Zwischen Schären und Gipfelkreuz

Natur, Kultur und malerische Orte in der Vesttelemark

Ein idyllisches Fleckchen ist der Hafen von Langesund

Die Telemark ist vielseitig, Kenner bezeichnen sie gerne als „Miniaturausgabe Norwegens“. Womit sie recht haben, denn hier werden fast alle Landschaften Norwegens eindrucksvoll präsentiert: Schären und Fjorde sind da, es gibt riesige Wälder und selbst hohe Gipfel sind vertreten.

Norwegen, Land der Fjorde, der Wälder, der gewaltigen Berge und der Gletscher. Wer das Land entdecken möchte, der sollte Zeit einplanen, denn das Land ist mit bis zu 430 Kilometern zwar schmal, mit 1.752 Kilometern aber auch sehr lang. Wer Norwegen aber in kurzer Zeit und mit kurzen Wegen entdecken möchte, der kann das in der westlich von Oslo gelegenen Telemark. Die Telemark wird gerne als „Miniaturausgabe Norwegens“ bezeichnet, zwischen Fjorden und Schären und den Gipfelkreuzen liegen nur wenige Kilometer. Malerische Orte an den Fjorden und in den Bergen sind das ganze Jahr über Ziel der Gäste, idyllisch gelegene Hütten an den Bergseen wollen entdeckt werden. Kleine Städte mit Theatern und Museen sind Ziel von Kulturinteressierten und jede Menge Technik gibt Einblicke in alte Arbeitsweisen. Auf Naturfreunde warten von durch die UNESCO geschützte Biosphärenreservate und Gipfelkreuze auf recht hohen Bergen.

Gaustatoppen

Das höchste Gipfelkreuz der Telemark steht 1883 Meter über dem Meer auf dem Gaustatoppen. Den erklimmen alljährlich über 40.000 Menschen. Sie haben bei guter Sicht den Blick fast ein Sechstel Norwegens. Verschiedene Wege führen auf den Gipfel, unterschiedlichste Schwierigkeitsgrade warten auf die Wanderer und Berggeher. Wer es bequemer haben möchte, der nutzt die Gaustabahn, die im Inneren des Berges die Besucher in wenigen Minuten fast bis auf den Gipfel bringt. Das, was einst unter strengster Geheimhaltung für militärische Zwecke in den Berg gebaut wurde, ist heute eine Touristenattraktion. Und was heute in der Nähe des Gipfels als Radiostation dient, wird schon bald als Museum und Hotelanlage umfunktioniert.

Veneli Turområde

Nicht ganz so hoch hinaus geht es in der Veneli Turområde in einer traumhaften Umgebung. Die Veneli Turområde ist durchzogen von einem Netz von wunderbaren Wanderwegen, von denen einige sogar ein bisschen Ausdauer und Trittsicherheit erfordern. Wer sie aber gemeistert hat, der wird belohnt mit fantastischen Aussichten auf die spannende Berg- und Seenlandschaft der Telemark.

Sabotørstien

Freunde alter Technik und geschichtlich interessierte Telemark-Besucher sollten Vermork besuchen. Im norwegischen Industriearbeitermuseum – es ist als UNESCO Weltkulturerbe eingestuft – wird nicht nur das alte Wasserkraftwerk mit den riesigen, vom Berg herab führende Wasserleitungen gezeigt, dort geht es auch um das „schwere Wasser“ mit dem Adolf Hitler im zweiten Weltkrieg eine Atombombe bauen wollte. Norwegische Widerstandskämpfer wollten dieses Vorhaben sabotieren, auf ihren Wegen kann man heute wandern: Die „Sabotørstien“ – die „Saboteurswege“ – gehören zu einem Netz von unzähligen Wanderwegen, die die Telemark durchziehen. Und weil Saboteure nicht unbedingt den direkten Weg wählen, sind Teile dieses Weges ziemlich ausgesetzt, einige sollte man nicht ohne ortkündige Führer gehen.

