vor Annies Kiosk am Fjordvejen einen Hotdog mit Blick auf die Förde zu genießen. Und dort in Sønderhav wird es wird wohl noch lange die vermutlich besten Hot Dogs in Dänemark geben – nur wenige Kilometer von der Strecke in den Urlaub entfernt . . .

Jenever und edle Diamanten

Antwerpen ist eine Stadt für Genießer schöner Dinge

„Frühstück bei Tiffany“ lässt das Herz der Freunde edler Diamanten ja schneller schlagen, an die Grenzen der Belastbarkeit kommt das Herz aber wohl eher an einem anderen Ort – und das wohl eher nicht der Preise wegen, die es bei Tiffany in New York fast zum Stillstand gebracht haben dürfte: Antwerpen ist es, wo Diamantenfreunde auf ihre Kosten kommen – und wo sie genau aus diesem Grund auch sparen können. Die belgische Stadt an der Schelde ist bekannt als der größte europäische Handelsplatz für Diamanten, rund um die Centraal Station findet man unzählige Diamanthändler mit kleinen und großen Läden, einige davon auch in den historischen Gemäuern des Bahnhofs mit seinen insgesamt vier Gleisebenen.

Ein paar Infos zum Antwerpener Diamantenviertel, das auch als „größte Anhäufung von Juwelieren“ gilt: Acht von zehn Rohdiamanten der Weltproduktion und über die Hälfte der geschliffenen Steine werden in den vier Diamantenbörsen und in den über 100 Juweliergeschäften verkauft. Im Diamantenmuseum sieht man dann noch die Schätze vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ein Tipp: Die Preise für Diamanten und mit Diamanten verzierten Schmuck sind außergewöhnlich günstig, der Besuch in der Stadt lohnt sich also eigentlich mehr, als der Besuch bei Tiffany in New York.

Und noch etwas Wissenswertes zur außergewöhnlich schönen Centraal Station: Der Bahnhof wurde 1905 eröffnet, erbaut wurde das Empfangsgebäude im Gründerzeitstil von Loius de la Censerie. Mitte der 1960er Jahre wurde wegen des starken Verfalls der Abriss erwogen, das Gebäude mit der 75 Meter hohen Kuppel wurde aber unter Denkmalschutz gestellt und ab 1993 grundlegend renoviert. Die Kuppel gab dem Bahnhof den Spitznamen „Spoorwegkathedraal“ (Eisenbahnkathedrale).

Antwerpen ist aber nicht nur die Hauptstadt der Diamanten, sie ist auch ein Treffpunkt für Genießer. Sie lieben Waffeln? Dann ist der Besuch im Désiré de Lille in der Schrijnwerkersstraat 14 ein Punkt, den man nicht umgehen darf. Die Auswahl an Waffeln mit köstlichsten Beilagen ist riesig, dazu kommen etliche andere Köstlichkeiten aus der Küche. Nach den Waffeln vielleicht noch etwas Süßes? Überall in der Stadt warten Pralinenmacher mit ihren kleinen, aber sehr feinen Schätzen für den verwöhnten Gaumen. Und wer den noch nicht hat: Spätestens nach der ersten Praline verkündet der sicherlich, dass er gerne mehr von diesen süßen Kleinigkeiten hätte. Um die Schokolade geht es auch im Chocolade Line. Hier genießt man auf zweifache Weise: Zum einen zieht Besucher die Schokolade in ihren Bann, zum anderen ist es das historische Ambiente des Geschäftes in der Meir 50 – übrigens nahe des Rubens-Hauses.

