Der Großvenediger ist auch über 180 Jahre nach der Erstbesteigung ein beliebtes Ziel

Er gehört zu den beliebtesten Gipfeln in den Alpen: Der 3.657 Meter hohe Großvenediger wurde 1841 erstmals bestiegen und ist immer wieder Ziel vieler Bergfreunde, die auf verschiedenen Routen den Gipfel erreichen wollen. Ich habe mich von Neukirchen am Großvenediger über die Kürsinger Hütte auf den Weg gemacht.
Es war der 3. September des Jahres 1841: Dr. Anton von Ruthner und 26 weitere Bergsteiger machten sich von Neukirchen aus auf, um einen Gipfel zu erklimmen, den man schon lange die „weltalte Majestät“ nannte. Der 3666 Meter hohe Großvenediger war das Ziel.
Auch über 180 Jahre später machen sich immer wieder Bergsteiger auf, um den Spuren der Erstbesteiger zu folgen, um wie die einen „Gipfelsieg“ zu feiern. Ihr Weg zum Gipfel allerdings ist längst nicht so schwierig wie der, den die Erstbesteiger gehen mussten: Der Gletscher, den man 1841 auf dem Weg zum Gipfel schnell erreicht hatte, ist weit zurückgegangen – eine unübersehbare Folge des Klimawandels. Und während die Erstbesteiger noch in einem Stall übernachten mussten, um sich am nächsten Tag zum Gipfelaufstieg auf den Weg zu machen, ist heute die Kürsinger Hütte, benannt nach einem der Erstbesteiger, Ausgangspunkt für den Weg zum Gipfel, zu dem man aber trotzdem noch einen fünfstündigen Weg vor sich hat.

Nach einer Übernachtung in der Hütte geht es in den sehr frühen Morgenstunden auf den Weg. Der erfordert aber noch immer eine gute Kondition, denn von der Hütte bis zum Gipfel liegen über 1200 Höhenmeter vor den Berggängern, die den größten Teil der Bergtour über den Gletscher und die Schneefelder gehen müssen. Nur das erste Stück, das meist in der morgendlichen Dunkelheit mit der Stirnlampe beleuchtet werden muss, führt über Fels. Der Weg zum Gipfel ist übrigens einfacher geworden: Eine breite Gletscherspalte, die noch vor einigen Jahren nur mit einer auf zwölf Meter Länge zusammengesetzte Leiter überquert werden konnte, ist verschwunden, die Route führt nun an schmalen Gletscherspalten vorbei, einige Male müssen sie mit einem etwas größeren Schritt überwunden werden. Geblieben ist der Gipfelgrat, der noch immer Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Und geblieben ist auch der faszinierende Blick auf die vielen 3.000er, die rund um „die weltalte Majestät“ zu sehen sind. Verstehen kann man dort auch, warum Anton von Ruthner so begeistert war von dem Gipfel, den man übrigens vom Wildkogel, dem „Hausberg“ der Region sehr gut sehen kann.
Woher der Großvenediger seinen Namen hat, ist noch immer nicht geklärt, vermutlich waren es Händler aus der italienischen Region Venetien, die im 18. Jahrhundert auf ihren Reisen nach Norden für den Namen sorgten. Erstmals erwähnt wurde der Name aber schon 1797, vorher wurde der Gipfel als Stützerkopf bezeichnet. Venedig selbst war an der Namensgebung nicht beteiligt und sehen kann man die Stadt vom Gipfel aus auch nicht.
Der übrigens ist nicht, wie immer wieder gesagt wird, 3.666 Meter hoch, der Großvenediger erreicht „nur“ 3.657 Meter – und ist trotzdem faszinierend.
Veranschlagen sollte man für die Gipfeltour von der Kürsinger Hütte zum Großvenediger mindestens acht Stunden, die Gesamtstrecke beträgt etwa 14 Kilometer, im Auf- und im Abstieg sind etwa 1.220 Höhenmeter zu bewältigen. Steigeisen, Pickel oder Stöcke und Seil sind unbedingt erforderlich. Unbedingt empfehlenswert ist es, die Tour mit einem Bergführer zu machen. In Neukirchen am Großvenediger haben sie ihr Büro. Eine gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind absolute Voraussetzungen für den Weg aus „die alte Majestät“.
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