Skigeschichte

Auf die Spuren der sportlichen Geschichte Norwegens begeben kann man sich in Øverbø, dem Geburtstort von Sondre Norheim, der als „Vater des modernen Skisports“ gilt und der dafür sorgte, dass die Telemark als „Wiege des modernen Skisports“ bezeichnet wird. Im Skimuseum Morgedal wird seine Geschichte erzählt, es wird aber auch die Geschichte des Skis von der Steinzeit bis heute mit vielen Darstellungen und Ausstellungsstücken gezeigt. Dazu gibt es Ausstellungsräume, in denen von norwegischen Expeditionen in die Arktis und Antarktis berichtet wird.

Langesund

Wer es lieber beschaulich mag, der entdeckt in der Telemark Orte, die voller Fotomotive sind. Zum Beispiel Langesund: Zur Stadt am gleichnamigen Fjord führen etliche Wanderwege, die durch ein Biosphärenreservat führen. Auch das Hotel Langesund Bad, das man von den Badestellen aus über viele Brücken erreichen kann, ist einen Besuch wert. Unter anderem wichtige Politiker und der Künstler Edvard Munch nutzten das Haus für Aufenthalte. Die Stadt selbst, erstmals 1765 erwähnt, ist ein Kleinod besonderer Art: Im Zentrum befinden sich etliche sehr gut erhaltene alte Gebäude. Auch der Hafen ist sehenswert, vornehmlich Sportboote, aber auch viele Frachtschiffe sind hier zu sehen.

INFOS

www.visitnorway.de

www.visittelemark.com

www.vest-telemark.museum.no

Erst mal nach Norden . . . In Grenen ist Dänemark zu Ende

Schon mal am Ende der Welt gewesen? Klar, gibt es nicht. Aber man kann ans Ende von Dänemark gehen und dabei noch eine Besonderheit entdecken: Vor Grenen treffen Nordsee und Ostsee zusammen. Und wenn das Wetter mitspielt, kann man es auch in den Wellen und in der Wasserfarbe erkennen.

„Na, wohin fährst Du?“ „Erst mal nach Norden und dann immer geradeaus!“ Das Ziel der Tour kann dann zum Beispiel Dänemark sein, man muss sich aber darauf einrichten, dass nach ungefähr 500 Kilometern die Reise beendet ist, denn nördlich von Grenen ganz in der Nähe der Hafenstadt Frederikshavn geht es nicht weiter, die Straße endet auf einem großen Parkplatz. Wer trotzdem weiterfahren möchte, der muss vom Auto in den „Sandormen“ – den „Wattwurm“ – umsteigen und mit ihm an das Ende von Dänemark fahren. Der Trecker mit seinem großen Passagieranhänger bringt die bequemen Gäste in wenigen Minuten zum Ziel, die Fußgänger machen sich am Strand oder durch die Dünen auf dem Weg, um an das Ende zu kommen.

Dorthin, wo sich Nordsee und Ostsee – genauer Skagerak (Nordsee) und Kattegat (Ostsee) – treffen. Weiter geht es nicht, für Reisende, die es noch weiter nach Norden zieht, bleibt nur der Seeweg vom nahen Frederikshavn und vom etwas weiter südwestlich gelegenen Hafen Hirtshals.

Aber unzählige Menschen sind mit dem Ort, bei dem das Zusammentreffen beider Meere bei passendem Wetter deutlich erkennbar ist, zufrieden. Erkennbar an den Wellen, die aus westlicher Richtung (Nordsee) und aus östlicher Richtung (Ostsee) kommend aufeinandertreffen. Erkennbar auch an der unterschiedlichen Wasserfärbung. Die sieht man besonders dann, wenn man sich in das Wasser begibt und die Füße zeitgleich in Nord- und Ostsee hält.

Nach (oder vor) dem Besuch am Ende von Dänemark lohnt der Besuch der Hafenstadt Frederikshavn, dem größten Fischereihafen Dänemarks und einem der wichtigsten Handelshäfen des Nachbarlandes. Die Stadt, in der die meist gelben Häuser das Bild prägen, bietet viele Einkaufsmöglichkeiten und insbesondere am Hafen interessante gastronomische Betriebe, sie ist aber auch als Kulturstadt und Stadt der Kunst bekannt.