Zuviel genascht? Dann wäre ein Besuch in „De Vagant“ in der Reynderstraat 25 mit in der historischen Altstadt zu empfehlen: Hier sind nicht die Spitzenköche anzutreffen, die in Antwerpen in vielen Restaurants Köstlichkeiten zubereiten, hier geht es auch nicht um das Gebäck, das die flämische Stadt so berühmt gemacht hat. Wer in „De Vagant“ geht, der möchte neben vielen verschiedenen Biersorten (etliche davon frisch vom Fass) den Jenever genießen. Und davon bietet das kleine Lokal in unmittelbarer Nähe der mächtigen Kathedrale gelegen, die wohl größte Auswahl, die man sich vorstellen kann: In der „Jeneverkaart“ finden Freunde des typischen Getränks über 200 Sorten, die allesamt aus Belgien stammen. Nimmt man noch die vielen Varianten des „Jenevers“ und der Liköre der über 40 Produzenten dazu, dann kommt man leicht auf ein Sortiment von 400 Varianten.

Nach dem Genuss für Leib und Magen ein bisschen Genuss für die Augen und die Seele? In Antwerpen laden viele – natürlich meist geöffnete – alte Kirchen ein zur Besinnung. Oder zum Kunstgenuss. Zum Beispiel die Kathedrale in der Nachbarschaft des Groenplaats in der Mitte der Altstadt.

In einer Dauerausstellung sind dort Werke von Peter Paul Rubens zu sehen, Arbeiten von ihm und viel Wissenswertes über sein Leben gibt auch im eigens für ihn eingerichteten Rubens-Haus im Wapper 9 – 11. Dort kann man sich unter anderem über Leben und Werk von Peter Paul Rubens informieren. Die Stadt beherbergt viele weitere Museen zu den unterschiedlichsten Themen, für den Besuch der Stadt an der Schelde sollte man also viel Zeit einplanen.

Auch in Sachen Architektur ist Antwerpen ein besonderer Ort: Rund um den historischen Groten Markt finden Freunde historischer Bauten prächtige Gildehäuser, in den neueren Stadtteilen sind es supermoderne Bauten, die internationale Spitzenarchitekten realisiert haben. Dazu gehört ohne Zweifel das „Museum aan de Stroom“.

Zu den historischen Kostbarkeiten der Stadt gehört ohne Zweifel auch der Stadsfeestzaal, in dem zu früheren Zeiten nur große Bälle veranstaltet wurden. Dieses Bauwerk sollte – wie etliche andere historische Gebäude – einem Neubau in der beliebten Einkaufsstraße Meir weichen, es wurde aber gerettet und ist ein Teil eines Einkaufszentrums mit vielen kleinen und großen Geschäften.

Erhalten wurde auch der fast 600 Meter lange Sint Anna Schelde Tunnel, der seit 1933 die beiden Seiten der Schelde miteinander verbindet. 31 Meter tief hinab in den Tunnel gelangt man mit den ältesten noch existierenden Holzrolltreppen.

Infos: www.flandern.com

„Hygge“ ist eine Lebensart

Die Dänen leben einfach ruhiger und gelassener

Die glücklichsten Menschen in Europa sind die Dänen im Norden. Diese Aussage ist keine Behauptung der nördlichen Nachbarn, sie stammt von Wissenschaftlern, die die sich in den europäischen Ländern umgesehen und sich mit den dort lebenden Menschen unterhalten haben. Nur die Finnen machten ihnen 2022 den ersten Platz im „World Happines Report“ streitig. Dass die Dänen trotzdem als die glücklichsten Menschen bezeichnet werden. liegt vielleicht auch daran, dass es dort „hygge“ zugeht.

„Hygge“ ist für die Dänen eine Lebensauffassung, es wird auch es auch für andere Menschen, wenn sie sich nur richtig darauf einlassen. „Hygge“ für sich selbst zum Motto zu machen, lernt man am besten dort, wo man den Begriff auch lebt – in Dänemark. Klar gibt es in Dänemarks auch den Begriff „Stress“, man hat allerdings den Eindruck, als könnten die Menschen dort besser mit ihm umgehen. Mag vielleicht daran liegen, dass dort ein Begriff weit ausgeprägter den Lebensstil beeinflusst: „Hygge“. Den Begriff zu übersetzen, fällt schwer, dieser – vor Jahrhunderten eigentlich aus Norwegen übernommen – steht für eine ganze Lebenseinstellung. Gelassenheit gehört dazu, Gemütlichkeit, Geselligkeit, Freude, Freundschaft wohl auch. Unter anderem, denn „Hygge“ ist weit mehr als nur ein Wort bei den Dänen.

