Ihr habt Bergerfahrung und den Gedanken, einmal ein besonderes Abenteuer zu erleben? Wie wäre es mit der Besteigung des Piz Buin, der im Dreiländereck Voralberg, Tirol und Graubünden schon seit weit über 150 Jahren Ziel von Bergsteigern ist? 1865 wurde der Gipfel erstmals bestiegen, 1938 gab er einer Sonnencreme den Namen.

„Piz Buin? Das ist doch eine ganz bekannte Sonnencreme“, hört man nicht nur im Montafon von vielen, die man fragt, womit dieser Name verbunden ist. So ganz Unrecht haben die Befragten mit ihrer Antwort „Eine Sonnencreme“ ja auch nicht, immerhin hat ja der österreichische Chemiestudent Franz Greiter die Sonnencreme bereits 1938 in seinem kleinen Labor im Haus seiner Eltern entwickelt. Der Grund dieser Entwicklung ist aber mit dem dem Produkt den Namen gebenden Piz Buin untrennbar verbunden: Greiter holte sich bei seinem Besuch des Piz Buin einen schlimmen Sonnenbrand. Er hatte den Berg, der diesen Namen trägt, bestiegen – ohne den notwendigen Sonnenschutz, dem er später den Namen des Berges im Dreiländereck Vorarlberg, Tirol und dem Engadin gab.

Der Piz Buin ist also weit mehr als eine Sonnencreme, er ist ein beliebtes Ziel für Bergfreunde. Mit seinen 3312 Metern gehört er zu den „mittelschweren“ Gipfeln in den Alpen, er übt aber schon lange seinen Reiz auf sie aus – und das seit weit mehr als 150 Jahren. So auch auf die Alpinisten Johann Jakob Weilenmann aus St. Gallen und Josef Anton Specht aus Wien, die am 14. Juli 1865 erstmals mit ihren Tiroler Führern Franz Pöll aus Mathon und Jakob Pfitscher aus dem Passeiertal von der Bielerhöhe im Montafon auf den Gipfel aufstiegen.
Ihnen folgten etliche Bergsteiger, von denen viele auf dem Weg der Erstbesteiger von der Bieler Höhe den Weg begannen. Anders als die Erstbesteiger machen die Bergfreunde von heute meist Pause in der Wiesbadener Hütte, um sich dann am frühen Morgen auf den recht anstrengenden Weg zum Gipfel zu machen. Anders als die Erstbesteiger, die über den Vermuntgletscher aufgestiegen sind, gehen sie über den spaltenreichen Ochsentaler Gletscher. Diese Route wurde inzwischen aufgrund des fortwährenden Gletscherrückgangs und der damit verbundenen Steinschlaggefahr in den letzten Jahren zum Normalweg, der sich allerdings ständig verändert hat. Sehr gute Kenntnisse des Gletschers sind da wichtig, man sollte sich also auf das Wissen der Montafoner Bergführer verlassen. Und das nicht nur wegen des Weges über den Gletscher, sondern auch, weil Kletterei bis zur Schwierigkeit II auf die Gipfelstürmer wartet.
Die Route führt die Gipfelstürmer über den Gletscher in die Buin-Lücke auf 3054 Metern zwischen dem Kleinen Piz Buin (3255 Meter) und dem 3312 Meter hohen Großen Piz Buin. Hier beginnt der stellenweise stark ansteigende und ausgesetzte Weg über die Nord-West-Flanke zum kurzen Kamin, den es im II. Grad (nach UIAA-Skala) zu bewältigen gilt. Die relativ einfache Kletterei kann bei Bedarf an angebrachten Bohrhaken gesichert werden kann, es empfiehlt sich aber der Aufstieg in einer sicheren Seilschaft.

Wer die spannende Schlüsselstelle hinter sich gebracht hat, wird bei gutem Wetter vom 2012 neu aufgestellten Gipfelkreuz belohnt mit dem Panoramablick über hunderte Gletscher, vom Dom im Wallis über die Berner Alpen im Westen bis zu den Ötztaler Gipfeln im Osten, in das Schweizer Engadin nach Süden oder in das Montafon noch Nordwesten.
Wer diesen Blick genießt, der versteht auch die Begeisterung von Erstbesteiger Jakob Weilenmann, die er am 14. Juli 1865 niederschrieb und nachfolgenden Bergsteigern am „Steinmännli“ am Piz Buin in einer Flasche verpackt hinterließ: „Das Auge schwelgt im Anblick der rings am Himmelssaum funkelnden Firne, das Herz fühlt sich ergriffen von der feierlichen Stimmung, die durch den unermesslichen Raum weht.“

Dem gibt es auch für mich, der den Blick vom Gipfel des Piz Buin schon zweimal genießen durfte, nichts hinzuzufügen . . .
Der Name
Die Namen der beiden Gipfel haben übrigens rätoromanische Ursprünge: „Piz Buin“ bedeutet „Ochsenspitze“, der rätoromanischen Originalname ist „Piz Buin Grond“ (Großer Piz Buin), der Kleine Piz Buin heißt „Piz Buin Pitschen“.
Infos
Auch wenn die Besteigung des Piz Buin als „mittelschwer“ bezeichnet wird: Alpine Erfahrung ist Voraussetzung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Bedingung. Für den Aufstieg von der Wiesbadener Hütte bis zum Gipfel muss man mit viereinhalb Stunden rechnen, für den Abstieg kommen etwa drei Stunden hinzu.
Die Besteigung des 3 312 Meter hohen Piz Buin sollte mit einem Bergführer gemacht werden. http://www.montafon.at, http://www.montafon.bergfuehrer.at