Und die Umgebung in Dänemarks Region Nordjütland lädt ein zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren. Für letztgenannte muss man noch nicht einmal ein eigenes Bike mitbringen, zahlreiche Fahrradvermieter bieten Räder für stunden-, tage- oder wochenweise Anmietung an.

Infos

http://www.visitdenmark.de

Læsø – Tangdächer, Salzsieden und Schwimmen in der Kirche

Eine kleine Insel bietet viele einzigartige Besonderheiten

Dächer, die irgendwie an die Frisuren der Beatles erinnern, gibt es nur auf Læsø

Statiker in deutschen Bauämtern würden vermutlich in Panik geraten, wenn ein Bauherr mit dem Wunsch käme, das Dach seines Hauses zu decken, wie er es auf der dänischen Insel Læsø gesehen hat: Auf der Insel, östlich der Nordjüdländischen Hafenstadt Frederikshavn gelegen, gibt es die Häuser, die irgendwie an die Pilzköpfe der Beatles erinnern.

Die Tangdächer sind etliche Tonnen schwer

Die Häuser sind allerdings deutlich älter als die Beatgruppe, die einstmals ihre Fans begeisterten: Auf gute 200 bis 300 Jahre bringen es etliche der noch erhaltenen Häuser. Und ihre Dächer sind mit Tang gedeckt, dem Pflanzenmaterial, dass man in der Ostsee unweit der kleinen, aber sehenswerten Insel im Kattegat erntet. Nicht mehr so, wie es die alten Dänen taten, heute werden moderne „Erntemaschinen“ eingesetzt. Das Handwerk indes ist geblieben, wenn auch für das Aufwickeln der Tangstränge von Dachdecker Henning Johannsen inzwischen eine Bohrmaschine genutzt wird. Und die Dachkonstruktion wird nicht mehr aus alten Schiffsmasten oder dem Material alter Schiffe gebaut, Dachlatten moderner Fertigung tragen das Material. Eine verdammt lange Zeit, immerhin gibt es noch Tangdächer, die über 200 Jahre alt sind. Und die Konstruktion muss viel verkraften, denn so ein Tangdach bringt es auf ein Gewicht von zum Teil weit über 50 Tonnen – im trockenen Zustand, bei Regen liegt ein deutlich höheres Gewicht auf den Sparren.

Dachdecker Henning Johannsen kümmert sich inzwischen um den Erhalt und die Neueindeckung der Tangdächer

Das, was damals von der mittellosen Inselbevölkerung als einzige Möglichkeit genutzt wurde, um die Dächer zu decken, ist ein heute wertvolles und geschütztes Kulturerbe, die Zahl der Häuser mit den „Pilzköpfen“ wächst wieder an – gefördert durch verschiedene Stiftungen. Inzwischen sind zehn Häuser auf der „Tanghusruten“ – der Tanghausroute – rund im Gammel Østerby am nordöstlichen Ende der kleinen Insel im Kasttegat zu sehen. Einige der liebevoll restaurierten Häuser können sogar besichtigt werden.

Aber nicht nur die Häuser mit den „Pilzköpfen“ machen die kleine Insel Læsø zu einem sehens- und liebenswertem Ziel im Kattegat: am Südende der Insel wird bei Storhaven ein weiteres Handwerk präsentiert, mit dem Læsø einstmals ein wenig Reichtum direkt aus dem Kattegat „ernten“ konnte: In der alten Saltsyderne – der alten Salzsiederei – sieht man, wie dem Meerwasser das „weiße  Gold“ in großen Pfannen mittels Hitze abgenommen wird. Und natürlich kann man dieses Salz probieren und den einzigartigen Geschmack genießen. Das Salz aus der Saltsyderne wird übrigens nicht mehr in den einstmals großen Mengen produziert, es ist aber ein nicht nur bei internationalen Köchen beliebtes Gewürz, das seine Fans nicht nur auf Læsø hat.