Kunst der Hygge

Von der „Kunst der dänischen Hygge“ wird das auf der Internetseite http://www.visitdenmark.de gesprochen. Die Erklärung des Begriffs wird so beschrieben: „Das dänische Wort „Hygge“ ist schwierig auszusprechen (klingt ein bisschen wie „hügge“). Es kann mit „Gemütlichkeit“ übersetzt werden, doch dieses Wort deckt nicht die Bandbreite der „Hygge“ ab.“ Weiter heißt es dort: „Hygge ist genauso dänisch wie Schweinebraten und kaltes Bier und ein Kernbestandteil des typisch Dänischen.“ Im Wesentlichen sei „Hygge“ eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens mit netten Leuten zusammen genieße. Das warme Licht der Kerzen ist „Hygge“. Freunde und Familie gehören auch zur „Hygge“. Und nicht zu vergessen das Essen und Trinken – das heißt für Dänen am liebsten mehrere Stunden am Tisch zu sitzen und sich gemeinsam mit den größeren und kleineren Dingen des Lebens auseinanderzusetzen. Vielleicht erklärt das dänische Phänomen „Hygge“, wieso die Dänen oft als die glücklichsten Menschen der Welt betrachtet werden?

Alle Jahreszeiten

Man kann „Hygge“ auch nicht festmachen an Jahreszeiten, wenn es auch besonders in der ja ziemlich langen dunklen Jahreszeit deutlich „hyggeliger“ in Häusern, Wohnungen und Restaurants ist. Liegt wohl auch daran, dass der Pro-Kopf-Kerzenverbrauch der Dänen der weltweit höchste ist. Ein dänischer Glücksforscher ermittelte, dass die Dänen durchschnittlich sechs Kilogramm Kerzen pro Jahr verbrauchen. Es liegt aber auch daran, dass die Dänen Meister in der Lichtgestaltung sind, und immer für besonders „hyggelige“ Lichtstimmungen sorgen.

Nicht nur Licht

„Hygge“ ist aber nicht nur das Licht, „Hygge“ ist eine Lebenseinstellung. Und die lernt man im Sommer auch draußen kennen: Menschen, die jedoch einen Sommerurlaub in Dänemark geplant haben, sollten nicht verzweifeln, weil sie glauben, sonders „hyggelig“ geht es im Winter und über Weihnachten zu. Denn „Hygge“ ist ganzjährig. Im Sommer bedeutet unter anderem „Hygge“ Picknicks im Park, mit Freunden grillen, Open-Air-Konzerte, Straßenfeste und Radtouren auf dänische Art.

Hygge lernen?

Kann man auch als Deutscher das dänische Lebensgefühl „Hygge“ lernen? Ja, schon ein Urlaub im nördlichen Nachbarland wird die Grundlage für einen „hyggeligen“ Lebensstil sein können. Es ist nicht schwer, sich darauf einzulassen und lernen können wir in Sachen Glück noch sehr viel, immerhin belegen die Deutschen in der Rangliste der glücklichsten Menschen der Welt nur den Platz 13. Sagt der „World Happines Report“ für das Jahr 2022. Das ist zwar gegenüber den Vorjahren eine deutliche Verbesserung, reicht aber immer noch nicht an die Dänen heran, die in diesem Report seit Jahren den ersten Platz belegen.

Hygge im Buch

Sich informieren über Hygge kann man aber auch hier: Der dänische Glücksforscher Meik Wiking hat seine Gedanken über Hygge in gebundener Form als Buch herausgegeben: „Hygge – Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“ ist bei Lübbe erschienen, das Buch kostet 20 Euro.

Hyggelig träumen

Erste Schritte, „Hygge“ für sich selbst zu lernen: Das Buch bei dem gemütlichen Licht vieler Kerzen in einer Hyggekrog – einer besonders gemütlichen Ecke im Wohnzimmer – mit einem schönen Glas Rotwein lesen – und vielleicht vom Urlaub im hyggeligen Dänemark träumen . . .

Zwischen Genuss und Aussicht

Die schwere Entscheidung am Wildseelodersee

Manchmal ist es wirklich schwer, eine Entscheidung zu treffen. Besonders dann, wenn beide Möglichkeiten, die man hat, nur Positives bringen. In diesem Fall geht es auf der einen Seite um den Genuss für den Magen, auf der anderen um den Genuss für die Augen – wobei es im späteren Verlauf auch für den für den Magen gehen kann. Der Ort dieser schweren Entscheidung: der Wildseelodersee oberhalb von Fieberbrunn.

In der Tourist Information Fieberbrunn hilft man zumindest ein bisschen bei der Entscheidungsfindung: „Wenn ihr mit der Lärchfilzkogelbahn rauffahrt zur Gipfelstation, dann habt ihr bis zum Wildseelodersee gut eine Stunde Zeit, um darüber nachzudenken, ob ihr den Genuss für den Magen, oder den für die Augen haben möchtet.“

Eine Stunde braucht man nämlich, um von der Bergstation aus das Wildseeloderhaus auf gut ausgebauten und recht einfachen Wegen zu erreichen. Und da ist dann eine Entscheidung fällig. Nämlich die, den Tag auf der Terrasse der Hütte zu verbringen, die köstlichen Speisen zu genießen, im (kalten) See zu baden oder eventuell sogar eine Tour mit dem Kahn auf dem See auf 1847 Metern zu machen. Oder die, gleich unterhalb der Hütte am Seeufer nach rechts abzubiegen und dem Weg zu folgen, den man von dort schon recht gut am steilen Hang sehen kann.

Da nämlich beginnt der Genuss für die Augen, das Ziel hat man schnell im Blick: Der Gipfel des 2119 Meter hohen Wildseeloder liegt gut 300 Meter oberhalb der Hütte, man braucht etwa 45 Minuten, um ihn zu erreichen. Trittsicher sollte man allerdings sein und schwindelfrei auch. Während die Genießer unten an der Hütte sich von der rustikalen Küche in der Hüttel verwöhnen lassen, genießt man vom Wildseeloder den Blick in die faszinierenden Alpenwelt – und auch die umliegenden Gipfel des Bergmassivs, die dazu einladen, auch noch schnell bezwungen zu werden. Was bei der Lage mit nur wenigen Problemen möglich ist, vom Wildseeloder sieht man den Weg, nur die ersten Meter erfordern ein bisschen mehr Vorsicht. Dann geht es – gegen den Uhrzeigersinn – etliche Meter über dem wunderbar gelegenen See in Richtung der Henne, deren 2078 Meter hoher Gipfel nur im oberen Bereich steiniger und steiler wird. Wer vom markanten Gipfelkreuz hinabsieht, hat neben der Alpenwelt auch den See im Blick, der fast in greifbarer Nähe zu liegen scheint.

Fast, weil auf dem Weg ein reizvolles Hinweisschild zum Marocker zeigt: „10 Minuten“ kann man dort lesen, ein einfacher Weg, der nur auf den letzten Metern ein bisschen herausfordernd wird: Für den Anstieg zum 2019 Meter hohen Gipfel wurden zur Sicherheit Stahlseile gespannt, sie sind durchaus hilfreich, der Weg ist nicht ganz einfach – aber gut machbar. Und wieder werden die Gipfelstürmer mit einer faszinierenden Aussicht belohnt, insbesondere das Pillerseetal ist gut einzusehen und auch der Blick in die Region der Leoganger Steinberge wird nicht versperrt.