In der alten Saltsyderne wird auf alte Art Salz gewonnen.

Wenn man schon an der Læsø Halt macht, dann sollte man auch mit der Pferdekutsche dorthin fahren, wo die Salzsieder das Material „ernten“: Auf dem Weg an das Ufer der  Strandwiesen Rønnerne gibt es nicht nur Vögel zu beobachten, man kann auch etliche der riesige Steine sehen, die als besondere Attraktion auf Læsø gelten.

Wenn es schon um Besonderheiten geht: In Byrum in der Mitte Læsøs hat sich Thorvald Hansen 1926 einen Traum erfüllt: Der baute sich einen 17 Meter hohen Aussichtsturm, um einen besseren Überblick über Læsø zu haben. Heute ist der Læsø Tårnet Teil des Læsø Museum.

Die Insel Læsø erreicht man in einer etwa 90-minütigen Fahrt mit der Fähre von Frederikshavn. Und schon kurz nach der Ankunft in Vesterø Havn fällt dem Besucher der Insel eine Kirche ins Auge. Bei näherer Betrachtung allerdings stellt man schnell fest, dass hier nicht mehr Gottes Wort gepredigt wird, unter dem großen Glockenturm dreht es sich um Wellness und den Badespaß: Læsø Kur ist ausgezeichneter Erlebnisort geworden, Entspannung mit Blick auf das Kattegat ist angesagt. Und es begegnet einem das Salz aus der Læsø wieder: In Behandlungen und bei Massagen wird es eingesetzt, schon die Salzbäder sollen besondere Wirkungen haben.

Infos:

www.visitlaesoe.dk

www.tangtag.dk

Piz Buin – alles andere als nur eine Sonnencreme

Ihr habt Bergerfahrung und den Gedanken, einmal ein besonderes Abenteuer zu erleben? Wie wäre es mit der Besteigung des Piz Buin, der im Dreiländereck Voralberg, Tirol und Graubünden schon seit weit über 150 Jahren Ziel von Bergsteigern ist? 1865 wurde der Gipfel erstmals bestiegen, 1938 gab er einer Sonnencreme den Namen.

„Piz Buin? Das ist doch eine ganz bekannte Sonnencreme“, hört man nicht nur im Montafon von vielen, die man fragt, womit dieser Name verbunden ist. So ganz Unrecht haben die Befragten mit ihrer Antwort „Eine Sonnencreme“ ja auch nicht, immerhin hat ja der österreichische Chemiestudent Franz Greiter die Sonnencreme bereits 1938 in seinem kleinen Labor im Haus seiner Eltern entwickelt. Der Grund dieser Entwicklung ist aber mit dem dem Produkt den Namen gebenden Piz Buin untrennbar verbunden: Greiter holte sich bei seinem Besuch des Piz Buin einen schlimmen Sonnenbrand. Er hatte den Berg, der diesen Namen trägt, bestiegen – ohne den notwendigen Sonnenschutz, dem er später den Namen des Berges im Dreiländereck Vorarlberg, Tirol und dem Engadin gab.

Der Piz Buin ist also weit mehr als eine Sonnencreme, er ist ein beliebtes Ziel für Bergfreunde. Mit seinen 3312 Metern gehört er zu den „mittelschweren“ Gipfeln in den Alpen, er übt aber schon lange seinen Reiz auf sie aus – und das seit weit mehr als 150 Jahren. So auch auf die Alpinisten Johann Jakob Weilenmann aus St. Gallen und Josef Anton Specht aus Wien, die am 14. Juli 1865 erstmals mit ihren Tiroler Führern Franz Pöll aus Mathon und Jakob Pfitscher aus dem Passeiertal von der Bielerhöhe im Montafon auf den Gipfel aufstiegen.