Was sicherlich dazu führt, dem Genuss für die Augen auch noch den Genuss für den Magen zu gönnen: Bis zum Wildseeloderhaus geht es im wahrsten Sinne des Wortes „nur noch bergab“, ein gutes Stündchen muss man schon rechnen, dann wartet die Terrasse mit einem schönen Bierchen oder anderen Getränken – und mit den vielen Genüssen aus der Küche.

Bliebe am Ende noch der Weg zurück zur Bergstation der Lärchfilzkogelbahn, für den man auch noch etwa eine Stunde veranschlagen sollte.

Etwa fünf Stunden sollte man für die gesamte Tour einplanen, insgesamt 850 Höhenmeter aufwärts sind zu absolvieren, die Meter abwärts natürlich entsprechend. Nicht eingerechnet in die Zeitplanung ist die Pause im Wildseeloderhaus – hier sollte man aber die Uhrzeit im Blick haben, die Lärchfilzkogelbahn startet irgendwann zur letzten Talfahrt.

Ach ja: Henne und Marocker – auch als Marokka bezeichnet – kann man auch ein bisschen alpinistischer erobern: An beiden Gipfeln gibt es Klettersteige, sie sind als mittelschwer eingestuft und sollten nur mit entsprechender Klettersteigausrüstung begangen werden.

Wandern unter der Eiger Nordwand

Eine Bergwanderung von Meiringen nach Gsteig bei Gstaad: Wer den Bärentreck in der Schweiz geht, hat nicht nur oft die Eiger Nordwand im Blick, der Weg bietet auch einzigartige Einblicke in die Bergwelt des Berner Oberlandes. Um all das genießen zu können, muss man schon fit sein und Ausdauer haben: Vor den Bergwanderern liegen etwa 14 Wandertage, etwa 200 Kilometer Strecke und weit über 12000 Höhenmeter. Der Bärentrek ist Teil der Via Alpina 1, die als 390 Kilometer lange Route die Schweiz von Ost nach West durchquert. Sie beginnt in Vaduz in Liechtenstein und endet in Montreaux in der Schweiz.

Man benötigt nur wenig. Ein Rucksack mit möglichst leichten (und wetterfesten) Klamotten, solide Bergschuhe und den festen Willen, eine der schönsten Bergwanderungen zu absolvieren, die das Berner Oberland in der Schweiz zu bieten hat: Der Bärentreck führt in mehreren Etappen durch die Bergwelt, die Eiger Nordwand zeigt sich dabei immer wieder, ein Stück des Weges ist sie direkt oberhalb des fast immer sehr gut markierten Wanderweges zu sehen.

Ein schöner Startplatz ist Hasliberg bei Meiringen, von dort gelangt man zu den Reichenbachfällen, den Wasserfällen, an denen der Schriftsteller Conan Doyle beschloss, Sherlock Holmes im Kampf mit Erzfeind Prof. Moriarty in die Fluten abstürzen und sterben zu lassen.

Über die Schwarzwaldalp geht der Weg nach Mürren, von dort lohnt der Abstecher auf den Schilthorn machen. Auch dieser Berg spielte eine Filmrolle: James Bond jagte dort im Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ einen Verbrecher.

Wieder auf dem Bärentrek sind die Gspaltenhornhütte und die Bluemlisalp die Ziele, bevor es über Kandersteg zur Engstligenalp zum Berghaus Iffigenalp geht. Dieses sehenswerte Berghaus präsentiert sich im Stil einer Unterkunft aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Einmal führt der Weg noch zur Geltenhütte bevor er hinab nach Gsteig, dem Zielort des Bärentrek, führt.

Die einzelnen Tagesetappen des Bärentrek sind in fünf- bis achtstündigen Wanderungen mit Streckenlängen zwischen zehn und 25 Kilometern zu schaffen, Übernachtet wurde meist in einfachen Berghütten, in verschiedenen Orten auf der eindrucksvollen Strecke wurde natürlich auch den Komfort der Hotels genutzt, auch die unbedingt wichtigen Ruhetage wurden im Hotel verbracht.