Ihnen folgten etliche Bergsteiger, von denen viele auf dem Weg der Erstbesteiger von der Bieler Höhe den Weg begannen. Anders als die Erstbesteiger machen die Bergfreunde von heute meist Pause in der Wiesbadener Hütte, um sich dann am frühen Morgen auf den recht anstrengenden Weg zum Gipfel zu machen. Anders als die Erstbesteiger, die über den Vermuntgletscher aufgestiegen sind, gehen sie über den spaltenreichen Ochsentaler Gletscher. Diese Route wurde inzwischen aufgrund des fortwährenden Gletscherrückgangs und der damit verbundenen Steinschlaggefahr in den letzten Jahren zum Normalweg, der sich allerdings ständig verändert hat. Sehr gute Kenntnisse des Gletschers sind da wichtig, man sollte sich also auf das Wissen der Montafoner Bergführer verlassen. Und das nicht nur wegen des Weges über den Gletscher, sondern auch, weil Kletterei bis zur Schwierigkeit II auf die Gipfelstürmer wartet.

Die Route führt die Gipfelstürmer über den Gletscher in die Buin-Lücke auf 3054 Metern zwischen dem Kleinen Piz Buin (3255 Meter) und dem 3312 Meter hohen Großen Piz Buin. Hier beginnt der stellenweise stark ansteigende und ausgesetzte Weg über die Nord-West-Flanke zum kurzen Kamin, den es im II. Grad (nach UIAA-Skala) zu bewältigen gilt. Die relativ einfache Kletterei kann bei Bedarf an angebrachten Bohrhaken gesichert werden kann, es empfiehlt sich aber der Aufstieg in einer sicheren Seilschaft.

Wer die spannende Schlüsselstelle hinter sich gebracht hat, wird bei gutem Wetter vom 2012 neu aufgestellten Gipfelkreuz belohnt mit dem Panoramablick über hunderte Gletscher, vom Dom im Wallis über die Berner Alpen im Westen bis zu den Ötztaler Gipfeln im Osten, in das Schweizer Engadin nach Süden oder in das Montafon noch Nordwesten.

Wer diesen Blick genießt, der versteht auch die Begeisterung von Erstbesteiger Jakob Weilenmann, die er am 14. Juli 1865 niederschrieb und nachfolgenden Bergsteigern am „Steinmännli“ am Piz Buin in einer Flasche verpackt hinterließ: „Das Auge schwelgt im Anblick der rings am Himmelssaum funkelnden Firne, das Herz fühlt sich ergriffen von der feierlichen Stimmung, die durch den unermesslichen Raum weht.“

Dem gibt es auch für mich, der den Blick vom Gipfel des Piz Buin schon zweimal genießen durfte, nichts hinzuzufügen . . .

Der Name

Die Namen der beiden Gipfel haben übrigens rätoromanische Ursprünge: „Piz Buin“ bedeutet „Ochsenspitze“, der rätoromanischen Originalname ist „Piz Buin Grond“ (Großer Piz Buin), der Kleine Piz Buin heißt „Piz Buin Pitschen“.

Infos

Auch wenn die Besteigung des Piz Buin als „mittelschwer“ bezeichnet wird: Alpine Erfahrung ist Voraussetzung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Bedingung. Für den Aufstieg von der Wiesbadener Hütte bis zum Gipfel muss man mit viereinhalb Stunden rechnen, für den Abstieg kommen etwa drei Stunden hinzu.  

Die Besteigung des 3 312 Meter hohen Piz Buin sollte mit einem Bergführer gemacht werden. http://www.montafon.at, http://www.montafon.bergfuehrer.at

Die geliebte „weltalte Majestät“

Der Großvenediger ist auch über 180 Jahre nach der Erstbesteigung ein beliebtes Ziel

Der Großvenediger (Bildmitte) – hier der Blick aus der Wildkogel-Region – wurde 1841 zum ersten Mal bestiegen

Er gehört zu den beliebtesten Gipfeln in den Alpen: Der 3.657 Meter hohe Großvenediger wurde 1841 erstmals bestiegen und ist immer wieder Ziel vieler Bergfreunde, die auf verschiedenen Routen den Gipfel erreichen wollen. Ich habe mich von Neukirchen am Großvenediger über die Kürsinger Hütte auf den Weg gemacht.

Es war der 3. September des Jahres 1841: Dr. Anton von Ruthner und 26 weitere Bergsteiger machten sich von Neukirchen aus auf, um einen Gipfel zu erklimmen, den man schon lange die „weltalte Majestät“ nannte. Der 3666 Meter hohe Großvenediger war das Ziel.

Auch über 180 Jahre später machen sich immer wieder Bergsteiger auf, um den Spuren der Erstbesteiger zu folgen, um wie die einen „Gipfelsieg“ zu feiern. Ihr Weg zum Gipfel allerdings ist längst nicht so schwierig wie der, den die Erstbesteiger gehen mussten: Der Gletscher, den man 1841 auf dem Weg zum Gipfel schnell erreicht hatte, ist weit zurückgegangen – eine unübersehbare Folge des Klimawandels. Und während die Erstbesteiger noch in einem Stall übernachten mussten, um sich am nächsten Tag zum Gipfelaufstieg auf den Weg zu machen, ist heute die Kürsinger Hütte, benannt nach einem der Erstbesteiger, Ausgangspunkt für den Weg zum Gipfel, zu dem man aber trotzdem noch einen fünfstündigen Weg vor sich hat.

Die letzten Meter vor dem Ziel: Der Großvenediger ist nach fünfstündigem Aufstieg erreicht, der Blick auf die faszinierende Bergwelt der Alpen ist frei.

Nach einer Übernachtung in der Hütte geht es in den sehr frühen Morgenstunden auf den Weg. Der erfordert aber noch immer eine gute Kondition, denn von der Hütte bis zum Gipfel liegen über 1200 Höhenmeter vor den Berggängern, die den größten Teil der Bergtour über den Gletscher und die Schneefelder gehen müssen. Nur das erste Stück, das meist in der morgendlichen Dunkelheit mit der Stirnlampe beleuchtet werden muss, führt über Fels. Der Weg zum Gipfel ist übrigens einfacher geworden: Eine breite Gletscherspalte, die noch vor einigen Jahren nur mit einer auf zwölf Meter Länge zusammengesetzte Leiter überquert werden konnte, ist verschwunden, die Route führt nun an schmalen Gletscherspalten vorbei, einige Male müssen sie mit einem etwas größeren Schritt überwunden werden. Geblieben ist der Gipfelgrat, der noch immer Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Und geblieben ist auch der faszinierende Blick auf die vielen 3.000er, die rund um „die weltalte Majestät“ zu sehen sind. Verstehen kann man dort auch, warum Anton von Ruthner so begeistert war von dem Gipfel, den man übrigens vom Wildkogel, dem „Hausberg“ der Region sehr gut sehen kann.

Woher der Großvenediger seinen Namen hat, ist noch immer nicht geklärt, vermutlich waren es Händler aus der italienischen Region Venetien, die im 18. Jahrhundert auf ihren Reisen nach Norden für den Namen sorgten. Erstmals erwähnt wurde der Name aber schon 1797, vorher wurde der Gipfel als Stützerkopf bezeichnet. Venedig selbst war an der Namensgebung nicht beteiligt und sehen kann man die Stadt vom Gipfel aus auch nicht.

Der übrigens ist nicht, wie immer wieder gesagt wird, 3.666 Meter hoch, der Großvenediger erreicht „nur“ 3.657 Meter – und ist trotzdem faszinierend.

Veranschlagen sollte man für die Gipfeltour von der Kürsinger Hütte zum Großvenediger mindestens acht Stunden, die Gesamtstrecke beträgt etwa 14 Kilometer, im Auf- und im Abstieg sind etwa 1.220 Höhenmeter zu bewältigen. Steigeisen, Pickel oder Stöcke und Seil sind unbedingt erforderlich. Unbedingt empfehlenswert ist es, die Tour mit einem Bergführer zu machen. In Neukirchen am Großvenediger haben sie ihr Büro. Eine gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind absolute Voraussetzungen für den Weg aus „die alte Majestät“.