Wer den Bärentreck gehen will, der sollte rechtzeitig planen und die Übernachtungen in den Hütten im Vorwege buchen. Die Hütten sind meist per Mail zu erreichen. Informationen über den Bärentreck gibt es in Wanderführern und im Internet. Wissenswertes über die Region findet man unter www.myjungfrau.ch

„Edelsteine“ im Nationalpark

Das Seeplateau von Macun im Engadin als Wanderziel

Mit 23 Karseen ein Naturschauspiel besonderer Art: Wer das Seenplateau von Macun im Engadin besucht, entdeckt im Schweizer Nationalpark eine außergewöhnliche Landschaft.

Das Seenplateau von Macun im Engadin ist eine Bergtour wert: Wer von Zernez aus über den Munt Baselgia wandert, der entdeckt „kleine Edelsteine“ im Schweizer Nationalpark. So wirken die 23 kleinen Karseen, die man vom Gipfel des 2 945 Meter hohen Berges aus schon sehen kann.

Drachensage

Sagenumwoben sind die Macun-Seen: Man sagt, im Lai Grond – mit 1,5 ha der größte Karsee – soll einst ein fürchterlicher Drache gehaust haben, der Rinder gefangen und in die Seen hinuntergerissen hat. Wenn Menschen den Drachen gesehen haben, seien sie verschreckt davongelaufen – heißt es zumindest.

Heute sorgt man sich nicht mehr um den Drachen, man ist begeistert vom kristallinen Gestein und von seltenen Pflanzenarten in den Felsen rund um die Macun-Seen. Mit Glück hat dort auch Steinböcke und Gämsen beobachten. Die Steinböcke sorgten übrigens für den Namen der 23 Karseen: Macun der rätoromanische Name für das Alpentier.

Um die auf 2600 Metern Höhe liegenden Karseen zu erreichen, kann man für das erste Stück des Anstieges übrigens das Nationalpark-Taxi nutzen, das Wanderer vom Bahnhof in Zernez aus zum Startplatz der Tour am Plan Sech auf 2200 Meter fährt. Die Zeitersparnis liegt bei über zwei Stunden, die für den Aufstieg über Forstwege nötig wären. Trotz Nationalpark-Taxi wartet dann aber noch eine über sechsstündige Wanderung, will man über den Gipfel des 2945 Meter hohen Munt Baselgia und das Seenplateau nach Lavin im Inntal.

Vom Seenplateau der Macun-Seen hat man einen wunderbaren Blick auf die Gipfel von Piz Fiorna, Piz Buin und der Dreiländerspitze. Zurück zum Ausgangspunkt kommt man von Lavin aus mit der Rhätischen Bahn nach Zernes, dem Ausgangspunkt der Tour zu den „Edelsteinen“ im Nationalpark.

Lissabon – quirlige Stadt am Tejo

Lissabon eignet sich für einen Kurzurlaub: Das Wetter bei uns im Norden lädt oft nur die richtig Hartgesottenen ein zum Verweilen. Viele Menschen zieht es in die Reisebüros oder auf die Reiseportale, sie suchen Plätze, an denen die Sonne scheint und die schnell erreichbar sind. Wie wäre es da mit einem Kurztrip in die portugiesische Hauptstadt Lissabon.

Es ist eine quirlige Stadt am Mündungsdelta des Tejo, dem Fluss an dessen Ufer viele Entdecker ihre Reise in die neue Welt starteten. Lissabon scheint nie zu schlafen, wenn man hier ins Bett geht, dann erwacht dort das Leben.

Neben den typischen touristischen Zielen am Hafen und der Altstadt rund um den weltberühmten Elevator de Santa Justa, der Alfama und dem Chiado lohnt sich der Blick abseits der „Touri-Rennstrecken“: In verwinkelten kleinen Gässchen finden all jene, die das echte portugiesische Leben entdecken möchten, alte Kneipen, in denen bis in die Nacht die markanten Stimmen der Fado-Sängerinnen zu hören sind. Ein Tipp zur Suche: Dort, wo die Speise- und Getränkekarten nur auf Portugiesisch aushängen, liegt man nicht verkehrt.