Infos:

www.wildkogel-arena.at

www.bergfuehrer-buero.at

Süchtig nach dem Stoabergmarsch

Was will eigentlich ein Hamburger beim Stoabergmarsch in der Region Pillerseetal, Fieberbrunn, Saalfelden, Leogang und dem Saalachtal? Hartmut Tamcke hat da oben im Norden den Süllberg, immerhin 74 Meter hoch, oder den 116 Meter hohen Hasselbrack am Südrand der Stadt an der Elbe. Aber den Stoabergmarsch? Irgendwas stimmt mit dem nicht, immerhin war er schon zweimal dabei. Eindrücke von einem, der süchtig geworden ist – süchtig nach dem Stoabergmarsch.

Eins vorweg: Ich bin ein Fan der Berge – sogar der Hamburger, die ja eigentlich gar keine Berge sind. Immer wenn ich Zeit hatte, bin ich schon in meinem Arbeitsleben in die „richtigen Berge“ gefahren – auch von Berufs wegen, als Redakteur habe ich viele Reiseberichte geschrieben – unter anderem über die Jahrestage der Erstbesteigung des Piz Buin und des Großvenedigers, die mich jeweils zweimal auf beide Gipfel gebracht haben.

Und in den vielen Informationen, die so auf meinen Schreibtisch gekommen sind, war 2019 eine vom Stoabergmarsch – ich glaube, es war der Beginn einer Sucht.

Das höchste Ziel beim Stoabergmarsch 2021 war das Spielberghorn

Ein Grund, sich der Herausforderung zu stellen, die, wie man glauben könnte, eigentlich nur Einheimische auf sich nehmen: In 24 Stunden durch die wunderbare Bergwelt rund um der Region Pillerseetal, Fieberbrunn, Saalfelden, Leogang und dem Saalachtal wandern. Das muss etwas Außergewöhnliches sein, immerhin lockt der Stoabergmarsch neben den heimischen Bergfreunden auch solche aus vielen anderen Ländern in die Region. 2019 waren es zum Beispiel Bergfreunde aus den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz. Die weiteste Anreise hatte in dem Jahr ein Bergwanderer aus Portugal, der nördlichste Teilnehmer war ich als Hamburger.

Also los zusammen mit 120 Bergfreunden von Leogang über die Passauer Hütte auf 2200 Meter nach Weissbach bei Lofer, über den Römersattel nach Hochfilzen und dann an die Bergstation der Buchensteinwand oberhalb von St. Jakob im Haus. 54 Kilometern und 2900 Höhenmetern rauf und 2200 Höhenmetern runter war in dem Jahr das, was die Bergfreunde in ihre Bilanz eintragen konnten.

Ein einmaliges Erlebnis? Nein, schon bei der Übernahme des Finisher-T-Shirts 24 Stunden nach dem Start war klar: „Ich bin zwar müde und die Füße schmerzen, aber das tust Du Dir noch mal an.“

Schlecht nur, dass Corona dafür sorgte, dass es nicht 2020, sondern erst 2021 wieder los gehen sollte. Mit fast 50 anderen Teilnehmern war es im September eine Bergtour, die von Hochfilzen über den 1757 Meter hohen Kleberkopf und das 2044 Meter hohe Spielberghorn führte, dann über den Römersattel und mit einem ewig lang erscheinenden Abstieg nach Lofer ging. Und dann noch zum Loderbichl auf 1020 Meter. Die Bilanz nach 24 Stunden: 2019 waren es 64,3 Kilometer und 2.455 Höhenmeter, die fast alle Teilnehmer hinter sich brachten. Und wieder das so erstrebenswerte Finisher-T-Shirt, jetzt in einer anderen Farbe.

Aller guten Dinge sind drei? Die dritte Wiederholung der Teilnahme am Stoabergmarsch in diesem Jahr ist geplant – trotz schmerzender Füße und einer Müdigkeit, die noch zwei Tage später spürbar war.

Aber wie sagte eine Teilnehmerin, die ich auch schon bei meinen beiden ersten Stoabergmärschen getroffen habe? „Entweder gehst du den Marsch nur ein einziges Mal, oder du gehst ihn immer wieder.“

Man liebt ihn eben oder man hasst ihn – ich habe mich für die Liebe entschieden. Und dafür, dass der Stoabergmarsch in der Region Pillerseetal, Fieberbrunn, Saalfelden, Leogang und dem Saalachtal süchtig macht. Und ich bin süchtig geworden, werde mich aber nicht in eine Therapie begeben, sondern alles daransetzen, dass ich meiner Sucht frönen kann. Auf Wiedersehen beim Stoabergmarsch 2022 . . .

Willkommen auf meinem Reisen Blog

Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen . . .

Johann Wolfgang von Goethe hatte schon recht, als er diesen Satz sagte: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen”, meinte der große deutsche Dichter, der in seiner Heimat so manchen Kilometer hinter sich gebracht hat.

Und wie Goethe es sagte, habe ich es auch gehalten: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen” ist seit Jahren mein Motto. Okay, die ersten Kilometer werden mit dem Auto oder dem Flugzeug gemacht, dann aber sind Rucksack, Zelt und Schlafsack die wichtigsten Begleiter. Und die Ziele sind einfach: Irgendwo zwischen Normal Null an der Küste und hohen Gipfeln in Norwegen, den Alpen oder auf Inseln sind sie zu finden, sie liegen auf dem europäischen Festland Zwischen Nordnorwegen, Italien und Portugal, den Kanarischen Inseln und Madeira.

Als Reiseschreiber war ich lange als Redakteur „zwischendurch“ unterwegs, jetzt widme ich meine volle Zeit dem Erkunden immer neuer Regionen.

In der Bucht der Piraten

Isla Bonita wird La Palma genannt, Blumenfreunde haben viel zu sehen auf der „schönen Insel“. Aber auch Wanderfreunde werden begeistert sein.

Die Piratenbucht war lange nur von der Wasserseite erreichbar. Foto: Tamcke

Der Weg ist lang und recht beschwerlich – zumindest, wenn man ihn von Tijarafe aus geht: Bis zur Piratenbucht (Poris de Candelaria) sind es gut zweieinhalb Stunden, die man gehen muss und es sind 400 Höhenmeter, die es teilweise ziemlich steil bergab geht. Die Piratenbucht auf La Palma – Kenner sprechen von der schönsten der Kanarischen Insel – war einst Versteck für Schmuggler, man konnte sie nur mit dem Boot erreichen. Und auch das war ein Abenteuer, auf das sich nur geübte Fischer – und eben die Schmuggler – eingelassen haben. Irgendwann gab es einen Trampelpfad, der gehört – inzwischen gut ausgebaut und markiert – zum umfangreichen Wanderwegenetz auf La Palma. Der Wanderweg führt durch eine wilde Landschaft, die schließlich an der zerklüfteten Steilküste an der Westseite der Insel endet.

Man die Piratenbucht auch einfacher erreichen, eine Straße führt hinab zur Küste und verkürzt den Fußweg auf etwa 15 Minuten. Wanderern sei aber der lange Weg empfohlen, der Reiz der Landschaft entschädigen für den Schweiß, der nicht nur von der Stirn rinnt.

Auf seine Tour sollte man unbedingt viel Wasser und ein kleines Lunchpaket mitnehmen, denn auf dem gesamten Weg, für den man mit dem steilen Aufstieg von der Piratenbucht bis zum Startort etwa 5 bis 6 Stunden benötigt, gibt es keine Einkehrmöglichkeit.

Infos

Infos über La Palma gibt es unter http://www.la-palma-tourismus.com.

Tipp

Wer auf La Palma wandern will, der sollte feste Wanderschuhe mitnehmen. An denen erkennt man auf dem Flughafen übrigens den typischen La Palm Urlauber, denn aus Gewichtsgründen trägt der die schweren Schuhe schon während des Direktfluges.