Der 45 Meter hohe Elevator de Santa Justa verbindet übrigens im Stadtzentrum von Lissabon den Stadtteil Baixa mit dem höher gelegenen Stadtteil Chiado. Nach den Plänen des Ingenieurs Raoul Mesnier de Ponsard wurde die markante Konstruktion 1902 errichtet. Raoul Mesnier de Ponsard war Schüler von Gustav Eiffel, der den nach ihm benannten Eiffelturm in Paris errichtet hatte. Die beiden Kabinen des Elevador de Santa Justa sind original mit Holz und Scheiben mit Messingbeschlägen versehen. Über dem oberen Ausgang, von dem man über eine stählerne Brücke nach Chiado gelang, kann man die noch im Original erhaltenen Liftmaschinen sehen, die 1907 die Dampfmaschine ersetzten, die bis dahin den Aufzug betrieben haben. Ein Stockwerk darüber befindet sich ein Cafe mit Ausblick auf Lissabon.

Unbedingt probieren: Den berühmten Kirschlikör Ginjinha gibt es in winzig kleinen Stehkneipen, die meist am Abend öffnen. Tagsüber erkennt man sie am klebrigen Fußboden vor der Kneipe . . .

Geheimtipps erfährt man häufig von den Straßenbahnfahrern bei ihren abenteuerlich anmutenden Touren über gewagte Steigungen und durch Gassen, an denen niemand vorbeikommt, wenn sie von der Bahn durchfahren werden.

Apropos Straßenbahnen: Mit ihnen eine Stadtrundfahrt zu machen, ist interessanter und günstiger als mit touristischen Unternehmen. Und wenn man dabei das Glück hat, ganz vorne im Wagen zu sitzen, dann erlebt man Lissabon aus einer ganz besonderen Perspektive.

Interessantes Ziel: Der Parque das Nações – der Park der Nationen – ist in Lissabon zu einem lebendigen Stadtteil geworden. Dort, wo vor der Expo im Jahr 1998 Industriebetriebe beheimatet waren, entstand ein Messegelände, dessen Gebäude zum großen Teil noch heute erhalten sind und genutzt werden. Dort gibt es auch das Einkaufszentrum „Centro Vasco da Gama“ mit seinen gläsernen Übergängen. Wenige Meter entfernt an der Rossio dos Olivias werden die Fahnen aller an der Expo beteiligten Länder präsentiert.

Sehenswert auch eine Brücke, über die man nicht gehen, sondern nur fahren kann: Die Ponte Vasco da Gama ist mit einer Länge von 17 Kilometern die längste Brücke Europas. Die Ponte Vasco da Gama überspannt den Tejo und wurde anlässlich der Expo gebaut.

Venedig – Stadt für Genießer

Pulsierendes Leben, stille Gassen und ständiger Betrieb auf den Kanälen

„Benvenuto in Venezia“ „Herzlich willkommen in Venedig!“ Der Urlaub in der Lagunenstadt fängt ruhig an: Vom Parkhaus am Rande der Stadt geht es mit der alten Barkasse der Linie 1 durch den Canale Grande – gemütlich, wie vieles andere auch in dieser Stadt, die auch als Stadt der Liebenden bezeichnet wird.

Dabei ist Venedig alles andere als ein ruhiges Städtchen in der Lagune an der nördlichen Adria-Küste. Es ist eine Stadt mit pulsierendem Leben, mit Hektik ganz besonders in den Morgenstunden, wenn Märkte mit Booten beliefert werden, wenn Händler ihre Waren per Schiff bekommen, die Post mit Barkassen ausgefahren wird und Fußgänger mit den „traghetto“ – den „Gondeln für Arme“ – von einer Seite des Canale Grande mit wenigen Ruderschlägen zum anderen Ufer hinübergerudert werden.

Venedig ist aber auch ruhig und romantisch: Liebende und Touristen lassen sich in Gondeln durch die vielen Kanäle fahren, sie unterqueren unzählige Brücken auf denen Fußbänger beim Bummel durch enge und romantische Gassen dem Treiben auf dem Wasser zusehen.

Und dort ist immer etwas los, denn das gesamte verkehrstechnische Leben spielt sich bekanntermaßen auf dem Wasser ab, ohne Schiffe, Barkassen, Boote und natürlich Gondeln läuft in der Lagunenstadt gar nichts. Die Kanäle sind die Lebensadern der Stadt, sie sind Versorgungs- und Rettungswege, dienen der Beförderung von Menschen und Lasten. Auf ihnen fahren die (sehr teuren) Taxiboote, es ertönt das Martinshorn und man sieht Blaulicht, wenn die schnellen Boote der Polizei, des Roten Kreuzes oder der Feuerwehr durch „Straßen“ in der Lagune rasen.

Venedig ist aber auch eine Stadt der Fußgänger: Unzählige Gässchen, die mit Brücken die Kanäle überqueren, durchkreuzen die Stadt, sie laden ein zu Touren, auf denen man hinter jeder Ecke neue, wunderbare und verträumte Winkel entdecken kann. Autos hingegen sucht man (fast) vergeblich, nur wenige Teile der Stadt sind mit ihnen zu erreichen.

Für Menschen, die mit Kamera, Leinwand, Staffelei und Farbe, mit Block und Bleistift unterwegs sind, wird Venedig zur Stadt der neu entdeckten Langsamkeit, denn die Zahl der Motive, die man festhalten möchte, nimmt mit jedem Meter, mit jeder Ecke, um die man biegt, zu. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, ob bei Sonnenschein oder Mondlicht, bei Nebel oder Regen: Wer in Venedig auf Motivsuche geht, wird immer fündig.

Venedig aber muss man selbst erleben, muss mitten drin sein im pulsierenden Leben in den Morgenstunden, der mittäglichen Ruhe, wenn die Caféhäuser voll und die Straßen leer sind, muss dabei sein, wen sich in den Abendstunden die Restaurants und Bistros füllen. Aber Vorsicht: Will man Venedig wirklich genießen, dann sollte man weggehen von den ausgetretenen Touristenpfaden, rein in die Stadtteile, in denen sich nur wenige Besucher der Lagunenstadt verirren. Dort ist Venedig noch schöner, dort ist das Essen und der Wein bezahlbar. Je dichter man an den Piazza San Marco mit dem Palazzo Ducale und der Basilica di San Marco herankommt, desto teurer wird das Leben, im ältesten Caféhaus der Stadt, dem „Café Florian“ kostet der einfache Kaffee schon einmal 6,50 Euro. Aber man muss es einmal gemacht haben – dort zu sitzen, wo all jene sich aufhalten, die gerne einmal gesehen werden wollen. Und das ist im „Café Florian“ garantiert. Man muss es einfach sehen und erlebt haben.

Genauso, wie die Fahrten mit den Linienbarkassen, die wie Busse durch die Kanäle fahren. Mit ihnen eine Fahrt auf dem Canale Grande ist fast genauso reizvoll, wie eine Fahrt mit der Gondel durch die vielen kleinen Kanäle, die von ihm abzweigen und die Stadt wie Straßen durchziehen.

Die optimale Reisezeit? Richtig genießen kann man die Ruhe im Frühjahr, Herbst und Winter. Im Sommer ist die Stadt überlaufen, zum Karneval sollte man wirklich nur fahren, wenn man ihn unbedingt einmal live sehen möchte. Es ist etwas Besonderes, wenn die Masken durch die Gassen schreiten, mit ihnen aber strömen auch Zigtausende von Touristen durch Venedig. Und übernachten in der Lagunenstadt? Zahlreiche Hotels aller Preiskategorien warten auf die Besucher, für jeden Geschmack wird etwas geboten.